Wie die Zeit vergeht

„Dötlinger Hof“: Die Geschichte hinter dem Lebenswerk

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Der „Dötlinger Hof“ vor seiner Grunderneuerung, bei der unter anderem die Fassade weiß gestrichen wurde, im Jahr 1984. Inzwischen ist der Parkplatz vor dem Eingang einer modernen Terrasse gewichen.

Dötlingen - Von Lea Oetjen. Wir schreiben das Jahr 1978. Jutta Lüdeke, eine junge Frau aus Glane, ist unterwegs zur Waldreitschule. Am Dorfring in Dötlingen macht sie Halt – ohne zu ahnen, dass dieser Augenblick ihr Leben verändern wird. Sie sieht an der rotbraunen Fassade des „Hotel Siebert“ ein „Zu verkaufen“-Schild. Wenige Wochen später, am 15. Juni, unterschreibt Lüdeke mit ihrem Mann Karl-Heintz den Kaufvertrag. Der „Dötlinger Hof“ war geboren.

Zeitsprung. Sichtlicht bewegt legt Jutta Lüdeke diese Woche eine Klarsichtfolie mit unzähligen Bildern auf einen Tisch im Gaststättenbereich des „Dötlinger Hofs“. Während sich ihr Sohn Thomas entspannt eine Zigarette ansteckt, macht sich ihr Enkel Niklas sofort über die Bilder her. Es ist nicht zu übersehen, dass jede der drei Generationen anders mit der Geschichte des Familienbetriebs umgeht.

Lange hält Jutta Lüdeke ein Foto von 1978 in den Händen, ehe sie es zeigt. „Das war auf unserer Einweihungsfeier. Doris Siebert war auch da“, erzählt die Dötlingerin. Der Anblick der Bilder rührt sie zu Tränen, was nicht zuletzt am überraschenden Ableben ihres Mannes im vergangenen Jahr liegt. Sie greift nach einem anderen Bild, dass die damalige Inneneinrichtung festgehalten hat. „Wir mussten hier einiges machen. Mein Mann war unheimlich geschickt, was es uns natürlich etwas erleichtert hat. Es war schon nicht einfach“, erinnert sie sich. Schwer fiel es Lüdekes damals auch im Dorf Akzeptanzzu erreichen. Es habe fünf Jahre gedauert, bis sich ein Paar aus der Gemeinde, im wahrsten Sinne des Wortes, getraut hat, im „Dötlinger Hof“ zu heiraten. 

Die Familie Lüdeke betreibt den Dötlinger Hof nun seit 40 Jahren. Jutta und Karl-Heinz (vorne, v.l.) brachten den Stein ins Rollen.

„Die Dorfgemeinschaft war total gut eingespielt. Da waren wir natürlich erst einmal fehl am Platz. Viele haben uns eine Beständigkeit gar nicht zugetraut“, so Thomas Lüdeke, der das Hotel 1983 mitübernommen hat. Seitdem begrüßt er Gäste aus der ganzen Welt, die oft eine Menge Spaß bedeuten. So auch die Handball-Nationalmannschaft Südkoreas, die einige Male den Weg in den „Dötlinger Hof“ fand. „Eines Tages ist sogar ein Reiter bei uns in die Kneipe reingeritten, um direkt am Tresen ein kühles Bier zu bestellen“, erinnert sich der Gastronom, der den elterlichen Betrieb im Jahr 2000 komplett übernahm. Kurzerhand ordnete er den Bau einer Terrasse an, für die der Parkplatz vor dem Haus wich. 17 Jahre später kehrte auch sein Bruder in den Betrieb zurück – als Küchenchef.

Über die Jahre haben unzählige Feiern im „Dötlinger Hof“ stattgefunden. „Einen 70. Geburtstag werde ich allerdings nie vergessen. Die Gäste sind von weiter weg angereist und haben deshalb bei uns auch übernachtet“, so Thomas Lüdeke. Da die 70-Jährige pflegebedürftig gewesen war, habe sie ihre Tür in der Nacht nicht abgeschlossen. Parallel zu dem Geburtstag stellten Arbeiter des Gasspeichers, die immer zu zweit ein Zimmer bezogen, ihre Trinkfestigkeit auf die Probe. „Einer der beiden hat sich dann in der Tür geirrt. Er sah jemanden im Bett liegen und dachte, es sei sein Kollege“, so der Gastronom. Daraufhin habe sich der Mann einfach in den Sessel fallen lassen. „Die Rentnerin hat sich am nächsten Tag für unsere Sorgfalt bedankt, jedoch betont, dass sie mit diesem Herren leider nichts anfangen konnte.“

Doris Siebert (l.) mit Jutta und Karl-Heinz Lüdeke auf der Einweihungsfeier des „Dötlinger Hofs“ 1978.

Mit der Übernahme des „Landhauses Thurm-Meyer“ in Wildeshausen zu Beginn dieses Jahres, hat Thomas Lüdeke die Zügel in Dötlingen in die Hände seines Sohnes Niklas gegeben. Der hat zwar noch nicht allzu viele eigene, witzige Anekdoten auf Lager – aber in den nächsten Jahren „Dötlinger Hof“ wird sich bestimmt einiges ansammeln.

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