Vollsperrung der Stüher Straße belastet Einwohner 

Ein Hilferuf aus Klattenhof

Die Liberalen und die Einwohner aus Klattenhof und Immer erörterten vor Ort die Situation. Sie alle haben den Eindruck, dass es mit den seit November laufenden Bauarbeiten nicht wirklich vorangeht. - Foto: Schneider

Klattenhof - Von Tanja Schneider. Sie waren richtig zufrieden – die Klattenhofer. Mit dem Start der Bauarbeiten im November hatte das rund zehn Jahre lange Warten auf einen Radweg von Brettorf nach Immer endlich ein Ende. Auch die Fahrbahnsanierung der K327 zwischen Klattenhof und Immer stieß auf allgemeines Wohlwollen. Nach monatelanger Baustelle und vor allem der Vollsperrung der Stüher Straße ist die Stimmung allerdings umgeschlagen.

Die Einwohner sind die Umwege, die sie fahren müssen, leid. Die dortigen Direktvermarkter beklagen ein Fernbleiben der Kunden. „Die Arbeiten schreiten viel zu zögerlich voran“, bemängeln sie und fordern den Landkreis auf, sich für eine Beschleunigung der Maßnahme einzusetzen.

Ihre Beobachtungen und Sorgen teilten die Klattenhofer und einige Bürger aus Immer am Dienstagabend den FDP-Vertretern im Kreistag sowie im Dötlinger Gemeinderat mit. Und auch die Liberalen haben den Eindruck, dass es entlang der K 327 nicht wirklich vorangeht. „Dass die Arbeiten im Zeitplan liegen, kann einfach nicht sein“, ist sich Ernst-August Bode, Vorsitzender des Bau-, Straßen- und Brandschutzausschusses des Landkreises, sicher. Die Kreisverwaltung hat genau dies beteuert – auch während der Sitzung eben jenes Ausschusses vor rund anderthalb Monaten, wie aus dem öffentlich einsehbaren Protokoll hervorgeht. Bode hat sich deshalb den Bauzeitenplan besorgt, der zwischen dem Kreis und der ausführenden Firma vereinbart wurde. „Er datiert vom 27. April, ist also schon eine angepasste Fassung“, informierte er. Demnach müssten für den Radweg im Abschnitt zwischen Brettorf und Klattenhof in dieser Woche die Asphaltarbeiten beginnen. Innerhalb von Klattenhof dürften nur noch Restarbeiten anstehen. Und für die Stüher Straße, auf dessen Freigabe die Einwohner sehnlichst warten, müssten in der kommenden Woche die Schwarzdeckenarbeiten starten. „Wer einmal einen Blick auf die Baustelle geworfen hat, weiß, dass daraus nichts wird“, so Bode. „Für die Fahrbahn fehlt ja sogar noch die Schotterschicht.“ Nach Auskunft von Klattenhofs Bezirksvorsteher Hartmut Menkens, der fast täglich die Baustelle besucht und auch bei Baubesprechungen dabei ist, kommt jetzt aber erst Sand auf die Trasse.

Zwar räumte Bode ein, dass es bei Bauarbeiten immer zu Verzögerungen kommen kann, zum Beispiel wegen der Witterung. „Aber in diesem Fall befinden wir uns erheblich in Verzug. Ich schätze, fast zwei Monate“, sagte der Liberale, der versprach, beim Landkreis Druck zu machen. „Ich sitze morgen oder übermorgen beim Landrat auf dem Schoß“, kündigte er an. Menkens sowie der Vorstand der Klattenhofer Dorfgemeinschaft wollen ebenfalls nachhelfen und haben einen Brief an Landrat Carsten Harings verfasst. Darin betonen sie, dass sie zwar froh sind, einen Radweg sowie eine neue Fahrbahn zu bekommen und natürlich bereit seien, ein gewisses Maß an Behinderungen hinzunehmen. „Nun aber fehlt uns jedes Verständnis für den anfangs zögerlichen Ablauf der gesamten Baumaßnahme. Tag für Tag sehen wir kaum Fortschritte, weder im Ort, noch im Stühe oder nach Brettorf hin“, heißt es in dem Schreiben. Einer der Einwohner ergänzte am Dienstag: „Die Bauarbeiter waren drei Tage am Werk, dann drei Wochen nicht, dann haben sie wieder drei Tage gearbeitet und dann drei Wochen nicht. So ging das die ersten vier Monate lang.“

Was bisher realisiert wurde, sei qualitativ zwar alles in Ordnung, die Schnelligkeit lasse aber zu wünschen übrig, bemängelt auch Menkens. Dies liege vor allem an der kleinen Gruppe, die tätig ist. „Mit nur vier oder fünf Leuten kommt man nun einmal nicht voran. Die jetzige Kolonne ist zudem ein reiner Pflastertrupp“, äußerte der Bezirksvorsteher Kritik an der ausführenden Firma. Und nicht nur was die Mitarbeiterstärke angeht, sei es zu Fehlplanungen gekommen. Auch über so manche zeitliche Abfolge könne man nur den Kopf schütteln. „Im Herbst haben sie die Trasse für den Radweg ausgekoffert und mit Sand gefüllt. Seitdem geht es nicht weiter, weil auch noch der Beton von der alten Fahrbahn der Stüher Straße hinein soll“, erzählte Menkens. „Die dortigen Arbeiten begannen aber erst später, und nun liegt der Beton fix und fertig gebrochen am anderen Ende.“ Hinzu kämen mehrere getroffene Leitungen im Ort. „Wir hatten deshalb zwei Wochen lang kein Telefon“, berichtete eine Klattenhoferin.

Bei den Einwohnern scheint der Geduldsfaden langsam zu reißen – vor allem wegen der Vollsperrung. „Wir sind hier total abgeschnitten. Über die Stüher Straße geht es nicht in Richtung Ganderkesse und auch nicht über Haidhäuser, da das dortige Gebiet wegen der Windparkbaustelle gesperrt ist.“ Klattenhof sei die reinste Sackgasse. Für die Hofläden ein Desaster. Denn wegen des fehlenden Durchgangsverkehrs kommen keine Kunden. Menkens schätzte den Einbruch auf 80 bis 90 Prozent. Einwohner und Liberale waren sich einig: „Es muss schnell eine Lösung gefunden werden.“ Bode kündigte an, auf jeden Fall zur nächsten Baustellenbesprechung am 20. Juli dazustoßen zu wollen.

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