Porträt: Event in Aschenstedt

Warum Schauspieler Christian Bormann in Dötlingen lebt

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In der Scheune des Pflanzenhofes Schachtschneider liest Christian Bormann am 8. August unter dem Motto „Deutschland privat“ aus seinen Tagebüchern.

Dötlingen - Es gibt diese aufgeschlossenen, quirligen Menschen, die sofort Anschluss in einer fremden Umgebung finden und diese mitunter sogar bereichern. Christian Bormann ist einer von ihnen. Vor rund anderthalb Jahren zog der freiberufliche Sänger, Schauspieler und Autor nach Dötlingen.

Es dauerte nur wenige Wochen, da hatte er mehr Menschen in der Gemeinde kennengelernt als andere innerhalb eines Jahrzehnts. Zum einen liegt dies sicherlich an seinem kommunikativen Wesen. Bormann trat rasch dem Chor bei, unterhielt Vernissagebesucher mit seinem Gesang, interessiert sich für den Verein „Wi helpt di“ und steuert zum Plausch – manchmal auch auf Plattdeutsch – den Dorfladen an. Zum anderen weckte seine Adresse schnell die Neugierde der Einwohner. Denn nachdem der 65-Jährige Dötlingen zunächst in einer Ferienwohnung „getestet“ hatte, zog er mit seinem Freund in eine der größten Sehenswürdigkeiten des Ortes ein: den Tabkenhof.

Für Bormann schließt sich damit ein wenig der Kreis. Schließlich stammt der Sänger mit dem Dreitagebart aus dem 730 Einwohner zählendem Dorf Almke bei Wolfsburg. Dort betrieben seine Eltern Landwirtschaft, die er Anfang der 1980er-Jahre nach einer handwerklichen Ausbildung und einem Sozialpädagogikstudium fortführte. „Vielleicht fühle ich mich deshalb mit dem Ländlichen verwurzelt“, überlegt er und streicht sich durch das grau-melierte Haar. Jahrelang lebte Bormann in den Großstädten München, Wien und Berlin. „Und jetzt auf dem Dorf fehlt mir nichts“, stellt er zufrieden fest.

Als Sänger und Schauspieler ist der 65-Jährige nach wie vor in ganz Deutschland unterwegs, hat zudem noch einen Vertrag am Deutschen Staatstheater im rumänischen Temeswar, wo er im Oktober wieder auf der Bühne steht. Dabei mag er die klassischen Bühnenauftritte gar nicht so sehr. „Ich spiele lieber an unbekannten Orten. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt der Wahl-Dötlinger und überlegt kurz: „Zum Beispiel in Berlin in einer Tiefgarage oder im Krematorium sowie hier in Dötlingen auf der Diele des Tabkenhofes. Da haben wir eine Willkommensveranstaltung ausgerichtet.“

Mit dabei war auch der befreundete Pianist Florian Ludewig, mit dem Bormann vor rund zwei Jahren die Operette „Der Rosentraum oder Einmal kommt das Glück“ entwickelt hat. Die Uraufführung war im Dezember 2017 im Berliner Theater „o – ton – art“. „Florian ist einfach ein toller Pianist. Ich könnte mit ihm ohne Schwierigkeiten ein Vier- oder Fünf-Stunden-Programm füllen“, beschreibt er die harmonische Zusammenarbeit. Sie betrifft auch die Lesereihe „Deutschland privat“, bei der Ludewig ihn musikalisch begleitet. Der Titel trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Denn Bormann liest bei den Veranstaltungen aus seinen Tagebüchern. „Ich schreibe seit 40 Jahren persönliche Erlebnisse auf, die in, über und unter die Gürtellinie gehen, aber immer liebevoll sind“, versichert er. Viele der Geschichten spielen in Almke, Berlin und Rumänien. Es geht um Begegnungen in Kneipen, Cafés, Arztpraxen, bei Lidl oder Aldi. Beobachtungen, Briefe und Interviews sind ebenso dabei.

„Ein bisschen was aus Dötlingen habe ich auch schon notiert“, berichtet Bormann, der nicht nur mit der Stimme spricht. Er verfügt zudem über eine ausgeprägte Gestik und Mimik. Im Alltag begleiten sie ihn scheinbar ganz automatisch. Bei Programmen wie dem Musiktheater „Die fromme Helene“, das im Januar im Dötlinger Heuerhaus-Café zu erleben war, setzt er sie gezielt ein. Dabei hatte er „nur“ Gesangs-, nie Schauspielunterricht. „Vor 30 Jahre las ich mal in einer Theaterkritik, dass ich ein verwildertes Naturtalent sei“, erinnert sich der Darsteller.

Zu seinen Fans gehört mittlerweile auch der Aschenstedter Olaf Schachtschneider – und das nicht nur, weil Bormann zweimal die Woche in seinem Pflanzenhof arbeitet und die dortigen Rosen gut versorgt. „Ich habe ihn schon zweimal live gesehen. Er kann einfach super erzählen“, bestätigt er. Als Bormann ihn fragte, ob er seine Scheune für eine Veranstaltung zweckentfremden darf, musste Schachtschneider nicht lange überlegen: „Ich habe sofort zugestimmt. Denn ich wollte in der Scheune schon immer mal ein kulturelles Event, am liebsten ein Konzert, anbieten.“

Der Termin steht bereits. Am Donnerstag, 8. August, ab 20.30 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr) gibt es eine Ausgabe von „Deutschland privat“. Diesmal mit dem Untertitel „Das arme Fischermädchen von Hawaii“. „Das ist ein Schlager“, meint Bormann und grinst. Denn keine Minute vorher hatte Schachtschneider verkündet: „Du darfst alles aufführen, so lange es kein Schlager ist.“ Und Bormann wäre nicht er selbst, wenn er nicht umgehend auch den Schlager anstimmen würde. „Ich fühle mich hier im Unternehmen sehr wohl“, versichert er anschließend und unterstreicht seine Aussage mit einem kräftigen Nicken. Angesichts seines Humors und der Redegewandtheit ist sich Schachtschneider fast sicher, „dass er sich selbst eingestellt hat“. Eine glückliche Fügung. Denn aus der nun geplanten Veranstaltung könnte unter dem Motto „Bormann – unterwegs“ ein jährliches Event werden. „Immer einen Tag nach dem Scheunenkino“, hat sich Schachtschneider überlegt. Auch dieses Mal flimmert am Vorabend ein Film über die Leinwand. „Die Scheune ist deshalb bereits hergerichtet und dekoriert.“

Kartenvorverkauf

Tickets für die literarisch-musikalische Reise „Bormann – unterwegs“ können zum Preis von zehn Euro im Pflanzenhof Schachtschneider unter Telefon 04433/919100 reserviert werden. Etwaige Restkarten sind dann an der Abendkasse für zwölf Euro erhältlich.

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