Finanzielle Unterstützung fehlt

Friseure hoffen auf Wiedereröffnung

Ein Mann steht in einem Friseursalon
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Im ersten Shutdown hat Rico Scholz renoviert. Nun wartet er auf die Wiedereröffnung.

Während für die einen eine Zottelmähne als Ausdruck von Corona-Disziplin gilt, versuchen andere, Friseure zur Schwarzarbeit zu überreden. Die anhaltende Schließung der Salons führt zu anhaltenden Debatten. Auch die Friseurläden in der Gemeinde Dötlingen warten auf ein Signal der Politik.

Dötlingen/Neerstedt – Dass Friseure trotz Schließung per Landesverordnung Anfragen bekommen, ob sie nicht doch mal ausnahmsweise zur Schere greifen könnten, ist kein Gerücht: Sowohl Sandra Egbers vom Dötlinger Frisurenstübchen als auch Rico Scholz, der in Neerstedt einen Friseur- und Kosmetiksalon betreibt, kennen solche Bitten.

„Diese Anfragen gibt es tatsächlich, das wird auch immer mehr“, bestätigt er. Er lehne das ab, zum einen wegen der illegalen Schwarzarbeit, zum anderen wegen des Ansteckungsrisikos. Auch Egbers sieht das so. „Ich gehe solidarisch mit – ich habe jetzt auch graue Haare“, sagt sie.

Seit Mitte Dezember sind die Salons landesweit geschlossen, um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verringern. Das Verbot bezieht sich grundsätzlich auf die professionelle Ausübung des Friseurhandwerks – ob im Laden oder zu Hause. Selbst im Rahmen der erlaubten Kontakte ist den Fachleuten der Griff zur Schere untersagt, heißt es auf der Internetseite der Landesregierung.

Anträge für Hilfen erst ab Mitte Februar

Ende Januar folgten zahlreiche Salons, darunter auch der von Scholz, einem Aufruf der Friseurinnung und ließen für 24 Stunden das Licht an. „Wir brennen für unsere Kunden“ lautete das Motto der Aktion, mit der das Handwerk auf seine Lage aufmerksam machen wollte.

„Bedauern lassen möchte ich mich nicht“, sagt Egbers. So manch anderen gehe es noch schlechter als ihr und ihren Berufskollegen. Aber: „Viele stehen mit dem Rücken zur Wand. Langsam wird es bei mir auch knapp.“

Das Problem: Erst ab Mitte Februar ist es möglich, einen Antrag auf die Überbrückungshilfe III zu stellen. Sie ist für Unternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufler aller Branchen gedacht und kann auch rückwirkend für Dezember beantragt werden. Allerdings werden darüber nur Fixkosten wie Miete, Strom, Versicherungen und so weiter erstattet, Umsatzausfälle gehören nicht dazu.

Im Frisurenstübchen arbeiteten Egbers und ihre Kollegin bereits seit Herbst nur abwechselnd.

Da die Antragsfrist noch nicht läuft, sehe es bei den Kontoeingängen mau aus, sagt Egbers: „Seit Mitte Dezember bis Mitte Februar – null.“ Ihre Mitarbeiterin sei zu 100 Prozent in Kurzarbeit, doch auch dieses Geld muss sie vorstrecken.

Scholz muss derzeit ebenfalls mit seinen Rücklagen für die laufenden Kosten aufkommen, darunter das Kurzarbeitergeld für rund ein Dutzend Friseure. „Ich weiß von vielen Berufskollegen, die am Exitus sind und überlegen, ob sie überhaupt wieder aufmachen“, berichtet er. Ihn ärgert es, dass noch keine finanziellen Hilfen angekommen sind.

Denn in der Branche seien die Einkünfte – und damit auch das Polster auf dem Konto – bekanntermaßen nicht besonders üppig. Er kann sich durchaus vorstellen, dass einigen, denen das Wasser bis zum Hals steht, die Schwarzarbeit möglicherweise als letzter Ausweg erscheine.

Dötlinger Friseure hoffen auf Öffnung ab Montag

Scholz und Egbers setzen einige Hoffnung in die heutige Sitzung der Ministerpräsidenten mit Kanzlerin Angela Merkel. Dort könnte beschlossen werden, dass das Friseurhandwerk ab dem kommenden Montag wieder arbeiten darf. „Die Termine sind für drei Wochen voll“, sagt Scholz. „Aber ich weiß ja noch nicht, ob es wirklich losgeht.“

Egbers hat extra einen Anrufbeantworter für Terminwünsche eingerichtet: „Wenn wir grünes Licht haben, rufe ich alle an. Die Kunden warten schon sehnsüchtig darauf.“

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