Und fordert für die K 237: „Tempo runter“

Rat spricht sich mehrheitlich für Gewerbegebiet aus

Von der Buchenreihe an der Iserloyer Straße soll möglichst jeder Baum erhalten bleiben. Foto: Schneider
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Von der Buchenreihe an der Iserloyer Straße soll möglichst jeder Baum erhalten bleiben.

Hockensberg - Von Tanja Schneider. Die einen bezeichnen es als zukunftssicherndes Projekt, andere befürchten ein finanzielles Fiasko. Zu was sich das interkommunale Gewerbegebiet in Hockensberg entwickelt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht seit Donnerstagabend: Die Planungsphase ist beendet, es kann an die Realisierung gehen. Denn mit zwölf Ja-Stimmen (CDU, SPD und Bürgermeister) sowie sechs Nein-Stimmen (FDP, Grüne) hat der Gemeinderat während seiner Sitzung im Dötlinger Landhotel den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Hockensberg: Das Brakland“ sowie die Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen. Den Sperrvermerk über entsprechende Mittel im Etat 2019 hob der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss unmittelbar vor der Sitzung auf, wie Bürgermeister Ralf Spille auf Nachfrage bestätigte.

Einig war sich der Rat hinsichtlich des Ausbaus der an das künftige Gewerbegebiet grenzenden Iserloyer Straße (K 237). Die Verwaltung soll den Landkreis Oldenburg auffordern, die Geschwindigkeit auf der Kreisstraße auf 70 Kilometer pro Stunde zu reduzieren und damit den Beschluss des Kreistages, der sich für den Erhalt der dortigen Buchenreihe ausgesprochen hatte, umzusetzen. Bekanntlich war nach Protesten von Bürgern und Naturschutzverbänden eine Variante für den Ausbau der K 237 gewählt worden, die die Bäume verschont. Im weiteren Verlauf der Planungen hatte sich allerdings gezeigt, dass im Bereich der Kreuzung K237/Brakland/Rahmannsweg aufgrund der Einhaltung von Sichtdreiecken doch drei der Buchen gefällt werden müssen. Eine Temporeduzierung würde die Sichtdreiecke verkleinern.

Bislang hat das Straßenverkehrsamt des Landkreises eine solche stets abgelehnt. Aus Sicht der Gemeinde gibt es aber durchaus mehrere Gründe, die Geschwindigkeit auf dieser Strecke herabzusetzen – vom Erhalt der Buchen bis hin zur Sicherheit (Höhenunterschiede, Einmündungen). „Ich hoffe, dass auf Kreisebene alle Fraktionen mitziehen und dieses Anliegen unterstützen“, sagte Gabriele Roggenthien (Bündnis90/Die Grünen). Thore Güldner (SPD) ergänzte: „Wir müssen den Druck erhöhen.“ Und wenn alles nicht hilft? Marianne Bernhard-Beeskow vom Nabu schlug während der Einwohnerfragestunde vor, die Kreisstraße dann noch ein Stück weiter zu verschwenken. „Denn wenn nur ein Baum fällt, geht irgendwann die ganze Buchenreihe ein“, sagte sie. Roggenthien appellierte, diesen Gedanken im Fall der Fälle zu prüfen.

Wie ihr Parteikollege Dirk Orth und die vier FDP-Vertreter votierte die Ratsfrau gegen die Entwicklung des Gewerbegebietes. „Wir sind uns sicher, dass eine Kosten-Nutzen-Analyse aufzeigen würde, dass das Projekt ein finanzielles Fiasko wird“, sagte der Liberale Eckehard Hautau. Der FDP-Fraktionschef Claus Plate sprach von einem nicht so schönen Tag, versicherte aber: „Wenn wir eh keine Chance mehr haben, das Gebiet zu verhindern, wollen wir, dass es ein Erfolg wird. Wir werden es positiv begleiten, aber es ist ein schwerer Schritt.“ Wie auch Rudi Zingler (SPD) bat Plate darum, erneut über die Realisierbarkeit zu sprechen, sollten die erwarteten Fördergelder der NBank ausbleiben. „Das sind unsere Bedenken“, sagte Zingler. „Ansonsten sehen wir die Planung im Großen und Ganzen positiv.“

Bürgermeister Spille lobte die Zusammenarbeit mit den beteiligten Kommunen Wildeshausen und Prinzhöfte, „die so vor zehn Jahren wahrscheinlich nicht denkbar gewesen wäre“. Er zeigte sich froh über die abgeschlossene Bauleitplanung. Spille könne den Verdruss der Anlieger verstehen. „Der Rat muss aber an die gesamte Gemeinde denken“, betonte er. Zudem sei in den vergangenen vier Planungsjahren einiges im Interesse der Anwohner angepasst worden – von größeren Regenrückhaltebecken über eine Staffelung der Gebäudehöhen im Gewerbegebiet bis hin zur Schließung der Straße „Brakland“ für den Durchgangsverkehr. „Es wurde eine Menge gemacht, um das Vorhaben für Mensch und Natur erträglicher zu gestalten“, sagte auch CDU-Ratsherr Gernot Kuhlmann.

Die Anwohner sehen dies anders. „Uns ist keine Partei entgegengekommen. Es gibt keinen geräuscharmen Asphalt, keine Ampel, und in Höhe des Pfennigstedter Weges wird der halbe Wald abgeholzt“, monierte Peter Gremmert. Um die Buchenreihe hätten in erster Linie die Bürger gekämpft. „Und nun wird es dargestellt, als hätte man viel für uns gemacht. Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt.“

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