Gerold Schnier ist Plattdeutschbeauftragter

Ein plattdeutscher Rundgang durch Neerstedt

Gerold Schnier, Plattdüütsch Beoptragter des Landkreises Oldenburg, steht vor dem Rathaus in Neerstedt.
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Seit zwei Jahren ist Gerold Schnier Plattdüütsch Beoptragter des Landkreises Oldenburg und der Gemeinde Dötlingen.

Neerstedt – Was heißt eigentlich Eule auf Platt, wie stelle ich mich auf dieser Sprache vor und wie schnell lernt jemand Platt, der kein einziges Wort kann? Dieser jemand bin in diesem Fall ich, Redakteurin der Wildeshauser Zeitung. Gut anderthalb Stunden lang haben der Plattdeutschbeauftragte des Landkreises Oldenburg, Gerold Schnier, und ich einen historischen Rundgang durch Neerstedt unternommen – auf Platt versteht sich.

Naja, so halb. Er hat gesprochen und ich habe mich bemüht, ihn zu verstehen. Meine neuen Kenntnisse finden sich auch in diesem Text wieder, der Teil eins unseres Rundgangs beschreibt.

Es ist 10 Uhr an dissen Freedag. Als Treffpunkt haben wir das Raadhuus in Neerstedt ausgemacht. Was heißt denn Hallo auf dieser Sprache? Moin? „Moin geht immer“, sagt Schnier. Und „ich heiße?“ „Ik heet.“ Ich versuche mich doch mal direkt: „Ik heet Lara.“

Knappe Mehrheit stimmte für Neerstedt

Dann geht es los mit dem Historischen: Seit 1953 befindet sich die Gemeindeverwaltung in Neerstedt. „De Raatssitz wer fröher inner Stuve vom Bürgermester“, erklärt mir Schnier. Das sollte sich ändern. „En onniges Geböde schull her.“ („Ein ordentliches Gebäude sollte her.“) Anfang der 1950er-Jahre habe es dann eine Volksabstimmung gegeben.

„De Dötlinger woln, at de Verwaltung na Dötlingen kem. Die Kark ist dar und Kösterskamp ist dar, denn mutt dat Raadhuus ok dar hen.“ („Die Dötlinger wollten, dass die Verwaltung nach Dötlingen kommt. Die Kirche ist da und der Friedhof ist da, dann muss das Rathaus auch dort hin.“) Die knappe Mehrheit habe jedoch für Neerstedt gestimmt. Die Lage sei ausschlaggebend gewesen. „Der damalige Gemeindedirektor wollte es zentral haben, für alle erreichbar. Und Neerstedt liegt in der Mitte“, berichtet er weiter.

Platt ist übrigens Schniers Muttersprache. In der Schule habe er Hochdeutsch gelernt. Die Sprache zu erlernen, sei für ihn „eenfach west“. Seine „Froo un de dree Deerns“ sprechen ebenfalls Plattdeutsch. Seit seiner Geburt 1959 lebt Schnier in Klattenhof. Mit seiner Frau wohnt er zusammen auf dem elterlichen Hof. 27 Jahre habe er bei der EWE als Ingenieur für Gastleitungen gearbeitet. Dabei ist er viel rumgekommen und hat „Land und Lüü“ kennengelernt.

„Wenn man Platt schnackt, kumm man beter mit Lüü trech“, findet er. („Wenn man Platt schnackt, kommt man besser mit den Leuten zurecht.“) „Man mut nicht lange overleggen, ob du he of se seggst, du seggst klar wat du wullt.“ („Man muss nicht lange überlegen, ob man er oder sie sagt. Du sagst klar, was du willst.“)

Seit „twee Johr“ ist er bereits der Plattdüütsch Beoptragte des Landkreises sowie der Gemeinde Dötlingen. Im Plattdeutschen nutze er viele Redewendungen. „Wenn etwas nicht so funktioniert, wie man es sich vorgestellt hat, dann sagen wir: Hätt wolln Uul säten.“ Und das heißt? „Da hat ‘ne Eule gesessen.“ Das Sprechen sei einfacher als das Schreiben. „Platt schrieven, dat fallt allen swoor, so geit mi dat ook.“ (Platt schreiben fällt allen schwer – so geht mir das auch.“)

Dann geht es auch los mit dem Rundgang durch Neerstedt. Immer wieder muss ich nachfragen, weil ich etwas nicht verstanden habe. Schnier nimmts mit Humor und übersetzt es für mich.

„Fröher weer de Dorpstraten na Barel to de Ortskarn un de ole School mut an de Eck bi denn Hoff Frost ston hebben “, so Schnier. („Früher war die Dorfstraße Richtung Barel der Ortskern und die Schule könnte an der Ecke beim Hof Frost gestanden haben.“)

„Hier wern blos ‘n paar Hüser un veel Platz, dat meiste weer Schapeide. De Siedlungen keemen erst löter, so inne 1950-er/60er-Jahren“, sagt er mit Blick auf die Hauptstraße. („Hier waren nur ein paar Häuser und viel Platz. Die Siedlungen kamen erst später, so in den 1950er oder 60er-Jahren.“)

Teil zwei unserer Runde führt uns zur alten Neerstedter Molkerei – und erscheint in den kommenden Tagen.

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