Von gesteigerten Gästezahlen, Wildparkern und dem Gemeinschaftssinn

Fünf Jahre Golddorf: Was die Auszeichnung bewirkt hat

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Die Goldplakette holten die Dötlinger damals in Berlin ab, wo alle erfolgreichen Dörfer ihre Auszeichnung erhielten. Für die Plakette wurde aber bis heute kein geeigneter Platz gefunden.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Wissen Sie noch, was sich auf den Tag genau heute vor fünf Jahren ereignet hat? Richtig! Dötlingen wurde zum Golddorf ernannt. Ein Ereignis, das in die Annalen des Ortes einging und ein ganzes Dorf in Jubelstimmung versetzte. An kaum einem Tag wurde so sehr in Dötlingen gefeiert, wie am 10. September 2010. Der Künstlerort war plötzlich in aller Munde. Doch was ist von der Euphorie geblieben? Wie hat sich die Auszeichnung auf die Entwicklung des Dorfes und der Gemeinde ausgewirkt? Und wo steckt eigentlich die damals gewonnene Goldplakette? Unsere Redaktion hat nachgefragt.

„Ich denke, dass der Gold-Gewinn eine gute Werbung für die Gemeinde und insbesondere für Dötlingen war“, meint Bürgermeister Ralf Spille, der den Hype um den ganzen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ damals als „normaler“ Einwohner von Haidhäuser nur am Rande mitbekam. „Die Bekanntheit Dötlingens hat sich seitdem definitiv erhöht“, sagt er. Vorher hätten hauptsächlich Gäste aus der Region den Ort besucht, nun kämen sie auch aus anderen Bundesländern. Dies kann Thea Freiberg vom Gästeführerteam des Dötlinger Bürger- und Heimatvereins (BHV) nur bestätigen. „Die Auszeichnung war ein Gewinn“, sagt sie. „Von Jahr zu Jahr hatten wir mehr Interessierte bei den Führungen. Und viele kommen auch wieder, weil es ihnen hier so gut gefallen hat.“

Gemeinde packt

Tourismuskonzept an

Im Jahr 2009 registrierten die Gästeführer noch rund 1500 Besucher. Schon 2010 nach dem Gewinn des Landes- und später des Bundesentscheids schnellte die Zahl auf über 2000. Auch das Interesse der Medien war riesig. Plötzlich tauchten Fernsehteams in Dötlingen auf. Die Zahl der Gäste wuchs immer weiter. So ließen sich im vergangenen Jahr rund 2700 Interessierte durch den Ort führen. Hinzu kommen weitere Tagesgäste und zum Teil Urlauber, die die Gemeinde auf eigene Faust erkunden – vor allem an sonnigen Wochenenden. Davon profitieren die Gastronomen und Kunstschaffenden. Auch so manche zusätzliche Ferienwohnung entstand. Wie sich die Übernachtungszahlen entwickelt haben, lässt sich allerdings schwer sagen. Denn sie werden bis dato nicht erfasst.

Mit dem Mehr an Touristen kamen aber auch Probleme – insbesondere was die Parksituation im Dorf betraf. „Dies haben wir mittlerweile ganz gut im Griff“, sagt Spille mit Blick auf die Ausweisung eines weiteren Ausweichparkplatzes. Die Situation habe sich entspannt. Klagen kamen zeitweise auch von den Einwohnern entlang des Dorfringes, des Heideweges sowie des Rittrumer Kirchweges – und das nicht nur wegen der Wildparker. „In Einzelfällen haben Besucher Privatgrundstücke betreten und besichtigt. Das hat sich inzwischen zum Glück gelegt“, erinnert sich Eckehard Hautau, Vorsitzender des BHV, der zum „Goldmacher“-Team gehörte.

So mancher Bürger fragt sich allerdings schon, was er persönlich vom Gold-Gewinn hat. Hautau hat eine Antwort parat. „Dötlingen hat sich seitdem entwickelt – nicht nur was die Entstehung neuer kultureller Einrichtungen betrifft“, meint er. Der Ort sei insgesamt attraktiver geworden. Bestes Beispiel sei der Dorfgarten. „Ich persönlich finde es einfach klasse, in einem schönen Ort wohnen zu können“, so Hautau.

Suche nach geeignetem

Platz für Goldplakette

Ein wenig bedauert er, dass dieser große Gemeinschaftssinn, der sich im Laufe der einzelnen Wettbewerbsphasen entwickelt und immer weiter gesteigert hatte, sodass am Ende fast das ganze Dorf mitzog, die Jahre nicht überstehen konnte. „Einige Einwohner sind aber immer noch aktiv“, sagt Hautau, zum Beispiel mit Blick auf die Landfrauen, die damals die Patenschaft für ein Beet übernommen hatten und dies immer noch pflegen.

Nach außen hin könnte sich Dötlingen aber durchaus noch stärker als Golddorf präsentieren. Neben den Ortseingangsschildern weist nur noch eines beim Landfrauen-Beet auf die Auszeichnung hin. Für die Goldplakette sowie die ein Jahr später beim Europa-Wettbewerb „Entente Florale“ gewonnene Silberplakette wurde auch Jahre später noch kein Platz gefunden. „Das ist etwas verzwickt“, erklärt Hautau. Stünde das Rathaus in Dötlingen, müsste nicht lange überlegt werden. Wer eine Idee hat, könne sich gerne bei ihm melden. Es müsste aber ein öffentlich zugängliches Gebäude sein, in dem die Plakette sicher präsentiert werden kann.

Damit die Gemeinde im Bereich „Tourismus“ künftig noch besser aufgestellt ist, soll laut dem Bürgermeister nach dieser Sommersaison das schon länger angedachte Konzept in Angriff genommen werden. „Und da möchten wir alle Beteiligten einbeziehen“, sagt Spille. „Natürlich nicht nur aus Dötlingen, sondern aus der ganzen Gemeinde.“

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