Serie „Unsere Feuerwehr“

Wie Einpendler die Feuerwehren verstärken

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Zu Einsätzen der Neerstedter Feuerwehr fahren Henrik Bock und sein Chef Ralf Otte oft gemeinsam.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Viele der ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus der Gemeinde Dötlingen arbeiten außerorts und stehen deshalb tagsüber bei Einsätzen oft nicht zur Verfügung. Um den Brandschutz dennoch zu gewährleisten, setzen die Verantwortlichen unter anderem auf Einsatzkräfte anderer Feuerwehren, die beruflich in die Kommune einpendeln. Einer von ihnen ist Henrik Bock. Für den 15. Teil unserer Serie erklärt er zusammen mit seinem Chef Ralf Otte das Konzept der „Gastfeuerwehrleute“.

Bock ist seit 2008 aktives Mitglied der Wildeshauser Feuerwehr und arbeitet seit rund drei Jahren beim Fahrzeuginneneinrichter Otte an der Huntloser Straße in Neerstedt. Seit zweieinhalb Jahren hat er neben seinem Spind im Wildeshauser Feuerwehrhaus auch einen in der Gemeinde Dötlingen – mit kompletter Ausrüstung. Piept während der Arbeitszeit der Meldeempfänger, legt der Fahrzeugeinrichtungsmonteur in der Regel sein Werkzeug beiseite und düst gemeinsam mit seinem Chef, der ebenfalls zu den Neerstedter Brandschützern gehört, vom Firmenhof. Als Feuerwehrmann freue er sich natürlich über die Unterstützung. „Aus betrieblicher Sicht muss ich zugeben, dass dann durchaus mal Arbeit liegen bleibt“, berichtet Otte. Oft lasse sich diese gut nachholen, manchmal bleibe Bock abends etwas länger. Den Verdienstausfall erstattet die Kommune.

Für den Wildeshauser bedeutet die „Gastfeuerwehrtätigkeit“ nicht nur aus diesem Grund eine doppelte Belastung, die er zur Sicherstellung des Brandschutzes in der Gemeinde aber gerne in Kauf nimmt. „Um für die Einsätze hier gerüstet zu sein, muss ich natürlich ab und an auch an den Übungsdiensten der Neerstedter Ortswehr teilnehmen – zusätzlich zu den Einsätzen und Diensten in Wildeshausen, wo ich auch Gerätewart bin“, erklärt er. Die Abläufe bei der Brandbekämpfung oder technischen Hilfeleistung seien zwar ähnlich, dennoch gebe es Unterschiede – zum Beispiel bei der Ausrüstung auf den Fahrzeugen. „In Neerstedt ist natürlich nicht alles an derselben Stelle wie in Wildeshausen“, erklärt Bock. Auf seinem Meldeempfänger hat er eine zusätzliche Schleife. „Nach Feierabend kann ich umstellen“, sagt er. So vermeidet er, nachts für Einsätze der Feuerwehr Neerstedt geweckt zu werden.

Neben dem Wildeshauser gibt es derzeit noch vier weitere „Gastfeuerwehrleute“ in der Gemeinde, unter anderem von den Huder und Huntloser Brandschützern. „Es dürfen gerne noch mehr werden“, meint Pressewart Jannis Wilgen. Bürgermeister Ralf Spille hat deshalb vor Kurzem die Gewerbebetriebe in der Kommune angeschrieben und um Unterstützung dieses Modells geworben. Er bat die Arbeitgeber, Mitarbeiter, die in einer auswärtigen Feuerwehr aktiv sind, auf diese Möglichkeit hinzuweisen und sie bei Interesse auch freizustellen. „Es gab schon erste Rückmeldungen. Deshalb hoffen wir auf weitere Verstärkung“, ist Wilgen zuversichtlich.

Lobend hebt der Pressewart hervor, dass in der Gemeinde Dötlingen einige Unternehmen existieren, die zur Sicherstellung des Brandschutzes beitragen. „Es gibt Betriebe, da ist fast die halbe Belegschaft in der Feuerwehr“, weiß er. „Andere motivieren ihre Mitarbeiter, sich zu beteiligen.“ Ein Beispiel sei die Firma Garms Baustoffe in Aschenstedt, die mit Malte Janzen auch einen „Gastfeuerwehrmann“ für Einsätze freistellt. Seit mehreren Jahren verstärkt der Fachkaufmann für Betriebsmanagement tagsüber die Dötlinger Ortswehr. Nach dem Rundschreiben vom Dötlinger Bürgermeister seien noch einmal alle Mitarbeiter angesprochen und auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht worden, berichtet er. Aus Sicht der Brandschützer ein vorbildliches Vorgehen. „Wir arbeiten daran, weitere Betriebe von diesem Prinzip zu überzeugen“, sagt Wilgen.

Serie „Unsere Feuerwehr“

„Retten, löschen, bergen, schützen“ lautet das Motto der Feuerwehr. Die Zeiten, in denen sie nur Brände bekämpfte, sind längst vorbei. Mittlerweile decken die Männer und Frauen, von denen in der Gemeinde Dötlingen rund 150 im aktiven Dienst sind, ein breites Spektrum an Aufgaben ab. Rund um die Uhr sind die Ehrenamtlichen der drei Ortswehren Brettorf, Dötlingen und Neerstedt zur Stelle, wenn im Notfall Hilfe benötigt wird. Daneben engagieren sich rund 100 weitere Mitglieder in der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der Brettorfer Feuerwehrkapelle sowie den Altersabteilungen. Der demografische Wandel und ein veränderter Arbeitsmarkt stellen die Feuerwehren heutzutage insbesondere personell vor einige Herausforderungen. Weitere aktive Mitglieder sind vor diesem Hintergrund immer willkommen. Was sie bei den drei Dötlinger Ortswehren erwartet, stellt die Wildeshauser Zeitung in einer Serie vor. Die Artikel befassen sich mit den vielfältigen Arbeitsbereichen, lassen die Einsatzkräfte zu Wort kommen und beleuchten Themen wie die Ausstattung und Ausbildung.

www.feuerwehr-doetlingen.de

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