Interkommunales Gewerbegebiet in Hockensberg Thema im Bauausschuss

Nabu und Grüne mit Baumschutz unzufrieden

Neerstedt/Hockensberg – Für Gesprächsstoff sorgte das interkommunale Gewerbegebiet in Hockensberg während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Dötlingen im Neerstedter Rathaus. Zu Beginn verteilte Carlo Beesko von der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen einen Fragenkatalog an die Ausschussmitglieder sowie Verwaltungsmitarbeiter.

An der Straße „Brakland“ seien inzwischen durch schwere Baumaschinen sowie die Aufnahme des Straßenbelages weitere irreparable Schäden an den Wurzeln der zu erhaltenden Bäume verursacht worden, so Beeskow. „Was unternehmen Sie, um die Schäden zu minimieren und zukünftig weitere Schäden zu verhindern?“, wollte er wissen. Die Arbeiten an der Straße wurden, so Bauamtsleiter Uwe Kläner, fast täglich von Baum-Rat Helmut Titschack begleitet. Er habe jede Wurzel einzeln begutachtet und der Baufirma gesagt, was sie machen dürfe – und was nicht.

Baum-Rat begleitet Maßnahmen fast täglich

Weiter ging es um den Wald im Bereich der Einmündung zum Pfennigstedter Weg, der bereits im August gerodet worden sei. „Die gesetzliche Vorgabe sieht das aber erst frühestens ab dem 1. Oktober vor“, kritisierte Beeskow. Ausnahmen seien zwar möglich, müssten vor Beginn der Baumaßnahmen allerdings mit der Naturschutzbehörde abgestimmt werden.

Die Rodung sei sowohl mit Titschack als auch mit Jörg Brümmer von der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen worden, informierte Kläner. „Wald kann ganzjährig gerodet werden, nicht nur ab dem 1. Oktober, wie es hier steht. Natürlich muss man den Artenschutz einhalten. Aber wir haben zeitnah einen Biologen vor Ort gehabt, der alles aufgenommen und gesagt hat, dass wir die Trasse fällen dürfen“, erklärte der Bauamtsleiter.

„Keine wesentlichen Schäden zu erwarten“

Was mit den riesigen Mengen an Acker- und Waldboden, der aktuell noch in dem Bereich lagert, geschieht, wollte Beeskow weiter wissen. Es sei vorgeschrieben, dass dieser aufbewahrt und möglichst in der näheren Umgebung wieder Verwendung findet, ist dem Fragenkatalog zu entnehmen. Der Waldboden werde dort eingebaut, wo jetzt am Pfennigstedter Weg entsiegelt wird, beantwortete Kläner. Vier Fuhren habe man ins Baugebiet Ramshorn in Neerstedt gebracht. „Ansonsten bleibt der ganze Mutterboden vor Ort.“

Um die anstehenden Erdarbeiten für die Abwasserleitung in Richtung Klärwerk Wildeshausen ging es ebenfalls. Dabei sei sicherzustellen, so Beeskow, dass die naturschutzfachlichen Auflagen eingehalten werden. „Wie sichern Sie das?“

Das sei kleinlichst genau mit den Ämtern abgestimmt. „Es hat zahlreiche Gespräche dort gegeben“, erklärte Kläner. Die Hunte und die Autobahn müssten gequert sowie eine Leitung im Landschaftsschutzgebiet im Bereich Altona verlegt werden. „Die wird gebohrt. Es sind keine wesentlichen Schäden zu erwarten“, versicherte er.

Die umgepflanzten Stechpalmen seien inzwischen abgestorben, kritisierte Beeskow und fragte, welche Ersatzpflanzungen vorgesehen sind. „Wir sind bei der Umsetzung von einem Fachbüro begleitet worden. Fachlicher können wir es nicht umsetzen“, entgegnete der Bauamtsleiter.

Ebenso die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte Fragen zum Thema Baumschutz an Baustellen in der Gemeinde Dötlingen. Im Juni stellte sie einen entsprechenden Antrag (wir berichteten). Darin fordert sie, dass den Baufirmen zukünftig bei allen öffentlichen Baumaßnahmen ein Merkblatt zum Thema „Baumschutz“ ausgehändigt wird. Bauunternehmen seien gesetzlich verpflichtet, Bäume in der Umgebung ihrer Baustelle zu schützen, begründen sie. Grundlage dieser Verpflichtung seien unter anderem die DIN 18920 (Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen bei Baumaßnahmen) und die RAS-LP4 (Richtlinien für die Anlage von Straßen. Teil: Landschaftspflege, Abschnitt 4: Schutz von Bäumen).

Ausschuss stimmt Antrag der Grünen zu

Gabriele Roggenthien (Grüne) verdeutlichte in der Sitzung anhand von Fotos die Situation am entstehenden Gewerbegebiet. „Hier sieht man, wie dicht an der Baumreihe mit Fahrzeugen vorbeigefahren wird. Große Wurzeln von Bäumen sind rabiat verletzt worden.“ Auch die Buchen seien zum Teil beschädigt worden. „So dicht sind wir immer an die Straße herangefahren. Das ist der alte Fahrbahnrand, den man da sieht. Ihr habt alle beschlossen, dass die Straße noch 50 Zentimeter breiter gebaut werden soll“, so Kläner. Die Bauleitung habe jedoch entschieden, die Straße nur auf sechs Meter auszubauen, „um dem Baumschutz Rechnung zu tragen“. Weiter sagte er: „Wenn da Wurzeln sind, lässt es sich nicht immer verhindern, aber du hast recht: Da müssen dann entsprechend Pflegearbeiten ausgeführt werden.“

Beate Wilke (CDU) meinte, dass es auf den Fotos aussehen würde, als herrschten dort „katastrophale Zustände“. Sie wollte wissen, ob die Schäden noch im Rahmen sind. Sicherlich, so Kläner, hätten Schäden, die entstanden sind, vermieden werden können. Es sei aber „nicht außergewöhnlich, was da passiert“.

Letztendlich empfahlen die Ausschussmitglieder einstimmig, dass bei allen öffentlichen Baumaßnahmen die ausführenden Baufirmen auf die DIN 18920 sowie RAS-LP4 im Auftragsschreiben und bei der Baustelleneinweisung hinzuweisen sowie Merkblätter auszuhändigen sind.  

So verfährt die Gemeinde Dötlingen bei öffentlichen Baumaßnahmen

Der Sitzungsvorlage zum Bauausschuss ist zu entnehmen, dass seit Jahren bei den öffentlichen Baumaßnahmen in Dötlingen wie folgt verfahren wird:
1. In der Ausschreibung wird im Rahmen der Vorschriften, Richtlinien und vertraglichen Hinweise auf die Beachtung der DIN 18920, der RAS-LP4 sowie auf einschlägige Merkblätter verwiesen.
2. Schutzmaßnahmen von Bäumen werden grundsätzlich getrennt ausgeschrieben.
3. Im Auftragsschreiben wird grundsätzlich auf die Einhaltung der Baumschutzrichtlinien verwiesen.
4. Bei der Baustelleneinweisung mit der ausführenden Firma, der Bauleitung und dem Bauamt wird grundsätzlich auf die Thematik und Beachtung der Schutzmaßnahmen an Bäumen hingewiesen.
5. Ergänzend werden bei der Einweisung verschiedene Merkblätter auf der Baustelle ausgehändigt und erörtert.

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