Firmen und Kinder brauchen Platz

Einblick in die Fertigung: Mario Kenkel (Zweiter v.l.) zeigt den Liberalen sein Unternehmen in Neerstedt. Foto: Schneider

Was haben ein Betrieb im Gewerbegebiet „Neerstedt-Süd“ und die Kindergärten in der Gemeinde Dötlingen gemeinsam? Sie platzen aus allen Nähten. Mit den jeweiligen Entwicklungsmöglichkeiten befassten sich nun Fraktion und Vorstand des FDP-Ortsvereines.

VON TANJA SCHNEIDER

Neerstedt – Die Kinderbetreuung sowie die Gewerbeentwicklung sind die Dauerbrenner in der Gemeinde Dötlingen. Beide Themen werden die im November beginnenden Haushaltsberatungen für das Jahr 2020 beherrschen. Die FDP hat sich deshalb am Montagabend während ihrer Fraktions- und Vorstandssitzung intensiv mit bestehenden Problematiken und möglichen Lösungen beschäftigt.

Besonders für den Kita-Bereich existieren laut dem Fraktions- und Ortsvereinsvorsitzenden Claus Plate viele Gedankenspiele. Die drei Einrichtungen in Brettorf, Dötlingen und Neerstedt laufen bekanntlich trotz gerade fertiggestellter Anbauten über. Deshalb gibt es seitens Politik und Verwaltung schon seit Monaten Überlegungen und unterschiedliche Vorschläge, darunter den Bau eines neuen Kindergartens (wir berichteten).

FDP möchte keinen Schnellschuss

„Wir wollen aber keinen Schnellschuss“, betonte Plate. In einem gemeinsamen Antrag mit der SPD hatten sich die Liberalen deshalb für eine vorübergehende Containerlösung ausgesprochen. „Sie kann uns Zeit verschaffen, um ein vernünftiges Konzept, das uns langfristig entlastet, zu erarbeitet“, sagte Plate. Für dieses sollte außerdem auch geprüft werden, ob nicht eine bessere Nutzung bestehender Gebäude möglich ist, so die FDP.

Im Zuge des gemeinsamen Antrags hatten die Fraktionen auch das Brettorfer Feuerwehrhaus ins Spiel gebracht. Sollte ein neues benötigt werden, könnte im jetzigen womöglich eine Krippe Platz finden und der Kindergarten wieder mit zwei Gruppen im bestehenden Gebäude betrieben werden, lautet der Vorschlag. Am Montagabend kamen laut Plate interessante Ideen auf den Tisch. Diese zu entwickeln und ein Konzept mit Weitsicht zu erstellen, benötige aber etwas Zeit. Bis zu den Haushaltsberatungen sei dies kaum zu realisieren, meinte der FDP-Fraktionsvorsitzende.

Neben den Eltern und ihrem Betreuungsanspruch möchte die Kommune auch den Gewerbetreibenden gerecht werden. Seitdem die letzten Grundstücke im Gebiet „Neerstedt-Süd“ veräußert wurden, stehen in der Gemeinde allerdings keine Areale mehr zur Verfügung. Für Abhilfe soll das interkommunale Gewerbegebiet in Hockensberg sorgen. Die Entwürfe zur notwendigen Flächennutzungsplan-Änderung sowie Bebauungsplan-Aufstellung lagen bereits öffentlich aus. Die vielen Stellungnahmen hatte die Politik im Juni erörtert. Anschließend waren Ergänzungen aufgenommen und die Entwürfe noch einmal ausgelegt worden. Die daraufhin eingegangenen Einwendungen sind während der Bau-, Straßen- und Verkehrsausschusssitzung am Dienstag, 5. November, ab 18 Uhr im Dötlinger Hof Thema. An der Meinung der FDP wird sich aber wohl nichts ändern. Für die Liberalen ist das Brakland nach wie vor der falsche Standort. „Es gibt viele Punkte, die uns stören“, sagte Plate. Dazu gehöre die Flächenausnutzung. Von den 34 Hektar könnten nur 21 veräußert werden. Bei der Bebauung seien zudem noch Abstände einzuhalten. Dafür werde einfach zu viel Natur geopfert.

Dass es in der Gemeinde Dötlingen Betriebe gibt, die erweitern wollen, erfuhren die Liberalen unmittelbar vor ihrer Sitzung bei einem Besuch der Firma „Kenkel Kunststoff Technik“ in Neerstedt. Geschäftsführer Mario Kenkel informierte über die Fertigung von Maschinenbauteilen aus Kunststoff. Dafür wird unter anderem teures Equipment benötigt. Zuletzt schaffte Kenkel eine Fünf-Achs-Fräse sowie eine Absauganlage an. „Ohne diese großen Investitionen hätten wir nebenan schon gebaut“, sagte er. Die 2014 gegründete Firma hatte sich vor Jahren neben ihrem Areal im Gewerbegebiet „Neerstedt-Süd“ eine Erweiterungsfläche gesichert. „Und derzeit mangelt es bei uns auch an allen Ecken an Platz“, so Kenkel.

Was ebenfalls fehlt, sind Fachkräfte. Nach dem Start als Ein-Mann-Betrieb waren schnell Mitarbeiter dazugekommen. Mittlerweile beschäftigt Kenkel drei Vollzeit- sowie drei 450-Euro-Kräfte. „Und ich könnte noch jemanden in der Fertigung sowie im Büro gebrauchen“, meinte er. Gerne würde Kenkel einen Verfahrensmechaniker Kunststoff und Kautschuktechnik ausbilden. „Ein Lehrling ist schon das nächste Ziel“, versicherte er. Bislang habe er aber keinen geeigneten Bewerber gefunden. „Da müssen wir uns als Betrieb aber auch selbst bewegen und Kontakt mit der IHK aufnehmen“, war er selbstkritisch. Die Liberalen griffen den Ball auf und überlegten, wie in der Kommune ansässige Unternehmen in der Bevölkerung bekannter werden können. „Vielleicht durch ein Firmen-Portal“, lautete ein Vorschlag.

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