Hautau ist seit fünf Jahren Schiedsmann

„Vertragen ist besser als klagen“

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Zu den Aufgaben eines Schiedsmannes gehört nicht nur das Schlichten selbst, sondern auch das Protokollieren.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Ob zu laute Musik, störender Qualm vom Grill oder herüberwuchernde Pflanzen – über seinen Nachbarn hat sich fast jeder schon einmal geärgert. Oft klärt sich das Problem von alleine. Manchmal arten Konflikte aber auch zu langwierigen Streitereien aus. Das weiß kaum einer besser als Eckehard Hautau. Seit bereits fünf Jahren ist der Dötlinger als Schiedsmann für die Gemeinde sowie die Stadt Wildeshausen aktiv. Die ersten drei Jahre als Stellvertreter, seit 2013 als erster Ansprechpartner. Unter dem Motto „Sich vertragen ist besser als klagen“, versucht er, zwischen den Parteien zu schlichten.

„Meistens handelt es sich tatsächlich um Nachbarschaftsstreitigkeiten“, erzählt der Dötlinger, der jährlich rund 15 Schiedsverfahren führt. „Hinzu kommen die unverbindlichen ‚Tür- und Angelgespräche‘, also die Fälle, in denen sich das Problem schnell aus der Welt räumen lässt“, berichtet er. Allerdings seien dies nur etwa fünf im Jahr. So manches Mal muss Hautau den „Streithähnen“ dann doch eine Schlichtung empfehlen. Diese ist in einigen Zivilsachen sowie Privatklageverfahren zudem als Prozessvoraussetzung obligatorisch – zum Beispiel, wenn es sich um Beleidigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch oder Körperverletzung handelt.

„In 90, wenn nicht sogar 95 Prozent der Fälle, habe ich es aber mit Grenzstreitigkeiten zu tun“, sagt der Dötlinger. „Dann geht es um Büsche, die aufs Nachbargrundstück ragen, oder Bäume, die zu nahe am Anwesen des anderen stehen“, zählt er Beispiele auf. Dass solche Lapalien überhaupt zu Zwist führen, liege oft an mangelnder Kommunikation. „Die Menschen reden einfach nicht miteinander, oder sie gehen die Sache falsch an“, weiß er aus Erfahrung. Häufig fehle auch die Idee für einen guten Kompromiss.

Eingeleitet wird ein Schiedsverfahren stets mit einem Antrag. In diesem muss nicht nur der Gegenstand der Streitigkeit dargelegt werden. Der Beschwerdeführer muss zudem erläutern, welche Änderungen er wünscht. Während eines Termins auf neutralem Boden, also im Wildeshauser Stadthaus oder Neerstedter Rathaus, wird dann der Konflikt erörtert. „Persönliches Erscheinen ist da natürlich Pflicht“, sagt Hautau. Wer ohne triftigen Grund fernbleibt, muss sogar mit einem Ordnungsgeld von bis zu 50 Euro rechnen. „Ich musste es aber erst einmal verhängen“, erinnert er sich.

Ziel der Schlichtung ist die gütliche Einigung. „Es ist eine Chance, eine Lösung zu finden, die beide Seiten als fair betrachten – oder mit der sie zumindest gut leben können. Daneben ist sie weitaus kostengünstiger als ein Streit vor Gericht“, erläutert Hautau, der während des Verfahrens als Moderator fungiert. Ein Urteil fällt er nicht. Gleichwohl ist auch eine vor dem Schiedsamt getroffene Vereinbarung rechtsverbindlich. „Ich bin zufrieden, wenn ich helfen konnte“, sagt Hautau. Immer gelinge ihm das aber nicht. Knapp 20 Prozent der Fälle enden mit einer Erfolgslosigkeits-Bescheinigung.

Egal, wie die Schiedsverfahren ausgehen – für Hautau bedeutet jede Schlichtung viel „Papierkram“. „Das hätte ich zu Beginn, ehrlich gesagt, so auch nicht vermutet“, meint er. Aber alles muss genau dokumentiert werden. Neben den Anträgen und Ladungen muss der Dötlinger unter anderem die Ergebnisse protokollieren, Quittungen für den Erhalt der Verfahrenskosten ausstellen und natürlich Buch über seine eigenen Ausgaben führen. „Auch einen Jahresbericht muss ich abgeben“, berichtet der Schiedsmann, der dem Direktor des Amtsgerichtes unterstellt ist und vom Rat der Gemeinde gewählt wird. „Das ist ein Aufwand, der von vielen unterschätzt wird“, sagt er.

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