Landwirtschaftskammer schätzt Gefahr einer neuen Vogelgrippe-Epidemie als relativ hoch ein

Geflügelbetriebe müssen nachbessern

An Heiligabend vergangenen Jahres hatten Experten in einem Geflügelmastbetrieb in der Gemeinde Dötlingen das H5N8-Virus, auch bekannt als Vogelgrippevirus, festgestellt.

Dötlingen - Von Ulf Buschmann. Das war ein Schock unterm Weihnachtsbaum: An Heiligabend vergangenen Jahres hatten Experten in einem Geflügelmastbetrieb in der Gemeinde Dötlingen das H5N8-Virus festgestellt.

Im Volksmund wird es Vogelgrippevirus genannt. Damit war die Geflügelpest auch im Landkreis Oldenburg angekommen. Rund 10 .000 Puten verloren alleine im betroffenen Betrieb ihr Leben. Bis zum Ende der Epidemie im Mai mussten im kompletten Landkreis nach Angaben des Veterinäramtes 120. 000 Puten getötet werden.

Zwar müssen die Zuchtbetriebe ihre Tiere nicht mehr im Stall halten. Doch die Gefahr einer erneuten Epidemie besteht. Um die Auswirkungen im Fall eines erneuten Befalls heimischer Bestände so gering wie möglich zu halten, hat der Landkreis Konsequenzen gezogen: Kreisveterinär Carsten Görner und seine Mitarbeiter überprüfen die Betriebe darauf, ob alle vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen eingehalten werden – so auch in Dötlingen.

90 Putenhalter haben Post vom Landkreis

Dort wie in den anderen Gemeinden haben insgesamt 90 Putenhalter laut Görner inzwischen Post vom Landkreis bekommen. In einem Fragebogen müssen sie darlegen, ob und wie die Unternehmen für maximale Sauberkeit sorgen. 20 seien überprüft worden, die restlichen Antworten trudeln inzwischen nach und nach bei der Behörde ein. Die genannten Maßnahmen würden anschließend überprüft und die Betriebe entsprechend beraten. „Wir üben positiven Druck aus“, sagt der Kreisveterinär. „Uns geht es nicht um die Ahndung, sondern darum, gut für die nächste Winterperiode gerüstet zu sein.“

Görner und seine Mitarbeiter interessieren zwei Punkte besonders: die Strohlagerung und die jeweiligen Aufbewahrungsorte für tote Tiere. Beides gehört zu den sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen. Sie orientieren sich an der Geflügelpest-Verordnung.

So darf die Einstreu für den Geflügelstall nur abgedeckt im Freien gelagert werden. Dadurch soll verhindert werden, dass Wildgeflügel möglicherweise infizierte Losung auf dem Stroh absetzt, die unter Umständen später in den Stall gelangen könnte. Auch die Fahrzeuge, die die Einstreu im Geflügelstall verteilen, müssen gründlich gereinigt und desinfiziert werden, bevor sie in einem anderen Stall eingesetzt werden können. Darauf weist unter anderem die niedersächsische Landwirtschaftskammer hin.

Eine „irrige Annahme“

Laut bisherigen Erkenntnissen sei der ordnungsgemäße Umgang in Sachen Einstreu „nicht immer gegeben gewesen“, räumt Görner gegenüber dieser Zeitung ein. Ähnliches berichtet der Kreisveterinär über den Umgang mit den toten Tieren. Laut Gesetz muss jeder Betrieb eine separate Lagerstätte für sie haben. Die Kadaver werden von einem Auto der hiesigen Tierbeseitigungsanlage (TBA) abgeholt. Dies aber habe laut Görner nicht zu nah an den jeweiligen Betrieb heranfahren sollen, um die eigenen Bestände nicht zu infizieren, – eine „irrige Annahme“, wie er betont, das TBA-Auto sei gut geschützt.

Vor diesem Hintergrund hätten einige Betriebe ihr vorgeschriebenes Kadaverlager weit entfernt von den Ställen betrieben, zum Beispiel auf den Höfen. Der notwendige Transport dorthin ist indes nur dann erlaubt, wenn es private Straßen oder Wege sind. Görner hebt hervor: „Der Transport über öffentliche Straßen ist rechtlich nicht zulässig.“ Diese Fehler sollten jetzt Stück für Stück beseitigt werden. Die Betriebe, die es nicht tun, bekommen weniger Entschädigung aus der Tierseuchenkasse.

Es könnte sich als eine Mammutaufgabe erweisen, denn „das Gefahrenpotenzial für eine neue Epidemie schätzen wir als relativ hoch ein“, schreibt unter anderem die Landwirtschaftskammer in einer E-Mail: „Das hängt unter anderem damit zusammen, dass nach unseren Erkenntnissen das H5N8-Virus dauerhaft in der Wildpopulation kursiert.“

Auch das für die Untersuchung der Vögel bundesweit zuständige Friedrich-Löffler-Institut (FLI) meldet, dass das Virus noch immer in Europa präsent sei. Der letzte Nachweis in Deutschland war vor etwa vier Wochen bei toten Schwänen in Sachsen-Anhalt. In diesem Fall wurde der Erreger laut Erbgutanalysen des FLI neu in die Region eingetragen.

Die Gefahr einer neuen Epidemie wie sie in Dötlingen vorgekommen ist, besteht nach übereinstimmender Auffassung der Experten besonders dann, wenn die Temperaturen zurückgehen. Vor diesem Hintergrund ist der Landvolkverband für den Landkreis Oldenburg auf der Hut. „Wir halten unsere Mitglieder ständig auf dem Laufenden“, sagt Geschäftsführer Bernhard Wolff.

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