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Anne-Marie Glowienka nennt Vor- und Nachteile des Wegfalls der Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer

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Von: Lara Terrasi

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Gesundheits- und Ergonomieberaterin Anne-Marie Glowienka aus Aschenstedt.
Gesundheits- und Ergonomieberaterin Anne-Marie Glowienka aus Aschenstedt. © Glowienka

Aschenstedt – Am 20. März endet die Homeoffice-Pflicht. Was das für Arbeitnehmer bedeutet und welche Aufgaben sich sowieso besser im Büro erledigen lassen, berichtet die Aschenstedterin Anne-Marie Glowienka. Die Fragen stellte Lara Terrasi.

Frau Glowienka, was bedeutet der Wegfall der Homeoffice-Pflicht für Arbeitnehmer und -geber?

Am 20. März sollen viele der Corona-Maßnahmen wegfallen. Dazu gehört auch die Homeoffice-Pflicht. Für die Arbeitnehmer, sofern sie im Büro arbeiten, bedeutet das, dass sie ab dem Tag grundsätzlich wieder im Büro arbeiten müssen, sofern der Arbeitergeber oder die Arbeitgeberin das so anordnet. Aus meiner Erfahrung und Rückmeldung haben aber viele Betriebe erkannt, dass Homeoffice auch Vorteile hat. Aus meiner Sicht auch schon bezüglich der Arbeitgeberattraktivität, da viele Beschäftigte gerne auch weiterhin zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten möchten, wird es langfristig auf eine Hybridlösung hinauslaufen, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen.

Welche Aufgaben lassen sich aus Ihrer Sicht besser im Homeoffice erledigen – und welche im Büro?

Sofern es die häuslichen Gegebenheiten zulassen, sind Arbeiten, bei denen man alleine eine längere Zeit konzentriert und möglichst ohne Unterbrechung etwas abarbeiten möchte, fürs Homeoffice gut geeignet wie beispielsweise Auswertungen, Recherchearbeiten und Planungen. Weniger gut fürs Homeoffice und besser fürs Büro geeignet sind alle Aufgaben, wo es um Kreativität, Innovation und das Wir-Gefühl geht. Also immer dann, wenn zwischenmenschliche Beziehungen, Zusammenarbeit, Kommunikation und Austausch nötig sind.

Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile, wenn die Beschäftigten wieder öfter ins Büro fahren?

Der Kontakt mit den Kollegen, die Förderung des Austauschs und der Kreativität.

Wie arbeiten Sie aktuell? Vom Büro oder von zu Hause aus?

Ich arbeite im Homeoffice, da ich viele meiner Angebote seit dem vergangenen Jahr digitalisiert habe und Präsenztermine erst nach und nach wieder vonstattengehen.

Sie haben im vergangenen Jahr das Buch „Gesund und fit im Home-Office“ veröffentlicht (wir berichteten). Welche Vorteile für die Gesundheit könnte es haben, wenn Beschäftigte nicht mehr – oder zumindest weniger – von zu Hause aus arbeiten?

Sowohl das Büro als auch das Homeoffice können Vor- beziehungsweise Nachteile für die Gesundheit haben. Während sich im Büro Luft, Temperatur, Lärm und Ansteckungsgefahr gegebenenfalls nachteilig auswirken, könnten es im Homeoffice das nicht rückengerechte Arbeiten – zum Beispiel an einem unpassenden Tisch und Stuhl – oder der eingeschränkte Kontakt zu den Kollegen sein. Gut für die Gesundheit wäre mehr Bewegung, aber das gilt für beide Arbeitsformen.

Und was ist gut für den Rücken?

Ein guter Stuhl beziehungsweise Bürostuhl ist sowohl im Homeoffice als auch im Büro gut für den Rücken. Allerdings verhindert auch der beste Bürostuhl keine Rückenschmerzen, wenn man sich nicht bewegt. Eine ergonomische Ausstattung allein kann Sitzkrankheiten nicht vorbeugen. Dafür sollte man auch selbst immer wieder aktiv werden.

Wie stellen Sie sich das Büro der Zukunft vor?

Aus meiner Sicht und im Wettbewerb um Fachkräfte werden die Büros der Zukunft eher Orte der Begegnung werden, zur Förderung des Austausches und der Kreativität. Viele Beschäftigte wünschen sich laut Umfragen zwei bis drei Tage pro Woche Büroarbeit und den Rest im Homeoffice.

Bundesregierung: Homeoffice bleibt eine Option

Laut der Bundesregierung bleiben bewährte Arbeitsschutzmaßnahmen wie Testangebote und Homeoffice bestehen. Sie werden nicht mehr vorgeschrieben, aber als mögliche Schutzmaßnahmen festgeschrieben. Das Bundeskabinett hat die neu gefasste Corona-Arbeitsschutzverordnung zur Kenntnis genommen. Da die aktuellen Regelungen der Corona-Arbeitsschutzverordnung mit Ablauf des 19. März enden, soll bis zum 25. Mai eine angepasste Verordnung gelten, heißt es auf der Internetseite der Bundesregierung weiter.

Unternehmen seien weiterhin verpflichtet, die Beschäftigten vor gesundheitlichen Gefährdungen zu schützen. Die Entscheidung über erforderliche Maßnahmen treffen sie künftig jedoch eigenverantwortlich – abhängig vom örtlichen Infektionsgeschehen und den tätigkeitsspezifischen Infektionsgefahren.

Ab 20. März müssen die Unternehmen im Rahmen ihrer Gefährdungsbeurteilung die Umsetzung der AHA+L-Regel, die Verminderung der betriebsbedingten Personenkontakte und Angebote für betriebliche Testungen prüfen. Arbeitgeber können den Beschäftigten weiterhin die Arbeit im Homeoffice anbieten und weiterhin Testangebote machen.

Zur Person

Anne-Marie Glowienka ist 59 Jahre alt und lebt seit 1996 in Aschenstedt. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter. Vor mehr als 25 Jahren hat sie sich selbstständig gemacht. Glowienka arbeitet als Gesundheits- und Ergonomie-Beraterin, Trainerin und Coach. Nach ihrer Ausbildung zur Sport- und Gymnastiklehrerin absolvierte sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Anschließend eröffnete sie eine eigene Praxis in Wildeshausen, die sie zehn Jahre lang betrieben hat. Danach qualifizierte sie sich zur Ergo-Phys-Consultant, eine Kombination aus Physiotherapie und Ergonomieberatung. Im Jahr 2004 gründete sie in Aschenstedt ihre Firma „hochForm“. In ihrer Freizeit geht sie gerne wandern, tanzt und liest, so die 59-Jährige. Die Aschenstedterin bietet digitale Videoberatungen, Online-Seminare, Vorträge, Seminare und Gesundheitswerkstätten vor Ort im Betrieb an.

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