Weibliche Einsatzkräfte

Frauenpower bei der Feuerwehr

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Die Brandschützerinnen Dörte Einemann (Neerstedt), Sarah Wilkens (Brettorf) und Janine Grünhage (Dötlingen, v.l.) fühlen sich als Frauen in der Feuerwehr nicht anderes behandelt als ihre männlichen Kollegen.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Die Zeiten, in denen die Feuerwehr eine reine Männerdomäne war, sind längst vorbei: Niedersachsenweit ist mehr als jede zehnte Einsatzkraft weiblich. Auf diese Quote kommen die drei Feuerwehren in der Gemeinde Dötlingen nicht. Unter den 150 Aktiven sind derzeit nur acht Frauen. „Der Anteil dürfte gerne deutlich höher sein“, sagt Pressewart Jannis Wilgen, der Interessierte zum Schnupperdienst einlädt. Was Frauen bei der Feuerwehr erwartet, berichten im zwölften Teil unserer Serie drei, die es wissen müssen: Hauptfeuerwehrfrau Dörte Einemann von der Ortswehr Neerstedt, Löschmeisterin Sarah Wilkens von der Brettorfer Feuerwehr und Oberfeuerwehrfrau Janine Grünhage, die seit dreieinhalb Jahren Dienst in Dötlingen verrichtet.

Als „Exoten“ fühlen sich die Brandschützerinnen im Kreise ihrer männlichen Feuerwehrkollegen nicht. „Wir sind zwar in der Minderheit, werden aber nicht anders behandelt“, erzählt die 39-jährige Einemann, die quasi mit der Feuerwehr aufgewachsen ist. „Mein Vater war mal stellvertretender Ortsbrandmeister“, erinnert sie sich. Als 1991 in Neerstedt die Jugendfeuerwehr gegründet wurde, war sie mit mehreren Mädchen dabei. 1997 wechselte Einemann in die Einsatzabteilung. Von den derzeit aktiven Frauen in der Neerstedter Ortswehr ist sie die Dienstälteste. „Es ist nicht das klassische Frauen-Hobby, aber eine vielseitige Aufgabe – mit einer netten Gemeinschaft“, sagt sie. Zu dieser gehört übrigens auch Ehemann Martin, der seit 2012 Ortsbrandmeister ist.

In Neerstedt trat die erste Frau 1996 in die Feuerwehr ein. „In Brettorf war es 1995 und in Dötlingen 1990“, weiß Wilgen. Angesichts der geringen Anzahl weiblicher Einsatzkräfte spricht er von viel ungenutztem Potenzial. Aber warum finden sich eigentlich vergleichsweise wenig Frauen in den Reihen der Brandschützer? Neben anderen Interessen bestünden Vorurteile und Ängste. „Diese sind aber völlig unbegründet“, meint Wilkens. Niemand müsse Aufgaben übernehmen, die er sich nicht zutraut. Feuerwehrfrauen wie auch -männer würden entsprechend ihren Talente und Fähigkeiten eingesetzt. „Ich bin auch nicht diejenige, die beim Sturmeinsatz als Erste zur Motorsäge greift“, gibt die 30-Jährige offen zu. Der Umgang mit hydraulischem Rettungsgerät wie Spreizer und Schere sei für Frauen aufgrund des Gewichtes ebenfalls oft nicht die erste Wahl. „Andere Aufgaben liegen einem dafür umso mehr“, sagen Wilkens und Einemann.

Bei Grünhage ist dies die Brandbekämpfung. Die Dötlingerin fand damals im Rahmen der Brandschutzerziehung in der Grundschule Gefallen an der Feuerwehr und trat in die Jugendabteilung ein. Wie auch Einemann und Wilkens ist die 20-Jährige ausgebildete Atemschutzgeräteträgerin. „Und ich glaube, sie hat bei der Dötlinger Ortswehr in letzter Zeit die meisten Feuer gelöscht“, sagt Wilgen. Grünhage zuckt nur mit den Schultern. Mit Wilkens und Einemann hatte sie schon kurz über die Rolle der Frau in der Feuerwehr gesprochen – mit dem Ergebnis, dass das Thema eigentlich gar kein Thema ist. Kürzlich war Grünhage beim Truppführer-Lehrgang in Loy. „Von den 35 Teilnehmern waren zwölf Frauen“, verdeutlicht sie. Und auch in der Jugend- sowie in der Kinderfeuerwehr sind laut Wilgen viele Mädchen zu finden. Bei den Kindern lag das Verhältnis zwischenzeitlich bei 50 zu 50.

Vorurteile, wonach Frauen bei der Feuerwehr nur Brötchen schmieren, sind gerade den Jüngeren nicht mehr geläufig. Die weiblichen Brandschützer bekommen keine Extra-Wurst. „Und wir möchten auch gar keine haben. Wir wollen und müssen die gleiche Leistung wie die männlichen Kameraden bringen. Das Feuer nimmt schließlich keine Rücksicht“, sagt Wilkens, deren Brandschutzlaufbahn bei der Jugendfeuerwehr in Beckeln begann. „Unter anderem auch, weil es dort nicht viele andere Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche gab“, erzählt sie. Für die 30-Jährige war klar, dass sie nach ihrem Umzug nach Brettorf in der dortigen Ortswehr weitermacht. Wie Einemann und Grünhage hofft Wilkens auf weitere weibliche Unterstützung. Wer Interesse hat, kann zu einem der Übungsdienste kommen „und dazu auch gerne eine Freundin mitbringen“, sagt Wilgen.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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