Coronakrise bremst Nachfrage offenbar nicht / K 237-Ausbau: Erste Buche muss weichen

Gewerbepark – Kosten, Zeitplan, Reaktionen

Kampf um die Buchenreihe: Beim Ausbau der K 237 können nicht alle Bäume erhalten werden. 
Foto: Schneider
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Kampf um die Buchenreihe: Beim Ausbau der K 237 können nicht alle Bäume erhalten werden. Foto: Schneider

Hockensberg – Gute und schlechte Nachrichten für die Realisierung des interkommunalen A1-Gewerbeparks in Hockensberg: Dem Ziel, der Entwicklung eines klimaneutralen Gebiets, scheinen die Beteiligten einen Schritt näher gekommen zu sein. Zudem ist die Nachfrage von Firmen, die sich ansiedeln wollen trotz der Coronakrise ungebrochen. Letztere sorgt allerdings dafür, dass die NBank ihre maximale Fördersumme auf fünf Millionen Euro begrenzt hat. Daneben gibt es Kostensteigerungen für einzelne Erschließungsmaßnahmen, insgesamt aber immer noch eine Deckungsreserve.

Für Unmut dürfte die „Lösung“ für den Ausbau der K 237 sorgen. Bekanntlich hatten Bürger und Naturschützer für den Erhalt der dortigen Buchenreihe gekämpft. Nach derzeitigem Stand muss der erste Baum an der Einmündung zur Straße „Brakland“ aber auf jeden Fall weichen.

Über all diese Punkte informierte Bauamtsleiter Uwe Kläner während der Ratssitzung am Donnerstagabend im Brettorfer Schützenhof.

Ausbau der K 237

Im Zuge der Gewerbepark-Realisierung soll die Kreisstraße ausgebaut werden und einen Radweg erhalten. Um die Buchenreihe nach Möglichkeit zu bewahren, ist der Verlauf der Straßen gen Süden verschwenkt worden. Der Radweg soll auf der alten Trasse entstehen. Aufgrund einzuhaltender Sichtdreiecke in den Einmündungsbereichen hatte sich dann aber gezeigt, dass doch Buchen weichen müssen. Nach einer kürzlich erfolgten Prüfung durch einen Sicherheitsauditor hätten sich die beteiligten Planer sowie Vertreter von Straßenverkehrsbehörde, Landkreis- und Gemeindeverwaltung laut Kläner auf ein gemeinsames Abstimmungsergebnis geeinigt. „Wir haben es wirklich hin- und hergewälzt. Egal, wie man es dreht und wendet, die erste Buche ist nicht zu halten“, sagte er. Für die zweite sei die Tendenz positiv, die dritte könne wohl erhalten bleiben. Das letzte Wort habe der Landkreis. Denn ihm gehörten die Bäume. Gabriele Roggenthien (Bündnis90/Die Grünen) äußerte die Befürchtung, dass es eine Kettenreaktion gibt, sobald die erste Buche fällt. Auf ihre Nachfrage hin erläuterte Kläner, dass es bei der Straßenführung nur wenig Spielraum gebe. Dieser bewirke lediglich eine geringfügige Änderung der Sichtdreiecke.

Förderung

Wegen der Corona-Pandemie hat die NBank (Investitions- und Förderbank Niedersachsen) die maximale Förderung auf fünf Millionen Euro gedeckelt. „Wir liegen leicht drüber“, verwies Kläner darauf, dass 67 000 Euro weniger fließen würden. Die NBank habe den Antrag mittlerweile geprüft, keine Beanstandungen gehabt und ihren Bericht an das Wirtschaftsministerium in Hannover weitergeleitet. „Von dort kommt dann voraussichtlich im Juli der Bescheid“, hofft Kläner.

Kosten/Einnahmen

Die Gesamtsumme für die Realisierung des Gewerbeparks erhöht sich um etwa zwei Millionen auf circa 12,65 Millionen Euro. Das hat unterschiedliche Gründe. Neben den normalen Kostensteigerungen, die sich im Laufe der Jahre ergeben, stecken auch Mehrausgaben dahinter, zum Beispiel jeweils rund eine halbe Million Euro für die Druckrohrleitung nach Wildeshausen und den Grunderwerb. In Bezug auf Letzteren erklärte Kläner, dass inzwischen alle Verhandlungen abgeschlossen seien. Auch das Thema Tauschflächen sei geregelt. Mehr Geld nehmen die beteiligten Kommunen – neben Dötlingen auch Wildeshausen und Prinzhöfte – für den Umweltschutz beziehungsweise die Kompensation in die Hand. 983 000 Euro sind hierfür eingeplant.

Den Kosten stehen erwartete Einnahmen durch Grundstücksverkäufe von rund 12,75 Millionen Euro gegenüber – bei einem Preis von 30 Euro pro Quadratmeter. „Wir haben also noch eine Deckungsreserve von etwa 104 000 Euro“, so der Bauamtsleiter.

Während die FDP, die ohnehin gegen das Gebiet an diesem Standort ist, angesichts der gestiegenen Kosten appellierte, das Projekt zu stoppen und lieber über eine Beteiligung an „Wildeshausen-West“ nachzudenken, konnten SPD und CDU gut mit den geänderten Zahlen leben. „Über so einen langen Zeitraum gibt es immer Kostensteigerungen“, sagte Gernot Kuhlmann (CDU). Hockensberg zu erschließen, sei jetzt wichtiger, als in ein Wildeshauser Gebiet zu investieren, „das von der Planreife ganz weit weg ist“. Bürgermeister Ralf Spille ergänzte: „,Wildeshausen-West‘ ist keine Alternative.“

Nachfrage

Trotz der Coronakrise sei die Nachfrage von Unternehmen, die sich in Hockensberg ansiedeln wollen, ungebrochen, berichtete Kläner, der sich auf Auskünfte von Wildeshausens Wirtschaftsförderer Claus Marx bezog. Dieser zeichnet für die Vermarktung der 22 zur Verfügung stehenden Hektar verantwortlich. Demnach gibt es aktuell 17 interessierte Firmen. „Fünf von ihnen kommen für das Gebiet aus verschiedenen Gründen allerdings nicht infrage“, sagte Kläner.

Energiekonzept

Ziel ist ein klimaneutrales Gewerbegebiet. Deshalb wurde das Ingenieurnetzwerk Energie (iNeG) mit der Entwicklung eines Konzeptes beauftragt. Ein erster Entwurf ist dem Arbeitskreis „Energieeffizientes Dötlingen“ bereits präsentiert worden. Um diesen konkreter ausarbeiten zu können, läuft derzeit eine Energiebedarfsabfrage bei den ansiedlungswilligen Firmen. Betrachtet würden für das Konzept unter anderem Fotovoltaikanlagen, Erdwärme, steuerbare Strom- und Wärmeerzeugung vor Ort über Blockheizkraftwerke sowie die Nutzung bestehender Energiequellen, zum Beispiel umliegende Biogasanlagen als Wärmelieferanten. Auch Aspekte wie E-Mobilität und intelligente Straßenbeleuchtung sind ein Thema. Zudem ist eine Info-Broschüre für Unternehmen in Planung.

Kompensation

Um den Eingriff in die Natur auszugleichen, sind interne und externe Kompensationsmaßnahmen vorgesehen. Im Gebiet selbst werden auf etwa 8,2 Hektar vorhandene Biotope erhalten und ihr ökologischer Zustand verbessert. Daneben sollen neue Pflanzbereiche entstehen. Außerhalb des Gebiets ist eine Aufwertung von Grünland, Wald, Wallhecken und Gewässern auf 2,83 Hektar geplant.

Zeitplan

Die EU-weite Ausschreibung soll so schnell wie möglich raus. Laut Kläner im Juli. Die Vergabe von Erschließungsaufträgen (Straßenbau, Kanal etc.) ist für August/September geplant. Baubeginn wäre dann im Oktober/November. Der Auftrag für den Bau der Druckrohrleitung soll im Dezember vergeben werden. Als Bauzeit ist ein Jahr anvisiert. „Das ist sportlich“, gab Kläner zu. Bis zum 30. Juni 2022 müsse die Maßnahme aber fertig sein.

Reaktionen

Kritik an dem Vorhaben gibt es nicht nur von der FDP und den Grünen, sondern auch von den Anliegern. Nach Inkrafttreten des aufgestellten Bebauungsplanes im März waren, wie Kläner berichtete, unter anderem bei der NBank, der Kommunalaufsicht und dem Wirtschaftsministerium Einwendungen eingegangen. „Alle sind inzwischen beantwortet worden. Und wir wurden nicht in einem Punkt gerügt“, so der Bauamtsleiter. Dass die Hockensberger nicht locker lassen werden, versicherte der Heimatvereins-Vorsitzende Marcus Martens während der Einwohnerfragestunde. Er verwies auf juristische Verfahren – „und die werden sich ziehen“.

Von Tanja Schneider

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