Verschiedene Methoden und Materialien

Serie „Unsere Feuerwehr“: Feuer ist nicht gleich Feuer

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In der Rauchdurchzündungsanlage in Loy trainieren die Brandschützer den Ernstfall.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Sie ist die älteste und bekannteste Aufgabe der Feuerwehr: die Brandbekämpfung. Lodern ungewollt Flammen, sind die Einsatzkräfte zur Stelle. Doch wie genau gehen sie bei einem Feuer vor? Wann findet welches Löschmittel Verwendung? Und wie schützen sich die Feuerwehrleute vor gefährlichen Situationen wie beispielsweise einer Durchzündung? Antworten liefern im 13. Teil unserer Feuerwehr-Serie Jannis Wilgen, Klaas Ehmen und Dominic Detering von der Dötlinger Ortswehr.

Die Brandbekämpfung hat sich im Laufe der Zeit massiv gewandelt. Eilten im 19. Jahrhundert noch die Einwohner mit ihren mit Wasser gefüllten Eimern zur Brandstelle, rücken heutzutage Löschfahrzeuge mit modernster Technik aus. Die Handdruckspritzen von damals befinden sich längst im Museum. Stattdessen kommen Hohlstrahlrohre, Fognails und Schlauchpakete zum Einsatz. Zudem löschen die Feuerwehrleute mit Bedacht. So gilt es nicht nur, die unmittelbare Gefahr in Form von Flammen zu bannen, sondern ebenso die Folgeschäden – verursacht durch Löschwasser – möglichst gering zu halten. „Oberste Priorität hat aber stets die Menschenrettung“, betont Wilgen. Auch die Sicherung angrenzender Gebäude könne Vorrang haben.

Über das jeweilige Vorgehen entscheidet der Einsatzleiter, der nach seiner Lageerkundung die Aufgaben verteilt. In brennende Gebäude rücken in der Regel die Angriffstrupps unter Atemschutz mit Strahlrohr vor. Ist die Sicht durch den Rauch eingeschränkt, kämpfen sich die Trupps mit dem sogenannten Seitenkriechgang am Boden vor. Dabei stützen sie sich auf ein Knie und strecken das andere Bein nach vorne. „Auf diese Weise können wir Hindernisse oder Löcher ertasten“, erklärt Wilgen und zeigt zusammen mit Detering, wie es funktioniert.

Auch die Mannschutzstellung demonstrieren die beiden. Mit dieser schützen sich die Einsatzkräfte, zum Beispiel im Fall einer Durchzündung, vor den Flammen. Dafür lehnt sich der Trupp zurück und sorgt für eine „Wasserwand“ zwischen sich und dem Feuer. Die modernen Hohlstrahlrohe lassen sich entsprechend einstellen. „Sie sind individuell regelbar“, erklärt Wilgen. Die Dosierung der Durchflussmenge mache gleich aus mehreren Gründen Sinn. So könnte mit einem Sprühstrahl eine Zerstäubung des Wassers erzielt werden. Die Folge sind Tröpfchen mit einer größeren Oberfläche, die dem Feuer mehr Energie entziehen und so die Temperatur schneller senken. Weniger Wasser sorge zudem für weniger heißen Dampf und damit für eine geringere Verbrühungsgefahr. Ein weiterer großer Vorteil ist die Minimierung von Wasserschäden, erzählen die Brandschützer.

Neben den Hohlstrahlrohen finden sich auf den Fahrzeugen der Dötlinger Feuerwehren auch noch die älteren Mehrzweckrohre. Mit ihnen ist nur ein Voll- oder ein Sprühstrahl möglich. Im Innenangriff nutzen sie die Einsatzkräfte aufgrund der schlechten Dosierungsmöglichkeiten nicht mehr. „Denn dafür muss man das Mundstück abschrauben, was bedeutet, dass das Wasser abgestellt werden muss“, berichtet Wilgen. Die Hohlstrahlrohre haben hingegen sogar noch „Nasen“, an denen sich bei Nullsicht die Einstellung der Durchflussmenge ertasten lässt.

Wasser ist für die Feuerwehr das erste und am häufigsten verwendete Löschmittel. In manchen Fällen nutzt es hingegen wenig oder kann sogar kontraproduktiv sein, beispielsweise bei einem Fettbrand. Hier würde Wasser für eine Stichflamme sorgen. Während der Fettbrand am besten erstickt und der Flächenbrand teilweise noch manuell mit Feuerpatschen bekämpft wird, löscht die Feuerwehr Metallbrände mit Pulver, flüssige Stoffe wie Benzin mit Schaum. Letzteren erzeugen sie durch das Zumischen eines speziellen Schaummittels in die Schlauchleitung. „Je nachdem, wie viel Luft am Schaumrohr zugeführt wird, entsteht Mittel- oder Schwerschaum“, erläutert Wilgen. Der Unterschied liegt in Volumen und Reichweite. Zum Wasser hinzugeben lässt sich auch ein Netzmittel, das die Oberflächenspannung so verringert, dass das Wasser zum Beispiel in gepresste Strohballen eindringen kann. Welches Löschmittel zum Einsatz kommt, ist also vom brennenden Material abhängig. Dieses ist in Brandklassen unterteilt.

„Durch bessere Brandschutzauflagen im Baurecht sowie die Rauchmelderpflicht ist die Anzahl der Feuer seit Jahren rückläufig“, weiß Wilgen. Umso wichtiger seien Übungen unter realistischen Bedingungen – zum Beispiel im Brandcontainer der Landesfeuerwehrschule in Loy. Diesen wird demnächst auch Ehmen ansteuern. „Schließlich soll jeder Atemschutzgeräteträger einmal die Heißausbildung durchlaufen“, erzählt er. Dabei werden die Teilnehmer an ihre Belastungsgrenze herangeführt. Die Wärmegewöhnung gehört ebenso zu den Inhalten wie die Türöffnungsprozedur. Sie soll die Einsatzkräfte vor einer Durchzündung und deren Folgen bewahren. Diese entsteht, wenn die heißen Rauchgase in geschlossenen Räumen plötzlich Sauerstoff erhalten. Die Feuerwehrleute öffnen die Tür deshalb aus der Deckung heraus mit einer Rundschlinge am Griff – und zwar nur solange, wie es braucht, um kurze Wasserstöße an die Decke abzugeben. „Verdampft das Wasser sofort, ist die Raumtemperatur und damit die Gefahr einer Durchzündung hoch“, erklärt Wilgen. Die Türprozedur wird wiederholt, bis das Zimmer gefahrlos betreten werden kann. Auch dann überprüfen die Einsatzkräfte noch regelmäßig die Raumtemperatur.

Bleibt den Brandschützern ausreichend Zeit, besteht die Möglichkeit den Raum ohne ein Betreten mit Fognails herunterzukühlen, die dafür in die Tür geschlagen werden. An sie lässt sich ein D-Schlauch anschließen. „Es gibt zwei Modelle. Eines sprüht in die Breite, das andere nach vorne“, erklärt Wilgen. Auch wenn die Gefahr einer Durchzündung begünstigt wird, sollte man bei einem Brand die Zimmertür schließen, ehe man das Gebäude verlässt und die Feuerwehr ruft. Ansonsten erhalten die Flammen Nahrung in Form von Sauerstoff und breiten sich noch schneller aus. Für die bevorstehende Weihnachtszeit rät Wilgen, auf echte Kerzen am Tannenbaum zu verzichten. Sie könnten nicht nur bei direktem Kontakt mit Nadeln und Schmuck für ein Feuer sorgen. „Die Nadeln trocknen aus und beginnen, auszugasen, und diese Gase können sich dann entzünden“, warnt er.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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