Hockergymnastik beim TV Brettorf: Anstrengender als gedacht

Konzentration auf die eigenen Grenzen

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Mit den Balance-Kissen trainieren die Senioren ihren Gleichgewichtssinn.

Brettorf - Von Sophie Filipiak. Arme nach vorne strecken, die rechte Handfläche nach außen drehen und dann die Gliedmaßen irgendwie ineinander verschränken. Ich werfe einen kurzen Blick auf die Dame neben mir. Okay, sie kriegt das auch nicht so richtig hin. Also die Arme wieder entknoten und von vorne. Übungsleiterin Heidrun Coldewey erklärt die Übung mit Engelsgeduld noch einmal.

Beim zweiten Anlauf klappt es auch bei mir. Langsam heben meine Mitstreiter und ich unsere Arme über den Kopf. Ich komme ein bisschen höher als die übrigen – kein Wunder, schließlich ist der jüngste Teilnehmer der Hockergymnastik des TV Brettorf gut 50 Jahre älter als ich mit meinen 27 Jahren.

Die Senioren treffen sich jeden Dienstagmorgen in der Turnhalle. Alle sind pünktlich da – außer ich. Als ich die Halle als Letzte betrete, stutze ich für einen Moment. Denn ich hatte – wie der Name des Kurses erahnen lässt – kleine Plastikhocker erwartet, auf denen die Übungen ausgeführt werden. Stattdessen sind im Rund Holzstühle aufgestellt, die man eigentlich eher in einer Gaststätte vermuten würde.

Tatsächlich stammen die „Übungsgeräte“ aus dem nahen Vereinsheim, wie mir Coldewey, die für die eigentliche Übungsleiterin Erika Lux eingesprungen ist, verrät. „Eigentlich wollten wir uns richtige Hocker anschaffen, aber für die älteren Leute sind die Lehnen viel praktischer.“

Was sie damit meint, zeigt sie mir nach den ersten Aufwärmübungen. Wir stehen alle auf, umrunden die Stühle und halten uns an der Rückenlehne fest. Drei der Teilnehmer sind auf Gehhilfen angewiesen. Ohne die Stütze könnten sie gar nicht richtig mitmachen. Wir beginnen mit „Auf-der-Stelle-Marschieren“.

Mein Kreislauf, der meistens am Morgen die Arbeit verweigert, wird angekurbelt. Im gemütlichen Tempo, aber begleitet von rhythmischer Musik, stampfen wir eine Weile vor uns hin. „Jeder in seinem eigenen Tempo“, ermahnt Coldewey. „Schaut nicht, was euer Nachbar macht.“

Der Brettorferin ist wichtig, dass die Teilnehmer ihre eigenen Grenzen erkunden. Der eine hat Probleme mit dem Knie, die andere mit den Ellenbogen. Trotz der Handicaps machen alle fleißig mit und versuchen im Rahmen der Möglichkeiten, ihre Beweglichkeit zu erhalten.

Coldewey verteilt nun blaue Plastik-Kissen. „Ich weiß nicht, was sie damit vorhat“, höre ich es neben mir murmeln. Ein Glück, ich bin also nicht die einzige Unwissende, dachte ich.

Es handelt sich um genoppte Balance-Kissen. Langsam und mit Bedacht sollen wir uns darauf stellen. Die Noppen massieren angenehm meine Fußsohlen, während ich versuche, das Gleichgewicht zu halten.

Die ungewöhnliche Belastung spüre ich bereits in den Beinen, und werde daran erinnert, dass mein letztes Training schon einige Zeit her ist.

Nachdem wir ein paar Minuten auf die Kissen eingetreten haben, setzen wir uns wieder auf die Stühle. Es folgen Übungen, die die Brustmuskulatur stärken. „So, jetzt gucken mal alle zu mir, wie ich das mache“, fordert Coldewey auf. Und zum einzigen männlichen Sportler gewandt: „Du kannst auch ruhig auf meine Brust schauen.“ Der kontert trocken: „Mach ich schon! Bin ja nicht verkalkt.“

Zum Abschluss absolvieren wir noch ein paar Atemübungen, die an Yoga angelehnt sind. Beim tiefen Einatmen merke ich schmerzhaft meine Lungen. Das exzessive Rauchen der vergangenen Wochen hat schon seine Spuren hinterlassen.

„Bist du nächste Woche auch wieder dabei?“, wird Coldewey beim Hinausgehen gefragt. „Nein, dann ist wieder Erika da“, kommt die Antwort. „Schade.“

Auch ich mache mich auf die Socken. Mit dem festen Vorsatz, mehr Sport zu machen und weniger zu rauchen. Damit ich im Alter genauso fit bin wie die Hockerturner.

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