„Haben nichts verramscht“

Räumungsverkauf: Hunderte Interessenten stürmen Meyers Museumsladen

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Trotz des großen Verkaufserfolges vom Sonnabend hatte sich der Museumsladen nicht wirklich geleert. Am Sonntagmorgen konnten Kunden immer noch aus dem Vollen schöpfen.

Brettorf - Von Jürgen Bohlken. Das Museumsdorf Cloppenburg winkte ab, ohne dass „überhaupt über Geld gesprochen worden wäre“, sagt Gerrit Meyer. Der RTL2-„Trödeltrupp“ hätte ihm womöglich beim Verkauf des Inventars aus dem Brettorfer Museumsladen geholfen; die Produktionsfirma vertröstete ihn aber auf die nächste Sendestaffel. Also nahm der 50-Jährige die Sache selbst in die Hand. Seine Lebensgefährtin, seine Mutter Helga, deren Schwägerin und Schwester sowie eine Bekannte halfen beim großen Räumungsverkauf.

Der erwartbare Ansturm zum Auftakt mobilisierte auch ein Fernsehteam, das einen Beitrag für „Hallo Niedersachsen“ drehte, zunächst allerdings mit einem technischen Problem haderte. Etwa 50 Interessenten lauerten am Sonnabendmorgen darauf, Einlass gewährt zu bekommen. Geschätzte 300 stöberten bis zum Ladenschluss in Meyers Museumsladen. Viele hatten es auf Keks- und Kaffeedosen aus längst vergangenen Tagen abgesehen. 

Gerrit Meyer räumt ein, er habe zuweilen hart um Preise verhandeln müssen. Teils seien Dinge schon etwas unter Wert weggegangen, „aber wir haben hier definitiv nichts verramscht“. Vorab sei im Internet recherchiert worden, was seltenere Exponate auf Online-Auktionen für Erlöse bringen. „Wir wollten zumindest grobe Richtwerte haben“, so Meyer. Sein Fazit nach dem ersten Verkaufstag: „Ich glaube, nicht nur wir, sondern auch die Käufer sind insgesamt mit den Geschäften zufrieden.“

Ein schönes buntes „Bärenmarke“-Werbeschild schenkte Meyer sogar einem Mädchen aus Neerstedt. Die Schülerin wolle es in ihrem Zimmer über ihrem (Spiel-)Kaufmannsladen aufhängen. Noch vor dem Start des „Ausverkaufs“, nämlich bereits am Freitag, kam eine Delegation des Industriemuseums Osnabrück und hielt Ausschau nach geeigneten Stücken für eine 60er-Jahre-Ausstellung, die für April 2019 geplant ist. Auch mit dieser Klientel wurde sich Meyer einig. Er verkaufte ihr einen „großen Karton voller Kleinigkeiten“, darunter Waschpulverdosen und Zeitschriften aus den 60ern.

Am 3. Oktober wird Meyer noch einmal öffnen

Rainer Vosteen suchte indes nach Exponaten für das Heimatmuseum Schlutter, das er selbst betreibt, und wurde ebenfalls fündig; er „habe ein paar Lebensmittelverpackungen erstanden, die von dem ehemaligen Händler Nachtigall aus Hoykenkamp stammen“. Am Sonntag ebbte der Run ab, obgleich sich der Museumsladen bis zum Vormittag nicht wirklich „geleert“ hatte. Am Gartenkultour-Aktionstag, 3. Oktober, öffnet Gerrit Meyer abermals.

Zu den bisherigen Käufern zählten auch gewerbliche Händler. Viele nahmen weitere Anreisewege in Kauf. Helga Meyer wundert sich: „Ich habe von den Kunden kaum jemanden gekannt.“ Mit dem Tod ihres Mannes Georg im Jahr 2013 sei „die Seele des Museumsladens gestorben“, gesteht sie. Die Seniorin zieht in Kürze nach Wildeshausen. Die Immobilie in Brettorf sei inzwischen so gut wie verkauft. 

Gerrit Meyer hätte, so beteuert er, das Museumsladeninventar einem Museum sogar geschenkt, wenn es dort für die Öffentlichkeit erhalten geblieben wäre. „Aber schon unter Bedingungen“, betont er. „Ich hätte mich darauf eingelassen, wenn beispielsweise ein bestimmter Anteil der Eintrittsgelder in eine Stiftung für einen gemeinnützigen Zweck geflossen wäre.“

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