Produkte aus nachhaltiger Jagd

Fellwechsel-Standort in Altona: Jäger werden zu Sammlern

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Ab in die Truhe: Am Schießstand Altona ist Lothar Heidenreich für die Tiersammlung zuständig.

In Tiefkühltruhen sammelt die Fellwechsel GmbH derzeit in ganz Deutschland tote Tiere - auch in Altona hat die Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst eine Sammelstelle eingerichtet. Die Idee: Felle von Nutrias, Mardern und Co. sollen nicht im Wald vergraben, sondern genutzt werden.

Altona - Dass Nutrias nochmal zu etwas nützlich sein könnten, glaubt derzeit wohl niemand. Als deichzerstörende Schädlinge gelten die Stachelratten, die hierzulande immer häufiger anzutreffen sind. Jäger stellen ihnen Fallen - dann töten und vergraben sie sie. Dieser Praxis will die Firma Fellwechsel, vor gut zwei Jahren vom Deutschen Jagdverband und dem Landesjagdverband Baden-Württemberg gegründet, ein Ende machen. Sie will aus den Fellen erlegter Nutrias „qualitativ hochwertige Ware aus nachhaltiger Jagd“ herstellen. Gleiches gilt für Rotfüchse, Marderhunde, Waschbären, Stein- und Baummarder, Iltisse, Minks und Bisams.

Lothar Heidenreich leitet den Schießstand Altona in Dötlingen und ist dort für die Tiefkühltruhe zuständig, die die Jägerschaft Oldenburg/Delmenhorst in diesem Winter zum ersten Mal für Fellwechsel aufgestellt hat. Der Wildeshauser begrüßt die Aktion: „Wir wollen keine Tiere fangen und eingraben. Wenn wir Kreaturen aus freier Wildbahn entnehmen, dann sollten wir die schon nutzen.“ Und wenn dafür weniger Tiere zur Pelzzucht in Käfigen gehalten würden, sei das auch sinnvoll.

40 Tiere in zwei Monaten abgegeben

Seit Mitte November sind am Schießstand Altona mehr als 40 Tiere abgegeben worden, tiefgefroren und in Plastiktüten verpackt. Rotfüchse, Stein- und Baummarder liegen in der Truhe, den größten Anteil machen jedoch die Nutrias aus. „Das ist die Wildart Nummer eins, die hier abgegeben wird“, sagt Heidenreich. Auf einem Zettel müssen die Jäger auch vermerken, wo sie das Tier erlegt haben. Dieser Nachweis ist wichtig, damit die Herkunft der Felle zweifelsfrei belegt werden kann - schließlich will Fellwechsel sie unter dem Motto „Ehrlich, nachhaltig, wild“ verkaufen.

Die Jäger können für die erlegten Tiere Geld bekommen, die Ankaufpreise liegen zwischen zwei und zehn Euro. Doch in Dötlingen habe seiner Kenntnis nach bisher niemand seine Kontodaten hinterlassen, sagt Heidenreich. „Auch wir als Jägerschaft nehmen kein Geld.“ Die Tiefkühltruhe ist ebenfalls eine Spende, verdienen will hier offenbar keiner.

Auch für Fellwechsel geht es weniger ums Geschäft als um die nachhaltige Nutzung, sagt Frederik Daniels, Leiter der zentralen Abbalgstation in Baden-Württemberg. Die Kosten für das Gerben der Felle seien hoch, deshalb mache es Sinn, die Sammlung zu zentralisieren. Dafür erhalte man aber ein Naturprodukt, das sehr langlebig sei.

So wird am Ende aus einem Rotfuchs ein hochwertiger Muff oder Nierenwärmer, den die Jäger wiederum zu vergünstigten Konditionen bekommen können. Und selbst aus einem Nutria wird so noch etwas: Das Fell erzielt nach der Gerbung immerhin 35 Euro, eine Trophäe kostet 45 Euro.

Abgabe-Möglichkeit

Am Schießstand Altona können noch bis zum 3. Februar donnerstags von 15 bis 19 Uhr tote und verpackte Tiere - nur mit ausgefülltem Herkunftsnachweis - abgegeben werden. Informationen zur Aktion und den Bedingungen für die Annahme online unter: www.fellwechsel.org.

Hintergrund: Nachhaltige Felle

Der Deutsche Jagdverband und der Landesjagdverband Baden-Württemberg haben die Fellwechsel GmbH Ende 2016 gegründet, um Felle nachhaltiger zu nutzen und ihre Vermarktung zu zentralisieren. Die Aktion zielt auf die hochwertigen Winterfelle ab. In der ersten Saison 2017/18 waren bundesweit rund 300 Abgabestellen angemeldet, Jäger brachten gut 7000 Tiere.

In der zweiten, noch bis zum 3. Februar laufenden Saison gibt es mehr als 600 Sammelstellen, bisher sind um die 6000 Tiere abgegeben worden, sagt Frederik Daniels, Leiter der zentralen Abbalgstation in Rastatt (Baden-Württemberg). Dort werden die meisten der gefrorenen Tierkörper direkt abgezogen und die Felle an Gerber weitergegeben, der Rest wird getrocknet. Am Ende entstehen aus Nutria, Rotfuchs und Co. hochwertige Bälge, manche werden direkt zu Innenfutter, Nierenwärmern oder Muffs weiterverarbeitet.

kab

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