73 Paare heirateten in Dötlingen

Wie war das Hochzeitsjahr 2020?

 die Wassermühle in Ostrittrum.
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Ein beliebter Ort zum „Ja“ sagen: die Wassermühle in Ostrittrum.

Dötlingen – 73 Paare haben sich im vergangenen Jahr in der Gemeinde Dötlingen das Jawort gegeben – darunter ein gleichgeschlechtliches. Trotz der Corona-Pandemie waren es sechs Trauungen mehr als im Jahr zuvor, erklärt Ute Vogt, Standesbeamtin der Gemeinde Dötlingen.

Zehn Hochzeitswilligen musste die Gemeinde sogar absagen. Dabei handelte es sich um Anfragen von Brautleuten, die an Terminen heiraten wollten, an denen das Standesamt nicht besetzt war.

Dass sich so viele Menschen haben trauen lassen, hat Vogt überrascht – insbesondere vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Sie betont: „Die Gemeinde hat 6.000 Einwohner. Es sind hier viele Eheschließungen im Allgemeinen.“ Aber nicht alle Paare lebten in der Kommune. Es seien 2020 ebenso Brautleute aus Delmenhorst, Oldenburg und Hamburg gekommen, um in Dötlingen den Bund fürs Leben zu schließen. Sie fügt hinzu: „Die letzten Jahre hatten wir immer viele Anfragen.“ Im Jahr 2018 haben sich 76 Heiratswillige das Jawort gegeben.

Einige Brautleute haben Hochzeit verschoben

Im Corona-Jahr hätten einige ihre Hochzeit von Frühjahr auf den Herbst verschoben. „Wir mussten uns immer an der niedersächsischen Verordnung entlang hangeln“, berichtet die Standesbeamtin. Es habe Paare gegeben, die ihre Hochzeit abgesagt, innerhalb des Jahres oder auf das nächste Jahr verschoben hätten. „Es haben aber auch welche gesagt: Wir machen es.“

Im April durften nur Vogt und die angehenden Eheleute bei der Zeremonie anwesend sein. Maximal 20 Personen pro Feier seien während der Pandemie erlaubt gewesen. Einen Mundschutz habe Vogt bei den Zeremonien nicht tragen müssen – nur auf dem Weg in den Raum. Am Platz durften die Personen ihn abnehmen. Zudem mussten alle Anwesenden ihre Kontaktdaten hinterlassen.

„Das war viel Verwaltungsaufwand – für beide Seiten. Viele haben angerufen und gefragt: Was darf man jetzt, wie müssen wir uns verhalten?“ Sie erinnert sich, dass einige Personen aufgrund der ständig wechselnden Verordnungen verunsichert gewesen seien.

Im April waren nur die Standesbeamtin und das Paar anwesend

Eine Nachricht, dass sich ein Paar mit Corona infiziert hat, habe sie nicht erhalten. „So einen Fall gab es Gott sei Dank nicht. Man muss ja selber auch immer vorsichtig sein. Man kann der Überträger sein, man kann aber auch selbst krank werden“, sagt die Standesbeamtin. Sie resümiert, dass die Heiratswilligen im vergangenen Jahr Verständnis für die Situation gehabt hätten. „Es war positiv. Im Großen und Ganzen ist es gut verlaufen. Ich bin froh, dass alles gut geklappt hat und wir es ermöglichen konnten. Wir haben es den Paaren doch hoffentlich so nett wie möglich gestaltet.“

22 angehende Eheleute hätten sich bislang für dieses Jahr angemeldet. Eines habe abgesagt. Im Januar habe Vogt keinen Termin. Im Februar und März ist es – bis jetzt – jeweils einer. Ist das viel für Januar? „Es hält sich noch die Waage. Ich meine, ich hatte schon mal mehr Anfragen. Ich denke, das hängt mit der Situation zusammen. Die Paare wissen nicht, ob sie groß feiern können und sie können nicht planen“, begründet Vogt.

Sie findet: „Wenn es nicht notwendig ist, jetzt zu heiraten, dann kann man auch warten.“ Aktuell halte sie die Zeremonie lediglich mit dem Brautpaar und zwei weiteren Personen ab. „Das habe ich für mich entschieden.“

Ebenfalls gern von Paaren ausgewählt: das Püttenhus in Dötlingen.

Termine für das Jahr 2022 vergibt die Standesbeamtin noch nicht. „Grundsätzlich nur ein halbes Jahr vorher, weil die Unterlagen gültig sein müssen.“ Und wo in der Gemeinde lassen sich die Leute gerne trauen? „Die Wassermühle Ostrittrum ist beliebt. Das Püttenhus Dötlingen wird auch gern genommen“, weiß Vogt aus Erfahrung. Eine Eheschließung ist zudem ebenfalls im Neerstedter Rathaus möglich.

Die meisten Paare würden im Frühjahr und Sommer heiraten. „Von Mai bis September ist die Hauptsaison – bei mir jedenfalls“, sagt die Standesbeamtin und lacht. Seit 2000 traue sie die Menschen. Gefragt seien im Allgemeinen Freitage und Samstage. „Samstage werden in der Regel immer gerne genommen“, sagt Vogt.

Das sagt die Floristin Nadine Koch

Von 55 geplanten Aufträgen für Hochzeits-Blumenschmuck seien am Ende nur zwölf übrig geblieben, berichtet Nadine Koch. Sie betreibt nebenberuflich seit 2017 das Kleingewerbe „Dötlinger Gartenzwerg“. Viele der Paare hätten 2020 ihre Trauung auf das nächste Jahr verschoben oder eine deutlich kleinere Feier veranstaltet als ursprünglich geplant.

Wenn aber Tischdekoration, Schmuck für die Kirche oder das Auto wegfielen und am Ende nur noch ein Brautstrauß gewünscht sei, stelle sich für sie auch die Frage der Rentabilität, erklärt Koch. Glücklicherweise habe sie einen festen Job und sei auf den Zuverdienst nicht dringend angewiesen.

Für dieses Jahr sei sie zwar bereits wieder gut gebucht, doch die ersten Paare hätten ihre Hochzeit bereits wieder umgeplant, berichtet die Dötlingerin: „Das Verschieben geht schon wieder los.“

Das sagt der Hochzeitsfotograf Oliver Saul

Zwei standesamtliche Trauungen blieben von den zwölf geplanten Hochzeiten, die Oliver Saul 2020 fotografieren sollte, übrig. Normalerweise machten Hochzeiten 40 bis 50 Prozent seines Einkommens aus, berichtet der Brettorfer. Seit 1994 arbeitet er als selbstständiger Fotograf.

Vor allem die Bildreportagen, für die er die Paare vom Ankleiden bis zur Party mit Familie und Freunden begleitet, seien ein wichtiger Teil seiner Aufträge. Und sehr viel Spaß mache ihm diese Arbeit auch. Doch da die großen Feiern ausgefallen seien, habe er im vergangenen Jahr keine einzige Hochzeitsreportage fotografiert. Wer standesamtlich heirate, freue sich zwar auch über Erinnerungsbilder, aber eben in deutlich geringerem Umfang.

Aktuell habe er weniger Anfragen für Hochzeiten als normalerweise zu dieser Zeit, sagt Saul. Außerdem könne er sich nicht so recht vorstellen, dass Hochzeiten im großen Kreis vor Mitte des Jahres wieder erlaubt seien. Um die deutlich spürbare Verschlechterung seiner wirtschaftlichen Lage etwas abzufedern, hat er sich neu orientiert und bietet nun auch Produktfotografie für Unternehmen an.

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