Probleme durch Zulassungsverzögerungen

Brettorfer Flugzeughersteller Flywhale Aircraft ist zahlungsunfähig

Ein Flugzeug made in der Gemeinde Dötlingen: der Ultralightflieger Flywhale. Foto: Flywhale Aircraft
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Ein Flugzeug made in der Gemeinde Dötlingen: der Ultralightflieger Flywhale.

Brettorf - Es klang nach der absoluten Erfolgsstory: Im Jahr 2008 hatte der Neerstedter Helmut Rind mit der Entwicklung eines eigenen Ultralight-Amphibien-Flugzeugs begonnen. Der Prototyp entstand in der heimischen Garage. 2017 feierten Rind und die Angestellten der Flywhale Aircraft GmbH in der inzwischen angemieteten Halle im Brettorfer Gewerbegebiet die Musterzulassung und freuten sich auf die Serienproduktion. Nun ist die Firma, die 2013 den dritten Platz beim Gründerpreis „Durchstarter“ des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums belegte, zahlungsunfähig.

„Wir mussten Ende Februar einen Antrag zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen“, bestätigte Geschäftsführer Helmut Lanfermann am Dienstag auf Nachfrage unserer Zeitung. Die finanziellen Ressourcen seien aufgebraucht. Im Zuge der vorläufigen Insolvenz laufe der Betrieb aber erst einmal wie gewohnt weiter. Auch die Gehälter der 13 Mitarbeiter seien für die kommenden Monate gesichert. „Derzeit suchen wir händeringend nach einem Investor“, so Lanfermann. Die Coronakrise sei dabei natürlich alles andere als hilfreich.

Aber wie kam es überhaupt zu der finanziellen Schieflage des Unternehmens? „Die Faktoren sind vielseitig“, sagt der Geschäftsführer. Als Hauptgrund nennt er Verzögerungen bei der Zulassung nach den neuen Bauvorschriften (LTF-UL 2019). Diese seit Anfang vergangenen Jahres geltenden Lufttüchtigkeitsanforderungen ermöglichen für schwimmende Ultralight-Flugzeuge wie den Flywhale ein maximales Abfluggewicht von 650 Kilogramm. Zuvor lag es bei 517,5 Kilogramm. „Zu wenig“, fanden viele Piloten. „Die Ultralightszene hat lange mit Gewichtsproblemen gekämpft“, weiß Lanfermann. Denn die Höchstabflugmasse von 517,5 Kilogramm ließ nur wenig Ladung zu. Zum Vergleich: Der Flywhale verfügt über ein Leergewicht von 342 Kilogramm. Wollten zwei Personen mitfliegen, durften diese nicht mehr als je 87 Kilo wiegen – mit Gepäck.

Für die Szene ist die Erhöhung der MTOM (englisch: maximum take off mass) also ein großer Gewinn. Für die Flywhale Aircraft bedeutet sie eine neue Musterzulassung. „Wir haben die Unterlagen direkt Anfang 2019 abgegeben und warten immer noch auf Freigaben“, bedauert Lanfermann. Die Kundschaft hält sich derweil zurück. Sie wartet auf die Flugzeuge mit der erhöhten Abflugmasse. „Die Absatzzahlen haben sich dementsprechend schlecht entwickelt“, begründet Lanfermann die Zahlungsunfähigkeit.

Der Geschäftsführer hofft auf eine Lösung – sprich einen Investor. Die Flywhale Aircraft sei schließlich schon auf einem sehr guten Weg gewesen. Zehn Modelle hatte das Unternehmen in alle Welt verkauft. Zudem arbeitet es an einem Hybrid-Elektroflugzeug.

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