Prospektion in Hockensberg

Archäologe Näth: „Der Boden ist ein Wissensarchiv“

Ein Mann hockt neben einem Graben, in dem Befundmarker stecken
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Dieser Stein könnte ein Findling sein, erklärt Falk Näth. Oder aber etwas Interessanteres.

Keine Festplatte, kein Papier, keine DVD speichert so gut Informationen über Vergangenes wie der Erdboden, sagt Archäologe Falk Näth. Wenn vor 5 000 Jahren jemand ein Loch in den Boden gegraben hat, dann sieht er das heute noch. In Hockensberg hat sein Team bereits einige solcher Stellen entdeckt.

Hockensberg – Kurios sehen sie aus, die unzähligen kleinen Erdhügel, die in geraden Linien auf dem Gelände des zukünftigen Gewerbeparks in Hockensberg aufgehäuft sind. Wer die Farbe Braun in all ihren Schattierungen liebt, ist dort genau richtig.

Auf zwei der insgesamt 20 Hektar Fläche wird seit Anfang Dezember der Ober- und der Unterboden abgetragen, um eine archäologische Prospektion, also eine erste Erkundung, zu ermöglichen. Zuständig dafür sind Falk Näth, Archäologe und Mitgründer der Firma Denkmal 3D aus Vechta, sowie sein vierköpfiges Team vor Ort.

Blick in die Vergangenheit

Auch wenn Prospektion exakt übersetzt Vorausschau heißt, ist sie doch eigentlich ein Blick in die Vergangenheit. „Das, was hier im Boden ist, ist ein Wissensarchiv“, sagt Näth. Ohne dieses gäbe es keine Chance, zu erfahren, wie das Klima, die Bevölkerungsentwicklung, die Wirtschaft oder die Migrationsbewegungen vor mehreren tausend Jahren waren.

Ein dunkler Fleck kann darauf hindeuten, dass an dieser Stelle jemand vor 5 000 Jahren einen angespitzten Holzpfahl in die Erde gerammt hat. Dass er das noch an mehreren Stellen getan hat, die Zwischenräume mit Lehm, Stroh oder anderen Materialien gefüllt und ein Haus gebaut hat. Dass es möglicherweise eine ganze Siedlung gab.

Ohne ihn geht nichts: der 20-Tonnen-Bagger von Harald Lammers.

Die Unterscheidung von Haustypen, Gefäßformen oder anderen Überresten im Untergrund ermöglichen sogar eine Datierung der Funde.

All diese Informationen seien im Untergrund, der unter dem Ober- und dem Unterboden liegt, konserviert, erklärt Archäologe Näth. In dieser dritten Schicht gebe es keine Bewegung mehr, sondern nur Ruhe, deshalb sei das die „Speicherplatte“. Dass nicht alle Informationen ausgelesen werden, sondern nur ein Teil des Geländes prospektiert wird, stört den 48-Jährigen nicht: „Je länger das Bodenarchiv bewahrt werden kann, umso schöner.“

Denkmalschutz trifft Bauplanung

Es sei deutlich zu spüren, dass sich das Bewusstsein für den Denkmalschutz, der auch die archäologischen Informationen im Untergrund betrifft, bei Bauherren ändere, sagt Näth. Die Auflagen würden zahlreicher, auch in den Bereichen Umwelt und Bodenschutz. Das finde er sehr gut.

Letztlich seien Prospektionen deshalb eine „Gemengelage aus Verwaltungsakt und wissenschaftlicher Forschung“. Es ist vorgeschrieben, dass zumindest ein Teil der zu bebauenden Fläche archäologisch untersucht wird, was eine Chance für neue Erkenntnisse bietet. Allerdings dokumentieren die Grabungsteams vor Ort erst einmal nur, was sie finden, und reichen einen Bericht ein.

„Die Abwägung ist Sache der Denkmalschutzbehörde“, erläutert Näth. Sie entscheidet, ob weitere Untersuchungen gemacht werden sollen, und kann den Bauherren, wenn nötig, Auflagen machen.

Archäologe Daniel Jachimczuk schaut, was der Bagger ans Licht bringt.

Wenn der Bagger Gräben zieht

Alle 18 Meter zieht der Bagger einen etwa zwei Meter breiten Graben auf dem Hockensberger Gelände. Rechts und links die Erdhügel, getrennt nach Ober- und Unterboden, damit beim Zuschütten am Ende nichts durcheinander geht.

20 Tonnen schwer ist der Bagger, den Harald Lammers steuert. Mit pinkfarbenen Fähnchen ist abgesteckt, wo er entlangfahren soll. Die Spuren hat er bereits vorgeprägt und bewegt sich auf ihnen langsam rückwärts. Wo Holzstäbchen aus dem Gras ragen, darf er nicht ran, dort sind Leitungen oder Rohre verlegt.

Bevor er vor zwei Jahren zu der Vechtaer Firma kam, habe er abgerissen, große Industriehallen, Wohnhäuser und so weiter, erzählt Lammers. „Baggerfahrer aus dem Abbruch, die können’s meistens“, findet Näth. Es brauche viel Präzision, um das Erdreich langsam und glatt abzutragen.

Fähnchen, Schaber, Marker, Kamera

Daniel Jachimczuk trägt einen blauen Helm auf dem Kopf, mehrere pinkfarbene Fähnchen in der Hand und geht langsam hinter dem Bagger her. Er hält Ausschau nach geometrisch geformten Verfärbungen, die auf menschliche Aktivitäten hindeuten, und Fundstücken im Boden.

Sieht er etwas Interessantes, steckt der Archäologe eine Fähnchen in die Erde. Ob sie zu einem gelben Befundmarker wird, entscheidet Eik Abbentheren.

Eik Abbentheren fotografiert einen Fund.

Der Grabungsleiter und sein Mitarbeiter Lukas Huhold schauen sich die markierten Stellen genauer an, glätten den Boden mit einem Schaber und fotografieren sie. Dafür legt Abbentheren Zentimeterskalen und eine Tafel, auf der die Befundnummer und der Ort notiert sind, dazu. Dann geht es weiter zum nächsten Fähnchen.

Ein Fund, der es in sich haben könnte

16 gelbe Marker hat das Team in die Gräben im nordwestlichen Teil des zukünftigen Gewerbeparkgeländes gesteckt. „Wir haben hier einen Verdacht“, berichtet Näth. Ein runder Fleck deute möglicherweise auf ein ehemaliges Haus hin. Ein Stein könnte ein einfacher Findling sein oder vielleicht Teil eines Großsteingrabs.

Um das zu klären, soll ab Montag eine größere Fläche geöffnet und vom Grabungsteam untersucht werden. Lammers und sein Bagger stehen schon bereit.

Denkmal 3D

Archäologe Falk Näth und Vermesser Volker Platen gründeten vor zehn Jahren die Firma Denkmal 3D, die unter anderem Prospektion, Vermessung und Baubegleitung anbietet und rund 40 Beschäftigte hat.

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