„Es wird gekuschelt, gestreichelt, gebürstet“

Neerstedter Kindergarten ist auf den Hund gekommen

Sind nicht die einzigen, die den neunjährigen Rüden Levis lieben: Diese drei Mädchen, die den Kindergarten „Unterm Regenbogen“ in Neerstedt besuchen.
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Sind nicht die einzigen, die den neunjährigen Rüden Levis lieben: Diese drei Mädchen, die den Kindergarten „Unterm Regenbogen“ in Neerstedt besuchen.

Neerstedt – Davon träumt bestimmt jedes Mädchen und jeder Junge: Von einem süßen Hund, der regelmäßig mit in den Kindergarten kommt und mit dem gespielt und gekuschelt werden darf. In Neerstedt ist das möglich. Seit Dezember vergangenen Jahres nimmt Erzieherin Claudia Lehmkühler regelmäßig einen ihrer beiden Australian Shepherds mit in den evangelisch-lutherischen Kindergarten „Unterm Regenbogen“.

2013 habe sie damit angefangen, ihre Vierbeiner mit zu ihrem Arbeitsplatz zu nehmen. „Im vorherigen Kindergarten, in dem ich war, gab es eine Waldwoche. Da sind wir den ganzen Tag mit den Kindern draußen gewesen. Eine Mutter hat mich dann mal gefragt: ,Wieso bringst du nicht deine Hunde mit in den Kindergarten? Das wäre doch toll für die Kinder‘“, berichtet Lehmkühler.

Lehmkühler hat zwei Australian Shepherds

Daraufhin habe sich die 38-Jährige zu dem Thema informiert. „Ich habe mich schlaugemacht, was Besuchshunde genau sind und wo sie eingesetzt werden. Ich habe mich damit auseinandergesetzt.“ Zusammen mit Wilson (zehn Jahre) und Levis (neun) legte Lehmkühler eine Begleithundeprüfung mit anschließendem Sachkunde- nachweis für Hundehalter ab. Im Laufe der Jahre seien noch einige Seminare dazugekommen.

Die Erzieherin berichtet, dass sie sich damals gezielt auf das Thema Besuchshund konzentriert habe, „sodass jedes Kind die Möglichkeit hat, mit einem Hund zu agieren“. Bevor ihre Vierbeiner sie in die Einrichtungen begleiten durften, habe sie im Vorfeld einiges klären müssen. Sie musste sich Genehmigungen bei verschiedenen Ämtern und Behörden einholen. „Ich bin seit August 2020 in Neerstedt als Erzieherin angestellt. Das hat auch eine Weile gedauert, bis ich die Hunde dann mitnehmen konnte.“

Im Dezember war es dann soweit und die Vierbeiner durften mit in die Kita kommen. Sie fügt hinzu: „Wichtig war natürlich auch, dass die Eltern damit einverstanden waren.“ Für die sei es jedoch in Ordnung gewesen. „Es haben sogar Eltern und Kinder den Wunsch geäußert, in meine Gruppe zu kommen.“ Lehmkühler nimmt den Hund mit in ihre feste Kindergartengruppe. Sie ist für zehn Vorschulkinder verantwortlich, so die Erzieherin.

Ihr Australian Sheperd komme regelmäßig mit in den Kindergarten. „Alle ein bis zwei Wochen einmal. Es kommt drauf an, wie es passt. Ich nehme die Hunde im Wechsel mit und nicht beide gleichzeitig. Es gibt auch keinen festen Tag“, so die 38-Jährige, die in Sandkrug lebt.

Die Hunde nimmt sie im Wechsel mit

„Der Hund ist quasi unser alltäglicher Begleiter. Wenn die Kinder morgens in die Kita kommen und sehen, dass der Hund da ist, freuen sie sich total, gehen auf ihn zu und lassen ihn zur Begrüßung schnüffeln. Es wird gekuschelt, gestreichelt, gebürstet und es werden auch mal Leckerlis versteckt, die der Hund suchen muss“, schildert Lehmkühler einen Tag mit dem Vierbeiner. „Wir machen Tricks oder Apportierspiele sowie gemeinsame Spaziergänge mit dem Hund und genießen die Natur.“ Der Vierbeiner begleite sie den ganzen Tag. „Wir haben eine Hundebox im Gruppenraum. Wenn wir zum Beispiel frühstücken, hat der Hund Pause und liegt in seiner Box.“ Die Tiere hätten also auch genügend Ruhephasen und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Da sich die Einrichtung derzeit in der Notbetreuung befindet, bekämen die anderen Jungen und Mädchen nichts von dem Vierbeiner mit. „Wenn normaler Regelbetrieb ist, gäbe es eine Mischung. Dann hätten auch Kinder aus anderen Gruppen die Möglichkeit, den Hund zu besuchen und zu streicheln“, erzählt sie.

Ein Team: Erzieherin Claudia Lehmkühler und ihr Australian Shepherd Wilson.

Gab es denn auch Jungen und Mädchen, die anfangs Angst hatten? „Ich hatte schon Kinder dabei, die Angst hatten, diese aber abgelegt haben. Es geht ja darum, den Umgang mit Tieren – einem Hund – zu erlernen“, informiert sie. Die Jungen und Mädchen lernen die Körpersprache des Vierbeiners kennen. „Das können sie dann draußen anwenden, wenn sie einem Hund begegnen“, so Lehmkühler, die seit 19 Jahren als Erzieherin arbeitet.

Kinder freuen sich, wenn der Vierbeiner dabei ist

Sie erinnert sich an vereinzelte Kinder, die panische Angst vor großen Hunden, sich aber zu Hundeliebhabern entwickelt hätten. „Ich habe auch von Familien gehört, die danach einen aufgenommen haben.“ Sie findet, dass alle davon profitieren. „Nicht jede Familie hat einen Hund, und so ermöglicht man es den Kindern, Kontakt zu einem zu haben. Sie lernen, Rücksicht zu nehmen und sich leiser zu verhalten, wenn ein Hund da ist, so kehrt mehr Ruhe ein. Die Kinder lassen sich toll drauf ein“, erzählt sie.

Alle fühlten sich sehr wohl, auch die beiden Hunde mögen ihren Job – das sei eine sehr wichtige Grundvoraussetzung für einen Besuchshund, so die Erzieherin.

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