Höfe-Tour durch die Gemeinde stößt auf Interesse 

26 Geflüchtete sammeln Einblicke in die Landwirtschaft

Der Dötlinger Landwirt Ralf Oltmann (l.) öffnete für die interessierten Geflüchteten die Türen zu seinen Puten- sowie Schweineställen. Zudem informierte er über Tätigkeitsfelder und Möglichkeiten im Agrarsektor. - Fotos: Schneider

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Nutzen Sie die Gelegenheit, informieren Sie sich und fragen Sie“, forderte Ute Frankenfeld, Integrationsbeauftragte des Landkreises Oldenburg, am Montag die Teilnehmer der Höfe-Tour durch die Gemeinde Dötlingen auf. 26 Geflüchtete aus dem Iran, Irak, Afghanistan, Libanon und vor allem Syrien waren dabei, erkundeten neugierig die vielfältigen Jobmöglichkeiten im Agrarsektor und zeigten sich so manches Mal überrascht. Zwei Sprachmittler sorgten dafür, dass das Interesse nicht an Verständigungsproblemen scheiterte.

Organisiert hatte diese besondere Tour Lydia Vaske, Willkommenslotsin der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Sie hatte die Betriebe ausgesucht und für das Vorhaben gewinnen können. Neben Frankenfeld waren die Ausbildungsberaterinnen der LWK, Vertreter von Jobcenter, Agentur für Arbeit, dem Kreislandvolk, den Kreislandfrauen sowie die beiden Flüchtlingssozialarbeiterinnen der Diakonie, Nizmiye Acar und Julia Gunder, dabei. Letztere hatten bei den Asylsuchenden aus der Gemeinde Dötlingen sowie der Stadt Wildeshausen Werbung für die Tour gemacht und waren auf Interesse gestoßen. „Fast jeder hatte zu Hause ein Stück Land, das er bewirtschaftet hat“, berichtete Gunder. „Ich vermute aber, dass es hier heute so einige Überraschungen geben wird.“ Sie sollte Recht behalten.

„Die Berufsbilder sind von Land zu Land sehr unterschiedlich“, sagte Frankenfeld zur Begrüßung auf dem Hof Oltmann. Die Landwirtschaft habe sich in Deutschland stark gewandelt. Die Technik und die Digitalisierung spielten eine immer größere Rolle. „Mein Vater hat noch mit dem Pferd gepflügt, nun erledigt dies ein Trecker, der von alleine steuert“, erzählte Ralf Oltmann, der sich über das Interesse der Geflüchteten freute. Wie auch Frankenfeld verdeutlichte er, dass in der Landwirtschaft heutzutage nicht mehr nur körperliche Arbeit gefragt sei. Die Zahl der anspruchsvollen Aufgaben steige. „Fachkräfte werden immer wichtiger“, so Oltmann. Auch für Frauen gebe es passende Tätigkeiten. Im Fokus standen deshalb am Montag nicht nur Beschäftigungsmöglichkeiten, sondern vor allem die Ausbildungschancen. „Als Fachkraft kann man irgendwann mehr Geld mit nach Hause bringen, als wenn man ungelernt bleibt“, erklärte Frankenfeld.

Oltmann informierte über den Ackerbau und öffnete die Türen zu seinen Ställen. „Da wir die Tiere schützen müssen, können wir nur hineinsehen und nicht hineingehen“, sagte der Dötlinger und überraschte erst einmal mit seiner Schweinemast. Da Schweinefleisch im Nahen Osten üblicherweise nicht auf dem Speiseplan steht, war der Anblick der Tiere für viele der Besucher eher befremdlich. Überrascht waren die Gäste auch von den Vorsichtsmaßnahmen. So konnten sie das Gelände des Putenstalls erst mit Überziehern an den Füßen betreten. Neugierig begutachteten die Flüchtlinge dann die Tiere, machten Fotos und Videos. „Da dies aber keine Unterhaltungstour ist“, wie Sprachmittler und Gemeindemitarbeiter Adam Tirnna betonte, wurden auch wichtige Frage geklärt – von der Arbeitszeit bis hin zur Schlachtung.

Mit dem Bus ging es noch zur Staudengärtnerei Schachtschneider in Neerstedt, dem Hof Stuhr in Rhade, wo die Milchviehhaltung, Rinderzucht und Biogaserzeugung im Mittelpunkt standen, sowie zum Lohnunternehmen Kuhlmann und zum Hofcafé „Lütje Deel“. Am Ende des Tages hatte die Gruppe eine Vielzahl an Eindrücken gesammelt und bessere Vorstellungen von der hiesigen Landwirtschaft.

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