Aus dem Gericht

Freispruch für versuchten Edeka-Einbruch

Justitia
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Einmal Freispruch, einmal Geldstrafe: So lautet das Urteil für den mehrfach vorbestraften Delmenhorster.

Neerstedt/Delmenhorst – Wegen eines versuchten Einbruchs in den Neerstedter Edeka-Markt musste sich am Montagnachmittag ein 44-Jähriger vor dem Wildeshauser Amtsgericht verantworten. Der Prozess endete für den in Delmenhorst lebenden Mann mit einem Freispruch in Bezug auf die Tat in Neerstedt. Wegen eines anderen Delikts erhielt der mehrfach vorbestrafte Angeklagte allerdings eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro.

Im Oktober 2018 war der 44-Jährige gemeinsam mit zwei anderen Männern in Neerstedt unterwegs. Einer von ihnen hätte am Montag ebenfalls vor Gericht erscheinen sollen. Da der in Polen lebende Mann dies nicht tat, wurde das Verfahren gegen ihn abgetrennt und nur der Prozess gegen den Delmenhorster geführt.

Die Staatsanwaltschaft warf diesem vor, an einem Sonntag gegen 14 Uhr versucht zu haben, mit den anderen in den geschlossenen Supermarkt an der Hauptstraße einzudringen. Offenbar hatten sie Alkohol besorgen wollen, scheiterten jedoch mit ihrem Vorhaben, erläuterte die Staatsanwältin. Da eine Frau die Polizei gerufen hatte, wurden die mutmaßlichen Einbrecher nur kurze Zeit später gefasst.

Ihr sei die Situation zufällig aufgefallen, berichtete die 51-jährige Zeugin der Richterin. Sie habe direkt auf den Eingang des Supermarkts schauen können und beobachtet, wie die drei Männer sich an der Tür zu schaffen machten. „Die haben sich ziemlich dämlich angestellt“, kommentierte sie den erfolglosen Versuch des Angeklagten und der anderen beiden Männer.

Auch mit einem Werkzeug klappte es nicht

Sie hätten versucht, die gläserne Tür mit den Händen aufzuziehen oder aufzuschieben, später auch ein Werkzeug benutzt. Schnell habe sie die Polizei alarmiert, die binnen einer Viertelstunde vor Ort gewesen sei. Bis dahin hätten die drei Unbekannten jedoch bereits aufgegeben, in das Gebäude zu kommen, und seien weggegangen.

Seinen Kollegen sei es jedoch schnell gelungen, die Männer, die an der Hauptstraße entlangliefen, zu fassen, berichtete ein als Zeuge geladener Polizeibeamter. Die Frau, die das Geschehen beobachtet habe, habe die Täter an ihrer Kleidung wiedererkannt. Auf Nachfrage des Verteidigers erläuterte sie, diese sei „komisch“ und auffällig gewesen. Sie erinnere sich an eine grüne Jogginghose. Zudem habe sie die Männer bereits am Vortag beim Supermarkt sitzen und Alkohol trinken sehen.

Schäden an der Scheibe der Edeka-Eingangstür zeugten zwar von dem Vorfall, verwertbare Spuren am Tatort gab es jedoch laut Polizeiakte nicht, sagte die Richterin. Auch das verwendete Hebelwerkzeug konnte nicht eindeutig identifiziert werden. Auf diese Punkte wies der Verteidiger des 44-Jährigen in seinem Plädoyer ebenfalls hin. „Man kann dem Angeklagten nicht vorwerfen, dass er Mittäter oder Täter ist“, sagte er. Die Zeugin habe nicht klar zuordnen können, wer was getan habe.

Der Einbruchsversuch wurde abgebrochen

Die Richterin zeigte sich zwar überzeugt davon, dass der Delmenhorster an dem Delikt beteiligt war. Aber schwerer wog für sie, dass die Männer ihren Einbruchsversuch nach recht kurzer Zeit abgebrochen hatten. Dieser Rücktritt wirke sich laut Gesetz strafbefreiend aus, erläuterte sie, deshalb gebe es in dieser Sache einen Freispruch.

Der zweite Vorwurf gegen den 44-Jährigen hatte jedoch eine Strafe zur Folge. Im Juli 2018 soll er in die Wohnung eines Delmenhorsters eingedrungen sein, dabei die Eingangstür und einen Wäscheständer beschädigt sowie eine Frau angegriffen haben, die dort zu Besuch war. Da der Angeklagte vor Gericht keine Aussage machte, blieb unklar, ob die Geschädigte seine Ex-Partnerin war. Bei der Attacke soll sie eine Kopfverletzung davongetragen haben.

Der 45-Jährige, in dessen Wohnung sich der Angriff zutrug, schilderte seine Erinnerungen an eine dramatische Situation: Die Tür sei gewaltsam aufgebrochen und die Frau von dem 44-Jährigen an den Haaren durch den Flur geschleift worden. Er habe gedacht, sie sei tot, und die Polizei alarmiert, berichtete er.

Viel Alkohol im Spiel

Die Beamten stellten sowohl bei der Frau – 3,7 Promille – als auch bei einem weiteren Anwesenden eine deutliche Alkoholisierung fest. Sichtbare Verletzungen habe es nicht gegeben, gab ein als Zeuge geladener Beamter zu Protokoll.

„Das sind die klassischen Verhaltensweisen, wie sie im Trinkermilieu vorkommen“, befand der Verteidiger in seinem Plädoyer. Er sehe kein erhöhtes Aggressionspoten-zial bei seinem Mandanten und hoffe auf eine milde Strafe. Die Staatsanwältin forderte für beide Taten zusammengerechnet eine fünfmonatige Haftstrafe ohne Bewährung, was sie unter anderem mit den 22 Vorstrafen des Manns begründete.

Die Richterin bewertete die Tatsache, dass der Angeklagte damals offenbar ein Alkoholproblem gehabt hatte, als strafmindernden Umstand. Zudem sei er zwei Jahre lang – für seine Verhältnisse eine lange Zeit – nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten.

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