Serie „Unsere Feuerwehr“

Gemeinde hat investiert: Der moderne Fuhrpark der Feuerwehr

Andreas Reese am Brettorfer Tanklöschfahrzeug, Thorsten Falk im Heck des Neerstedter Schlauchwagens und Jannis Wilgen im Dötlinger Löschgruppenfahrzeug (v.l.).

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Dass sich auf den Fahrzeugen der Feuerwehren Schläuche, Strahlrohre und Äxte befinden, weiß jedes Kind. Doch in den Gerätefächern von HLF, TLF und Co. verbirgt sich noch viel mehr. Die Ausstattung ist in den vergangenen Jahren – vor allem durch die Anschaffung neuer Fahrzeuge – umfangreicher und moderner geworden. Einblicke in die Ausrüstung an Bord sowie die Besonderheiten geben im elften Teil unserer Feuerwehr-Serie Andreas Reese von der Ortsfeuerwehr Brettorf, Jannis Wilgen von der Dötlinger Feuerwehr sowie Thorsten Falk von der Ortsfeuerwehr Neerstedt.

Insgesamt verteilen sich auf die drei Standorte zehn Fahrzeuge. Drei davon sind drei Kleinbusse, die in Neerstedt sowie Brettorf als Mannschaftstransporter und in Dötlingen als Einsatzleitwagen genutzt werden. Die übrigen sieben sind die Großgefährte auf Lkw-Fahrgestellen: drei Tanklöschfahrzeuge (TLF), drei Löschgruppenfahrzeuge (LF) und ein Schlauchwagen (SW KatS).

Bei Letzterem handelt es sich um ein vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zur Verfügung gestelltes Fahrzeug, das in Neerstedt stationiert wurde. Dort sind das TLF sowie das LF zudem mit einer Hilfeleistungsausrüstung ausgestattet (wir berichteten). „Was die Technik angeht, sind wir auf einem sehr, sehr guten Stand“, sagt Wilgen mit Blick auf die Ersatzbeschaffungen der vergangenen Jahre. 

Für alle drei Ortswehren hat die Gemeinde Dötlingen in neue Großfahrzeuge investiert. „Wenn die Brettorfer 2019 Ersatz für ihr 28 Jahre altes LF erhalten haben, ist kein Löschfahrzeug älter als Jahrgang 2004“, berichtet Wilgen. Die moderne Ausstattung erleichtere viele Handgriffe sowie Abläufe und sorge auch für mehr Sicherheit, beispielsweise durch eine bessere Beleuchtung.

Das Tanklöschfahrzeug 3000 ist geländegängig

Die neueste Errungenschaft in Brettorf ist das TLF 3000 aus dem Jahr 2016. Wie die anderen Großfahrzeuge auch verfügt es über Allradantrieb und ist deshalb sehr geländegängig. „Durch seine Singlebereifung kommt es aber noch ein Stückchen weiter als die anderen“, weiß Reese. 

Herzstück des 15-Tonnen-Kolosses ist die Pumpe im Heck, „die auch dank des Farbleitsystems ganz einfach zu bedienen ist. Man drückt nur einen Knopf, und schon ist sie an“, erzählt der Brettorfer. Mit simplen Schritten lässt sich der Druck und damit die Wasserabgabe steuern. „Dies funktioniert auch über das Bedienfeld im Führerhaus“, so Reese.

Die modernen Fahrzeuge verfügen mittlerweile alle über einen Bordcomputer, die unter anderem Wasserdruck und -füllstand anzeigen. Die Bedienung obliegt dem Maschinisten – demjenigen, der beim Einsatz fährt und somit für das Fahrzeug verantwortlich ist. Diverse Funktionen kann er unterwegs einleiten, sogar während der Fahrt Wasser abgeben. 

Lichtmast und LED-Leuchten helfen den Feuerwehrleuten bei der Arbeit

Die Maschinisten müssen über einen Führerschein der Klasse C verfügen. Sie sind auch diejenigen, die die Einsatzstelle absichern, beispielsweise mittels Blaulicht und der Heckwarneinrichtung. Zudem helfen die Fahrer bei der Geräteentnahme und sorgen bei Dunkelheit für Beleuchtung. „Im Gegensatz zu früher muss der Lichtmast nicht mehr hochgekurbelt werden, es reicht ein Knopfdruck“, so Reese. Der Mast ist inzwischen ebenso Standard wie die LED-Leuchtmittel.

Brennt es in der Gemeinde, rücken die Tanklöschfahrzeuge als erstes aus, meist mit einer Gruppenbesatzung, was neun Personen entspricht. Schon während der Anfahrt legen die Atemschutzgeräteträger ihre Ausrüstung für den Erstangriff an. Vier Monturen liegen in der Fahrzeugkabine bereit. Für den Erst- oder auch den Schnellangriff wird vor allem Wasser benötigt – aus den 3000 Liter fassenden Tanks. 

Auch wenn sich das Gros der Schläuche auf den Löschgruppenfahrzeugen befindet, deren Besatzungen für den Aufbau der Wasserversorgung zuständig sind, verfügen die TLF über eine Grundausstattung an Strahlrohren und Schläuchen in den Größen B, C und D. „Letztere haben Gartenschlauchformat und eignen sich vor allem für Flächen- sowie Waldbrände, da man mit ihnen sehr beweglich ist“, erklärt Wilgen. 

Pro Minute schaffen die Pumpen mehr als 2000 Liter Wasser

Die B-Schläuche mit einem Durchmesser von 75 Millimetern werden benötigt, um über längere Strecken Wasser zu befördern. Die etwas dünneren und handlicheren C-Schläuche kommen in Gebäuden zum Einsatz. Auf den TLF findet sich zudem ein formstabiler Schlauch für den Schnellangriff – in Feuerwehrkreisen gelegentlich Lakritzstange oder Gummiwurst genannt.

Die festverbauten Pumpen auf den Fahrzeugen müssen nach Norm über eine Förderleistung von mindestens 2 000 Litern pro Minute verfügen – tatsächlich schaffen sie deutlich mehr. „Rein theoretisch könnten wir den Wassertank in weniger als 60 Sekunden leeren“, so Wilgen. Gewollt ist dies natürlich nicht. Der Druck wird je nach Bedarf geregelt. 

Da für eine solide Wasserversorgung über längere Wege je nach Steigung alle 600 Meter eine Verstärkerpumpe benötigt wird, gibt es neben den fest eingebauten auch noch tragbare Exemplare. Unter anderem auf dem Schlauchwagen. Dieser dient in erster Linie der Wasserförderung und hat 2 000 Meter Schlauch geladen, die während der Fahrt verlegt werden können – zum Vergleich: Auf dem Dötlinger Löschgruppenfahrzeug befinden sich 600 Meter. Der SW Kats, der zudem über einen Faltbehälter für 5000 Liter Wasser verfügt, ist aber auch eine gute „Materialkutsche“. „Räumt man die Schlauch-Kassetten heraus, können beispielsweise Sandsäcke geladen werden“, erklärt Falk.

Viele Werkzeuge ergänzen die Ausstattung

Ansonsten ist die Ausstattung eher minimalistisch, beinhaltet unter anderem noch Motorsägen für Sturmeinsätze. Diese finden sich natürlich auch auf den anderen Fahrzeugen. Die warten mit jeder Menge Details auf – vom Druckbelüfter und Notstromaggregat über Schornsteinwerkzeug, Waldbrandkiste, Wärmebildkamera, Rettungsrucksäcke und Defibrillator bis hin zu den Fognails und dem Piercing-Hammer. „Damit macht man keine Löcher in Ohrläppchen, sondern in Türen oder Zwischendecken“, erklärt Reese. Ziel ist es, Räume vorm Betreten runterzukühlen und Durchzündungen zu vermeiden. 

Die Neerstedter haben auf ihren Fahrzeugen zudem noch eine Schaummischanlage und ersparen sich dadurch das Hantieren mit Kanistern. Auf den Löschgruppenfahrzeugen wie dem Dötlinger aus dem Jahr 2014 finden sich wiederum noch Geräte für die technische Hilfeleistung – von der Flex bis zum Türöffnungswerkzeug. Fast alles ist häufiger in Gebrauch. Was kaum genutzt wird? Wilgen überlegt eine Weile, dann sagt er: „Die Spezialanschlüsse für Bohrbrunnen und Adapter für Güllefässer – zum Glück.“

Abgerundet wird der Fuhrpark übrigens durch drei Anhänger – in Dötlingen transportiert er das Boot, in Brettorf den Bahnrollwagen und in Neerstedt für die Jugendfeuerwehr ein Zelt und Sitzbänke, die auch bei längeren Einsätzen gefragt sind.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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