Hatiba bemängelt geplanten Passus für neue EU-Norm/Neubau in Neerstedt

Wenn Innovationen auf Widerstand treffen...

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Hatiba-Geschäftsführer Jörg Marcus Ficks (l.) informierte die FDP-Vertreter über das Neerstedter Unternehmen.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Die Firma Hatiba ist jung, innovativ und setzt bei ihren Produkten auf recycelte Werkstoffe. Nach der Anfangszeit im Brettorfer Bahnhofsgebäude zog das 2010 gegründete Unternehmen 2012 ins Gewerbegebiet „Neerstedt-Süd“, wo es Räume anmietete. Nun hat Hatiba in unmittelbarer Nähe eine 2200 Quadratmeter große Fläche erworben, auf der vor vier Wochen mit der Errichtung des neuen Firmensitzes begonnen wurde. Angesichts der guten Entwicklung sollte Geschäftsführer Jörg Marcus Ficks zufrieden sein – wenn da nicht das Thema „Normen“ wäre.

Was dahinter steckt, berichtete er den Mitgliedern der FDP. Neben Vertretern des Orts-, Kreis- und Bezirksverbandes waren auch der niedersächsische Fraktionsvorsitzende Christian Dürr sowie der parlamentarische Geschäftsführer Christian Grascha zu Gast, um sich über das Unternehmen, das sich auf die Herstellung und Lieferung von Entwässerungstechnik und Tiefbauprodukten spezialisiert hat, zu informieren.

Zu einem der innovativsten Produkte gehört „EnviroTop“, eine Schachtabdeckung, bei der der Betonkern nicht in Gusseisen eingefasst ist, sondern in faserverstärktem Kunststoff. Zertifiziert ist der laut Ficks weltweit einzigartige Kanaldeckel nach den Grundsätzen der einheitlichen europäischen Norm EN124 in der Lastklasse A15. Nun soll die Norm für Schachtabdeckungen auf europäischer Ebene „harmonisiert“ werden. An sich kein Problem.

Allerdings enthält der jetzige Entwurf einen Passus, „der sich direkt gegen unser Unternehmen richtet“, so Ficks. Demnach soll für Gullydeckelfüllungen aus Beton nur noch eine Einfassung in Gusseisen oder Stahl zulässig sein. „Ich hätte dann also, nach der Übergangszeit bis 2017, ein Produkt ohne Norm. Das lässt sich kaum verkaufen“, moniert er und prangert Wettbewerbsverzerrung an. „Innovation wird ausgesperrt.“ Nach Auffassung von Ficks durchaus mit Kalkül. Er bemängelt bei der Erarbeitung der neuen Norm nicht nur fehlende Transparenz, sondern auch Neutralität. Denn die wesentlichen Inhalte eines solchen Entwurfes werden in nationalen Normungsorganisationen erarbeitet, in denen auch Vertreter entsprechender Unternehmen sitzen. Aus diesen werden dann Experten in das europäische Arbeitsgremium entsandt.

Laut Ficks profitierten von der neuen Norm lediglich die Betriebe, die auf traditionelle Baustoffe setzen. „Kunststoffe sollen verstärkt überprüft werden. Da herrscht eine grobe Ungleichbehandlung.“ Als junges Unternehmen habe Hatiba kaum eine Chance, dagegen anzugehen. „Eine Klage wäre ein Marathon und zudem äußerst kostspielig“, sagt der Geschäftsführer, der nun Fachverbände sowie die EU-Kommission als entscheidendes Gremium angeschrieben hat. Die FDP-Vertreter versprachen, diese Problematik auch an ihre Europaabgeordneten weiterzugeben.

Für den Fall, dass die Norm gültig wird, möchte Ficks für sein Produkt eine Zulassung auf europäischer Ebene (ETA) anstreben. „Abgesehen davon, haben wir noch viele Ideen für weitere Produkte“, kündigte er an. Diese könnten künftig in den neuen Räumen entwickelt werden. Neben einer 180 Quadratmeter großen Bürofläche soll in Neerstedt eine gedämmte, rund 500 Quadratmeter große Halle entstehen. „Den Umzug haben wir für Februar/März angepeilt“, so Ficks, der dann auch zwei bis drei weitere Mitarbeiter einstellen möchte.

www.hatiba.de

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