Serie „Unsere Feuerwehr“

Was Interessierte bei der Feuerwehr erwartet – vom Schnupperdienst bis zur Truppmann-Ausbildung

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Die stellvertretende Kreisausbildungsleiterin Sarah Wilkens aus Brettorf zeigt dem Dötlinger Feuerwehr-Quereinsteiger Henning Müntinga die Rettungstrupptasche mit Atemluftflasche.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Es sind nur ein paar Meter, die Henning Müntinga vom Feuerwehrhaus „Am Kohlhoff“ entfernt wohnt. Immer wieder sah der Dötlinger, wie die Brandschützer zum Einsatz ausrückten, ihren Übungsdienst verrichteten oder auch mal gesellig zusammensaßen.

Vor knapp zwei Jahren entschloss er sich, selbst aktiv zu werden und kam auf Einladung von Ortsbrandmeister Torsten Fischer zum Schnupperdienst. „Das war erwartungsgemäß ganz nett“, sagt Müntinga. Der damals 41-Jährige unterschrieb direkt den Aufnahmeantrag und wagte damit den Quereinstieg bei der Feuerwehr.

Laut Satzung kann in der Gemeinde Dötlingen jeder im Alter von 16 bis 45 Jahren in den aktiven Feuerwehrdienst starten – vorausgesetzt, er oder sie wohnt beziehungsweise arbeitet in der Kommune. Viele der Mitglieder in den drei Ortsfeuerwehren haben in der gemeinsamen Jugendfeuerwehr begonnen und sind dann in den aktiven Dienst übergetreten. 

Aber auch Quereinsteiger wie Müntinga sind gerne gesehen. „Und selbst mit 45 Jahren lohnt noch der Einstieg“, sagt Pressewart Jannis Wilgen. Schließlich stehe der Wechsel in die Altersabteilung erst mit 67 Jahren an. Die Ausbildung ist kostenlos, die Ausrüstung stellt die Gemeinde.

Zwei oder drei Testdienste geben einen guten Einblick

„Wer Interesse hat, kann unverbindlich vorbeischauen. Jeder Übungsdienst ist wie ein kleiner Tag der offenen Tür“, meint Wilgen. Da das Spektrum der Feuerwehr breit gefächert ist, seien zwei bis drei Dienste zum Testen sinnvoll. „Wer Pech hat, erwischt zu Beginn die Knotenkunde. Die reißt niemanden vom Hocker“, so der Pressewart. Es gebe aber natürlich auch spannende Themen – wie beispielsweise den Sonderdienst „Atemschutz“, den Müntinga damals erlebte. „Das war schon spektakulär“, erinnert er sich.

Nie vergessen wird Müntinga seine erste Begleitung zu einem Einsatz: Es war der Brand des Hotels „Gut Altona“ am 16. September 2016. „Meine Ausrüstung war gerade erst komplett. Da ich noch nicht ausgebildet war, durfte ich nicht viel machen. Ich habe versucht, nicht im Weg zu stehen und mich nach den Löscharbeiten am Aufräumen beteiligt“, erzählt der Dötlinger. 

Aktiv am Einsatz darf nur teilnehmen, wer den ersten Part der Truppmann-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat. „Diese beinhaltet 70 Stunden Theorie und Praxis und geht bei der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ganderkesee über die Bühne“, erzählt Sarah Wilkens. 

Wilkens ist schon ihr halbes Leben bei der Feuerwehr

Die Brettorferin engagiert sich seit rund 15 Jahren für den Brandschutz. Sie begann in der Jugendfeuerwehr, wechselte in den aktiven Dienst und bildete sich immer weiter fort – von der Gruppenführerin über die Atemschutzausbilderin bis hin zur stellvertretenden Kreisausbildungsleiterin. Letzteren Posten übernahm sie zum 1. Dezember 2016. 

„Das Lernen hört nie auf“, sagt die 30-Jährige, die die Truppmann-Ausbildungen mit plant. „Gerade lief die Bedarfsabfrage für 2019“, berichtet sie. Die Ortsfeuerwehren melden dann die Anzahl ihrer Teilnehmer. Diese haben in der Regel schon ein halbes Jahr lang im Rahmen der Übungsdienste Basiswissen gesammelt.

Während des ersten Truppmann-Teils werden den künftigen Einsatzkräften alle wichtigen Kenntnisse vermittelt – von der Fahrzeug- und Gerätekunde über rechtliche Grundlagen und die Strukturen innerhalb der Feuerwehr bis hin zum Rüstzeug in Sachen technische Hilfeleistung und Brandbekämpfung. 

Ein Erste-Hilfe-Kursus ist ebenso inbegriffen wie Trockenübungen und das Abseilen aus dem zweiten Obergeschoss im Zuge des Themas „Selbstrettung“. Am Ende der 70 Stunden stehen eine praktische Prüfung in Form eines Löschangriffs sowie ein schriftlicher Part. „Es ist eine durchaus lösbare Aufgabe. Die Durchfallquote ist sehr gering“, macht Wilkens Mut.

Bevor es in die großen Einsätze geht, gibt es viel Ausbildung

Müntinga hat seinen „Truppmann 1“ problemlos gemeistert und fühlt sich gut in die Dötlinger Ortsfeuerwehr aufgenommen. „Man wird langsam an die Arbeit herangeführt und gemäß seiner Fähigkeiten eingesetzt“, berichtet er. Bislang hatte es der Dötlinger hauptsächlich mit Sturmeinsätzen zu tun. 

„Man wächst ja mit seinen Aufgaben“, ist er zuversichtlich, was größere Herausforderungen angeht. Auf diese werden die Feuerwehrleute unter anderem im zweiten Teil der Truppmann-Ausbildung vorbereitet. Er beinhaltet 80 Stunden, die im Laufe von zwei Jahren bei der Ortsfeuerwehr absolviert werden. „Sie sind in den Übungsdienst eingebettet“, berichtet Wilkens. Anhand eines speziellen Lehrplanes werde das bei der „Truppmann 1“-Ausbildung erlangte Wissen vertieft. 

„Früher gab es noch eine zweite schriftliche Prüfung. Mittlerweile bestätigt der Ortsbrandmeister, dass der ,Truppmann 2‘ absolviert wurde“, informiert die Brettorferin. Nach der Aus- folgt in der Regel die Weiterbildung – zum Sprechfunker, Atemschutzgeräteträger oder auch Truppführer. „Ich habe schon einen Digitalfunk- sowie einen Kettensägenlehrgang absolviert, den Klasse-3-Führerschein und die Atemschutzausbildung gemacht“, zeigt Müntinga einige Möglichkeiten auf.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. 

Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. 

Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt unsere Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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