Heimatverein schickt Positionspapier samt Modellrechnung und Appell an Fraktionen

Hockensberger kämpfen gegen Gewerbegebiet

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Seit dem vergangenen Jahr laufen wieder Planungen zur Entwicklung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriegebietes an der B 213 in Hockensberg.

Hockensberg - Mit Blick auf die politischen Beratungen im Juni nimmt der Widerstand gegen ein Industrie- und Gewerbegebiet in Hockensberg Fahrt auf. Der dortige Heimatverein hat ein Positionspapier verfasst, das nun an den Dötlinger Bürgermeister sowie alle Ratsfraktionen ging. Darin appellieren die Vertreter an die Entscheidungsträger, das Wohl der Gemeinde und ihrer Bewohner nicht aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig verweisen sie auf „überdurchschnittliche Erschließungskosten“ und machen deutlich, dass sie jegliche Möglichkeit wahrnehmen werden, um gegen die Planungen vorzugehen. Dies würde eine zeitnahe Realisierung verhindern.

Da der Heimatverein das Gefühl hat, dass nun die Entscheidung über ein Gewerbe- und Industriegebiet in Hockensberg vorangetrieben und „damit wohl festgeklopft werden soll, bevor sich mit Ablauf der Wahlperiode im Herbst die Mehrheitsverhältnisse im Rat ändern könnten“, richtet er sich mit seinem offenen Brief an die Fraktionen. In diesen laufen bereits die Beratungen (wir berichteten). „Bevor es hier zu vorschnellen Festlegungen kommt, möchten wir an die Entscheidungsträger appellieren“, heißt es. „Wir bitten anzuerkennen, dass wir als Hockensberger legitim gegen eine weitere Verschlechterung der Wohnlage und Lebensqualität sind, und dass wir keine wirtschaftsfeindlichen Fundamentalisten sind, wenn wir uns gegen das Gewerbegebiet zur Wehr setzen.“ Die Windräder, Biogas- und Mastanlagen in Hockensberg seien gewiss keine Bereicherung des Landschaftsbildes, aber in der Verbindung von Wohnen sowie Arbeiten konsensfähig und leisteten bereits jetzt einen nicht unerheblichen Beitrag zum Haushalt der Gemeinde.

Der Heimatverein erinnert zudem daran, dass schon einmal ein Versuch, auf dem Brakland-Gelände ein Gewerbe- und Industriegebiet zu realisieren, am Widerstand der Dötlinger Bevölkerung gescheitert ist. „Es war kein dumpfer Widerstand, sondern es wurde durch ihn sichtbar gemacht, was die Entscheidungsträger nicht sehen wollten – nämlich, dass das Gelände für diesen Zweck ungeeignet ist“, heißt es weiter. Die erneute Diskussion um den Standort Brakland beruhe nicht auf neuen Sachlagen, sondern „anscheinend auf Fehlinformationen und dem nicht gelöschten lila Fleck auf der Landkarte der Gemeinde, welcher die Möglichkeit einer schnellen Umsetzung vorzugaukeln scheint“.

Nach Angaben des Heimatvereines, der aus Bürgerinitiativen wie der gegen das Gewerbegebiet entstanden ist, unterliegt das Areal massiven Einschränkungen. Geländebedingt würden sich überdurchschnittliche Erschließungskosten ergeben, von denen nur ein geringer Teil über den Flächenverkauf zurückgeholt werden könnte. Der Verein spricht von einen Millionendefizit, das die Gemeinde über mindestens eine Generation hin belasten würde, „wenn es denn je über Gewerbesteuereinnahmen ausgeglichen werden kann“. Zudem hat er eine eigene Modellrechnung aufgestellt, die dem Positionspapier anhängt. Laut dieser würden sich die Investitionen frühestens in 30 Jahren amortisieren. Der Heimatverein hat Kosten von mehr als 9,8 Millionen Euro errechnet, die sich aus Grunderwerb, Notariats- sowie Erschließungskosten ergeben. Der Verkauf von 18 Hektar an Betriebe bringe gemäß der Modellrechnung 3,24 Millionen Euro ein. Dabei geht der Verein von einem Quadratmeterpreis von 18 Euro aus. Bleibe erst einmal ein Defizit von knapp 6,75 Millionen Euro. Auch für die Alternativfläche an der B 213, die die Gemeinde begutachten ließ, wurde eine Rechnung erstellt. Dieser zufolge würde das Minus dort 4,5 Millionen Euro betragen. Der Verein sei gerne bereit, mit „den vergleichbaren Zahlen der Gemeinde Dötlingen einen Dialog zu führen“, schreiben die Vertreter.

Gleichzeitig bitten sie um Verständnis, „dass wir jede, aber auch wirklich jede Möglichkeit – auf politischer wie rechtlicher Ebene – wahrnehmen werden, um Widerstand gegen die Planungen auf dem Brakland-Gelände und ebenso für Bereiche westlich der B 213 zu leisten. Da wir durch alle Instanzen gehen würden, würde eine Umsetzung keineswegs zeitnah möglich sein, sondern in unabsehbar ferne Zeiten verschieben.“

Der Verein sei bereit, Planungen für alternative Standorte nicht zu behindern, soweit sich diese auf Gebiete östlich der B 213 beschränken. „Auch stehen wir nach wie vor für konstruktive Gesprächen über diese oder andere alternative Planungen zur Verfügung, um Kompromisslinien auszuloten“, heißt es abschließend.

ts

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