1 000-jährige Dötlinger Dorfeiche wegen akuter Abbruchgefahr gesichert

Eingerüstet

Schweißarbeiten in der Baumkrone: Holger Schmidt befestigt die Stahlträger am variablen Dämpfer.
+
Schweißarbeiten in der Baumkrone: Holger Schmidt befestigt die Stahlträger am variablen Dämpfer.

Dötlingen – Es fliegen die Funken an einem der bekanntesten Wahrzeichen Dötlingens. Vom Korb eines Teleskopladers aus schweißt Holger Schmidt von der Firma Tonne einen dunkelgrauen Stahlträger mit einem Dämpfer zusammen, der am letzten verbliebenen Ast der 1 000-jährigen Dorfeiche befestigt ist. Gerade einmal einen Tag benötigen die Mitarbeiter des Neerstedter Unternehmens, um das Gerüst, das den alten Baum künftig stützen und damit für mehr Sicherheit sorgen soll, zu errichten.

Ein wachsames Auge auf die Arbeiten hat der Sachverständige und Dendrologe Helmut Titschack, der die Eiche seit gut 15 Jahren betreut und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg immer wieder Rückmeldung über den Zustand gibt. Und dieser habe sich in den vergangenen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten rapide verschlechtert. Der Restkorpus ist schon lange hohl. „Eine Eigenschaft, die Eichen und Linden haben“, so Titschack. Doch auch der letzte verbliebene große Ast sei inzwischen ausgehöhlt, nur noch das abzweigende „Geweih“ sei kompakt.

Bei seiner letzten Untersuchung des Baumes hätten dann die Alarmglocken geschrillt. Titschack stellte fest, dass das lebende Gewebe nur noch äußerst fragil am toten Korpus sitzt. „Es ist ein Wunder, dass der Ast überhaupt noch hält“, sagt er. Aufgrund der akuten Abbruchgefahr und somit der Gefährdung von Menschen im Umfeld empfahl der Experte eine Stütze. Schon im Frühjahr gab es deshalb Gespräche mit der Gemeinde Dötlingen sowie der Unteren Naturschutzbehörde (wir berichteten). Aus ökologischen und kulturhistorischen Gründen habe man sich schließlich dazu entschlossen, dass Naturdenkmal zu erhalten. „Mit einer Stütze kann es noch ein paar Jahre stehen bleiben“, meint Titschack.

Über das Gerüst selbst habe es ebenfalls Diskussionen gegeben. Ein simples Stahlgerüst sei aus optischen Gründen nicht infrage gekommen. Geliebäugelt wurde zunächst mit einer Fachwerkkonstruktion aus Holz. „Aus statischen Gründen fiel die Wahl aber auf zwei Scherenstützen“, berichtet Titschack. Die Kosten hierfür in Höhe von etwa 4 500 Euro teilen sich die Kommune und der Landkreis.

An jeder Seite des mächtigen Astes bringen die Mitarbeiter der Firma Tonne ein Scherengestänge an variable Dämpfer an. „Letztere können später auch noch nachjustiert werden“, so der Dendrologe. Die Stahlträger betonieren Schmidt und seine Kollegen Arek Cieniuck und Marc Schnier im Boden ein. Die genaue Position hat Titschack zuvor ausgemessen. Schließlich soll das Wurzelwerk möglichst nicht beschädigt werden.

Auch wenn das Gerüst den letzten Ast der Eiche nun stützt, gebe es keine Garantie dafür, dass er nicht doch abbricht, zum Beispiel bei einem schweren Sturm. „Die Konstruktion ist für normale Wetterlagen geeignet“, meint Titschack. „Um die Baumkrone zusätzlich zu entlasten, gibt es alle zwei bis drei Jahre einen Haarschnitt.“ Mit dem Rückschnitt werde zudem Raum für die neue Dorfeiche geschaffen, die vor Jahren auf dem Areal gepflanzt wurde.

Warum die Dötlinger Eiche in einem so schlechten Zustand ist, darüber könnte Titschack nur spekulieren. Aber: „Bäume sind nun einmal Lebewesen, und irgendwann ist es vorbei“, sagt er. Ob die 1 000-jährige Eiche tatsächlich tausend Jahre alt ist, ist ebenfalls fraglich. Wahrscheinlicher seien um die 600 bis 800 Jahre. Das Alter eines Baumes lasse sich normalerweise gut über die Jahresringe bestimmen. Im Falle der Dorfeiche sei dies aber aufgrund des hohlen Korpusses nicht möglich.

Von Tanja Schneider

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Japanische Roadsterträume in Italien

Japanische Roadsterträume in Italien

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Playstation 5 und Xbox Series im Überblick

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Mit Kindern durchs Ruppiner Land

Federgras in Hülle und Fülle

Federgras in Hülle und Fülle

Meistgelesene Artikel

Kommentare