Flüchtlings-Aufnahme: In Dötlingen läuft es relativ gut – aber wie lange noch?

„Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht“

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Die Gemeinde wird noch weitere Flüchtlingen aufnehmen müssen.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Noch läuft sie relativ reibungslos – die Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde Dötlingen. Auch für den nächsten Schwung, den die Kommune bis Januar aufnehmen muss, sind teilweise schon Lösungen gefunden. Bürgermeister Ralf Spille appellierte während der gestrigen Sitzung des Jugend-, Sport- und Sozialausschusses aber an alle, langfristig zu denken. Denn das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht. „Irgendwann werden wir mit Mietwohnungen vielleicht nicht mehr hinkommen“, sagte er.

Neben dem Brettorfer Bahnhof und dem Haus Diers sind derzeit 56 Asylsuchende in sechs weiteren, teils großen Wohnungen oder Häusern untergebracht. Eine Unterkunft wurde frisch angemietet, in die acht Flüchtlinge einziehen können. Laut der neuen Quote von Montag muss die Gemeinde noch 39 Personen aufnehmen. Effektiv sind es aber nur 20, weil Dötlingen die vorherige Quote schon übererfüllt hatte. „Das kommt uns nun zugute“, sagte Sozialamtsleiterin Elke Brunotte. Allerdings sei es illusorisch zu glauben, dass nach den 20 Asylsuchenden keine weiteren mehr kämen. „Die Verteilerquote wird nicht lange halten“, sagte sie.

„Wo lassen wir dann die Leute?“, warf Rudi Zingler (SPD) die Frage in den Raum, die wohl alle schon länger beschäftigt. Der Bürgermeister versicherte, dass „wir alles mieten, was wir kriegen können“. Dass dies irgendwann nicht mehr ausreichen könnte, zeige das Beispiel in Ganderkesee, wo nun auf die Turnhalle zugriffen werden muss. „Ich hoffe nicht, dass es bei uns so weit kommt“, sagte Spille. Eine Garantie dafür, dass in der Gemeinde keine größeren Einheiten, zum Beispiel in Form von Containern, geschaffen werden müssen, könne er allerdings nicht geben. „Bis Januar bekommen wir es hin. Es wäre fahrlässig, wenn wir nicht weiter denken.“

In diesem Rahmen merkte er zudem an, dass durch die Anmietungen für die Unterbringung von Asylsuchenden Wohnraum für andere fehlt. Gerade in der Gemeinde seien Mietwohnungen knapp. Gabriele Roggenthien (Grüne) appellierte, hier anzusetzen und sich für bezahlbaren Wohnraum stark zu machen.

Wie Brunotte erläuterte, sei es auch denkbar, dass Einwohner Flüchtlinge aufnehmen und in einer Art WG mit ihnen leben. „Die Bürger müssen nur den Mut haben und sich melden“, sagte sie. „Im Moment ist alles möglich – einfach, weil es nicht anders geht.“ So lange die Gemeinde schneller sei als die Zuweisungsquote, könne sie auch noch Wünsche hinsichtlich der aufzunehmenden Personen äußern. Bislang habe dies ganz gut geklappt. Wie lange einzelne Flüchtlinge bleiben, lasse sich im Vorfeld allerdings nicht sagen.

Spille hoffte, dass nun auf Bundes- und Landesebene „zügig etwas passiert“. Denn das jetzige System funktioniere nicht mehr. Gleichzeitig lobte er das Engagement seiner Mitarbeiter und der vielen Ehrenamtlichen, die auch zum Aufbau der Willkommenskultur beitragen.

Wer noch Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, kann sich bei der Gemeinde unter Telefon 04432/950114 melden.

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