Klare Worte gegen Standort im Dorfgarten

Diskussionsrunde über den geplanten Kulturpavillon

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Rund zwei Stunden lang diskutierten die Vertreter der Bürgerinitiative und der Stiftung mit den gut 150 Einwohnern im Saal des Dötlinger Landhotels. Auch viele Ratsmitglieder waren gekommen.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. In der Diskussion um den Kulturpavillon, den die Dötlingen Stiftung mit der 1,5-Millionen-Euro-Spende von Detlef Knechtel im Dorf errichten möchte, ist ordentlich Druck auf dem Kessel.

Das zeigte sich am Dienstagabend bei einer Versammlung im Landhotel, zu der die Initiative „Aktive Bürgerbeteiligung Jetzt“ eingeladen hatte. Gut 150 Einwohner aus der Gemeinde kamen, um „einmal die Argumente von allen zu hören“. Denn auch Vertreter der Stiftung waren zugegen. Zunächst machten aber die Mitglieder der Bürgerinitiative ihrem Unmut Luft. Die Aussagen drohten dabei kurzzeitig vom Sachlichen ins Feindselige abzudriften, ehe der Ton wieder moderater wurde und am Ende alle Beteiligten ihr Interesse an einer „guten Lösung“ bekundeten.

Die Bürgerinitiative, die laut eigenen Angaben nun 66 Mitglieder zählt und bislang mehr als 460 Unterschriften gegen das Vorhaben und insbesondere gegen den Standort im Dorfgarten gesammelt hat, ist der Ansicht, dass viele Punkte rund um das Projekt nicht transparent genug behandelt werden. Die Einwohner seien nicht umfassend und vor allem zu spät informiert worden – sowohl vom Gemeinderat als auch von der Stiftung. Letztere hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegen den Vorwurf gewehrt, ihre Intentionen und das Konzept mehrfach erläutert und zuletzt eigens einen Infoflyer drucken und verteilen lassen. Am Dienstagabend mussten sich die Stiftungsvertreter Thea Freiberg, Gerti Essing, Walter Ulrich und Eckehard Hautau erst einmal in Geduld üben.

„Unser Ziel lautet aber: kein Pavillon im Dorfgarten“

Rund eine Stunde lang dauerten die Ausführungen der Bürgerinitiative, die Wert auf die Einhaltung ihres geplanten Ablaufes legte. „Wir wollen niemanden langweilen, aber das ist für uns von großer Bedeutung“, meinte Carlo Beeskow von der Initiative, der die Moderation übernahm. Und so gab es zunächst diverse Berichte – vom „zeitlichen Abriss“ über die Aktivitäten des Nabu im Dorfgarten und die hohe Bedeutung dieser Fläche im Landschaftsschutzgebiet bis hin zu dem Aufruf, sich bei der Ratssitzung amDonnerstag, 28. September, im Brettorfer Schützenhof für eine Aufnahme des Themas auf die Tagesordnung stark zu machen. Die Initiative plädiert dafür, dass der Rat dem Antrag von Bündnis90/Die Grünen auf Aussetzung der weiteren Planung folgt. So könne das Thema in Ruhe und mit Beteiligung der Bürger beleuchtet werden. Harri Brendler von der Initiative machte keinen Hehl daraus, dass einige in der Gruppe das Vorhaben komplett ablehnen: „Unser Ziel lautet aber: kein Pavillon im Dorfgarten.“ Bekanntlich hat der Rat im Juni beschlossen, der Stiftung für das Vorhaben ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. Statt für die zunächst – auch von der Stiftung – bevorzugte Fläche auf dem Ausgleichsparkplatz hatte das Gremium für den Dorfgarten als Standort gestimmt. „Bleibt die Gemeinde bei diesem Areal, sollte sie die Bürger befragen“, so Brendler.

„Schließlich wollen wir ein Haus für alle“

Angesichts der hochkochenden Emotionen in den vergangenen Wochen hatte er zu Beginn der Veranstaltung um Sachlichkeit gebeten. Dies funktionierte nur bedingt. Als ein Mitglied der Initiative mit den Worten „Daran sieht man, dass die Bürger mit Gewalt dumm gehalten werden“ ein Finanzierungskonzept, das die Stiftung erstellt haben soll, präsentieren wollte und ein paar Zahlen in die Menge schmiss, kippte die Stimmung kurz. „Das ist eine Frechheit“, kam es aus den Reihen der Bürger. Auch das Wort „Hetze“ war zu vernehmen. Beeskow steuerte schnell gegen: „Wir haben kein Interesse, das Projekt zu verhindern. Wir wollen gemeinsam zu einem Ergebnis kommen.“ Dies dürfte auch im Sinne des mittlerweile 96-jährigen Spenders sein. „Er hat mit seinem Geschenk nie vorgehabt, das Dorf zu spalten. Darüber ist er sehr traurig“, teilte Knechtels Lebensgefährtin mit.

Für die Stiftung betonte Hautau, dass keine Mauscheleien gelaufen seien. „Wir haben es für sinnvoll gehalten, erst an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn Klarheit darüber herrscht, wie das Projekt aussehen kann und ob wir überhaupt ein Grundstück erhalten können“, erklärte er. Gemäß der Vereinbarung werde die Stiftung vertraglich zusichern, dass der Gemeinde keine Folgekosten entstehen. Und bei allem, was die Stiftung bislang im Dorf realisiert hat, sollte man ihr schon Vertrauen entgegenbringen. Auf Nachfrage versicherten Freiberg und Essing, dass die Stiftung personell breit aufgestellt sei und sich wirklich niemand Sorgen um den Nachwuchs machen brauche.

Aus den Reihen der Bürger meinte Ingo Lucks, dass „wir diese Chance nicht ausschlagen dürfen“. Dötlingen sollte zukunftsorientiert denken, um nicht im Dornröschenschlaf zu versinken. Auch Hella Einemann-Gräbert plädierte für ein Haus der Begegnung – allerdings gerne mit erweiterten Nutzungsmöglichkeiten. Hautau sagte, dass die Stiftung durchaus für Ideen offen sei: „Schließlich wollen wir ein Haus für alle.“ Dies setze eine Kompromissbereitschaft aller voraus.

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