Hass und Hetze die Stirn bieten

Gedenkfeier zum Volkstrauertag in der Dötlinger Kirche

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Die zentrale Gedenkfeier der kirchlichen und politischen Gemeinde startete am Sonntag beim Mahnmal vor der Kirche. Dort wurde ebenso ein Kranz niedergelegt wie im Anschluss an den Gottesdienst auf dem Friedhof.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Krieg, Flucht sowie Zwangsarbeit sind die Folgen des Hasses. „Und der Hass hat wieder eine Stimme bekommen und will wachsen“, machte Pastorin Susanne Schymanitz am Sonntag in der Dötlinger St.-Firminus-Kirche auf die drohende Gefahr durch die Verbreitung rechten Gedankengutes aufmerksam.

Gemeinsam mit den Konfirmanden, dem Männergesangverein sowie Vertretern der politischen Gemeinde gestaltete sie die zentrale Gedenkfeier anlässlich des Volkstrauertages. Kränze wurden an allen Ehrenmahlen in der Kommune niedergelegt.

Mit drei Schlägen am Mahnmal vor der Kirche läutete CDU-Ratsherrin Anke Spille das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ein. Schymanitz erinnerte an die Nationalsozialisten, die „unglaubliches Leid über die Menschen gebracht haben“ sowie an den langen Weg zur Versöhnung. 

Schymanitz: Keine Zäune und Mauern errichten

Er beinhalte das Gedenken. Dies allein reiche aber nicht aus. „Wir müssen uns viel entschiedener dafür einsetzen, dass sich so etwas nie wiederholt“, forderte die Pastorin in ihrer anschließenden Predigt. Mit Blick darauf, dass in etlichen Ländern wieder Rechte den Ton angeben, sagte sie: „Wir müssen aufhören, Zäune und Mauern zu errichten – auch in unseren Herzen.“ Zur Demokratie gebe es keine Alternative.

Als Grundlage für ihre Worte diente Schymanitz die Bergpredigt im Matthäus-Evangelium, die zwei Konfirmandinnen vorlasen. Jesus verkündet darin seine Lehre, preist die Seligen. „Selig ist ein Wort, das wir heute kaum mehr nutzen“, so die Pastorin. Selig zu sein bedeute tiefste Zufriedenheit sowie auch Verbundenheit zu Gott zu empfinden. Mit dem Rückzug auf die Insel der Glückseligkeit habe es nichts zu tun. „Natürlich ist es bequemer, sich zurückzuziehen, statt sich gegen Hass und Hetze zu stellen“, sagte Schymanitz. Wer nicht aktiv werde, lasse den Hass aber wachsen.

Kranzniederlegung auf Soldatengräbern

Für die politische Gemeinde gedachte Dietz Wiechers (CDU) aller Opfer – „auch der jetzigen Bürgerkriege und des Terrors“. Er berichtete von der Arbeit des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), bei dem seit den Weltkriegen Abermillionen von Anfragen eingegangen seien. Berge von Akten kamen zusammen. Noch immer sei das Schicksal vieler Menschen ungeklärt. „Und noch immer gehen Anfragen ein. 2016 waren es 8.940“, wusste Wiechers. „Ich wünschte, der Suchdienst wäre arbeitslos. Aber das wird wohl Wunschdenken bleiben.“

Zur Vorbereitung auf den Gottesdienst hatten sich die Konfirmanden am Sonnabend mit dem Thema „Gebet“ sowie den verschiedenen Orten und Zeiten dafür befasst. Zudem formulierten sie eigene Gebete, von denen eines zu Gehör kam. Daneben zierte ein Tuch den Altarraum, auf dem die Konfirmanden den Psalm 23 bildlich darstellten. Nach dem Gottesdienst ging es zum Friedhof, wo an den Soldatengräbern Kränze niedergelegt wurden. Interessierte konnten sich anschließend noch bei einem Kaffeetrinken im Landhotel austauschen.

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