Neue Routinen in der Pandemie

Grundschulen in Dötlingen: Das ist der Corona-Alltag

Auf dem Pausenhof sind Absperrbänder gespannt
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Abgetrennte Pausenbereiche für die einzelnen Gruppen, markiert etwa durch Absperrband, prägen den Grundschulalltag in Dötlingen.

Das zweite Schulhalbjahr unter Corona-Bedingungen ist vorbei. Eine Zeit voller Herausforderungen für Lehrkräfte, Eltern und Kinder, die mit Wechselmodell, Distanzunterricht und Notbetreuung zurecht kommen müssen. Unsere Zeitung hat sich umgehört: Wie läuft es an den Grundschulen in der Kommune?

Dötlingen/Neerstedt – „Es ist schon eine Herausforderung, ganz klar“, sagt Melanie Kahnt-Bock, die die Grundschule Dötlingen leitet, über die aktuelle Situation. „Aber es funktioniert gut, weil wir sehr eng mit den Eltern vernetzt sind.“ Man dürfe nicht vergessen, dass die aktuelle Krise alle betreffe, findet Jürgen Möhle, Leiter der Förderschule Sprache in Neerstedt. Die Schulen stünden aber besonders im Fokus, weil viele Menschen damit zu tun hätten. „Für uns hier kriegen wir das gut geregelt, der Stress ist erträglich“, sagt er.

Ins neue Jahr starteten die niedersächsischen Grundschulen – also auch die Einrichtungen in der Gemeinde Dötlingen – mit einer Woche Distanzunterricht. Seit Mitte Januar gilt Szenario B: geteilte Klassen und ein regelmäßiger Wechsel zwischen dem Lernen in der Schule und zu Hause. Zudem ist die Präsenzpflicht aufgehoben: Kinder können dem Klassenzimmer also auch komplett fernbleiben. So wird es nun noch mindestens bis zum 14. Februar weitergehen.

Komplett zuhause bleiben nur wenige Kinder

Nur wenige Eltern nutzten die Option, ihren Nachwuchs ausschließlich zuhause zu betreuen, berichtet Kahnt-Bock. An der Grundschule Dötlingen seien das fünf der insgesamt 100 Kinder. Drei von 55 seien es an der Förderschule, erklärt Möhle. Sie würden mithilfe von Videokonferenzen auf dem Laufenden gehalten. Das sei sonst derzeit nicht nötig, erläutert der Rektor: „Das ist der Vorteil am täglichen Wechselmodell, dass wir recht dicht an den Kindern dran sind.“

Im Frühjahr 2020, als zeitweise alle Schulkinder von zuhause aus lernen mussten, sei das anders gewesen. Das Portal Iserv nutze die Förderschule nicht, aber per Telefon gebe es einen guten Austausch mit Kindern und Eltern.

Es sei wichtig, den Kontakt zu halten, die Aufgaben zu kontrollieren und eine Rückmeldung zu geben, sagt auch Kahnt-Bock. Per Videokonferenz, am Telefon oder über Iserv seien sie und ihr Kollegium mit Eltern und Kindern in Verbindung. Die Möglichkeiten variierten dabei je nach Alter: „Die Viertklässler können schon alleine an einer Videokonferenz teilnehmen, die Erstklässler können noch nicht lesen. Manche Kinder haben mich auch angerufen.“

Die Viertklässler können schon alleine an einer Videokonferenz teilnehmen, die Erstklässler können noch nicht lesen.

Melanie Kahnt-Bock, Leiterin der Grundschule Dötlingen

Die Aufgabenkontrolle erfolge in der Regel in der Schule, denn jeden zweiten Tag kommen die Mädchen und Jungen ja dorthin. Es sei aber auch möglich, sie in einem dafür aufgestellten Korb an der Schule abzulegen, berichtet Kahnt-Bock.

Inzwischen seien Masken auch für die Kleinen Pflicht, erläutert die Dötlinger Grundschulleiterin. „Sobald sie aufstehen – auch, wenn sie nur zum Mülleimer gehen –, müssen sie sie aufsetzen.“ Allerdings reiche ein einfacher Mund-Nasen-Schutz aus Stoff aus. FFP2-Masken müssen erst ab 15 Jahren getragen werden.

Auch Grundschüler müssen Maske tragen

Für die Sprachförderung sei es schwierig, wenn der Mund bedeckt sei, erklärt Möhle. Doch auch in seiner Einrichtung gelten die Regeln zum Masketragen. Die Eins-zu-eins-Arbeit mit den Kindern könne jedoch weiterhin gemacht werden – mit einer Plexiglasscheibe zwischen ihnen und der Lehrkraft. Um solche Anpassungen habe er sich bereits frühzeitig gekümmert, sagt der Rektor. PC-Programme oder Online-Angebote seien ebenfalls hilfreich. Er sieht es positiv, dass die Digitalisierung an den Schulen wegen der Pandemie einen Schub bekommen hat. „Da sind wir ein gutes Stück nach vorne gekommen.“

Inzwischen hat sich laut Möhle an seiner Schule für alle ein neuer Alltag etabliert: „Es ist auch für die Kids Routine geworden, das ist beachtlich.“ Sie gingen großartig mit der Situation um. Und für das Kollegium gelte: „Es ist eine besondere Tätigkeit, die wir unter besonderen Bedingungen ausüben.“

Es ist auch für die Kids Routine geworden, das ist beachtlich.

Jürgen Möhle, Leiter der Förderschule Sprache in Neerstedt

Laut Landesverordnung soll es neben dem regulären Präsenzunterricht auch eine Notbetreuung an den Grundschulen geben. Sie ist gedacht für Mädchen und Jungen, deren Eltern „in einem Berufszweig von allgemeinem öffentlichen Interesse in betriebsnotwendiger Stellung“ tätig sind, heißt es im Gesetzestext.

Derzeit seien das in ihrer Einrichtung vier Kinder, sagt Kahnt-Bock. Sie säßen in der Regel in einem an das Klassenzimmer angrenzenden Raum. Denn auch in der Notbetreuung dürften die festgelegten Gruppen nicht durchmischt werden. „Für die Kinder ist es natürlich blöd, alleine zu sitzen“, sagt die Rektorin – aber anders gehe es im Moment eben nicht.

Zwar habe die Schule aufgrund der Coronakrise eine zusätzliche pädagogische Mitarbeiterin einstellen dürfen. Diese sei jedoch, da es sich um eine kleine Einrichtung handele, nur für sieben Stunden in der Woche vor Ort. Auf solche Kräfte könne die Förderschule nicht zurückgreifen, berichtet Möhle. Doch die Notbetreuung laufe auch so. Derzeit seien es drei Kinder, die diese in Anspruch nähmen.

Viele Informationen, aber wenig Zeit

Sich an immer wieder neue Vorgaben anzupassen, sei nicht nur für Eltern und Kinder eine Herausforderung, findet Kahnt-Bock. „Für mich ist die größte Belastung, alles mitzubekommen und immer auf dem aktuellen Stand zu sein.“ Die Informationen dann auch wieder rechtzeitig weiterzugeben, sei besonders wichtig. „Das ist das, was mich als Schulleitung wirklich stresst.“

Möhle denkt bei dieser Frage vor allem an den zusätzlichen Verwaltungsaufwand, der ihm zufolge viel seiner Zeit frisst. „Die Anpassung der Maßnahmen stellt zuweilen schon eine Herausforderung dar“, sagt er. Informationen für Lehrkräfte und Eltern aufbereiten, auf Nachfragen antworten, eine Lösung finden, die für seine Schule passe, das sei nicht mal eben schnell gemacht.

Und nicht zuletzt müsse er auch immer mal wieder als Vertretungskraft im Unterricht einspringen – zum Beispiel dann, wenn seine Kolleginnen ihre Kinder im schulpflichtigen Alter betreuen müssen.

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