Ausstellungsräume geschlossen / Künstler nutzen Zeit fürs disziplinierte Arbeiten

Eine schöpferische Pause

Geschlossen: Die nächste Ausstellung in der Galerie im Heuerhaus (rechtes Foto) ist verschoben. In der Müller-vom-Siel sind die Wände derzeit leer. Die Dötlingen Stiftung hofft, dass sich die Situation bis zum fünften Geburtstag der sanierten Malschule gelegt hat. Fotos: Schneider

Dötlingen/Ostrittrum - Von Tanja Schneider. Die Coronakrise wirbelt auch die Dötlinger Kunst- und Kulturszene kräftig durcheinander. Ausstellungen sind geschlossen, Malkurse abgesagt, Konzerte verschoben. „Das ist traurig, aber notwendig“, sagt Heike Wendeln, die die Galerie im Heuerhaus leitet. Auch Gerti Essing von der Dötlingen Stiftung findet: „Es gibt Wichtigeres, als auf Terminen zu beharren.“ Künstlerin Anne Hollmann versucht, das Positive zu sehen. „Ich bin froh, dass ich auf dem Land lebe, rausgehen und ansonsten in meinem Atelier arbeiten kann.“

Die Ostrittrumerin hat bereits vor einer Woche Kurse wie „Modellieren mit Beton“ und das „offene Atelier“ vorerst gestrichen. „Gerade bei den Vormittagsmalern sind einige Ältere dabei, die zur Corona-Risikogruppe gehören“, begründet sie. Diese hätten auch selbst gesagt, dass sie lieber nicht kommen wollten. Wirklich schade sei, dass die Landpartie auf dem Gut Kump bei Hamm ins Wasser fällt. „Für meine Teilnahme habe ich richtig viel gearbeitet und schon seit Januar neue Werke geschaffen“, bedauert Hollmann.

Um keinem Corona-Blues zu erliegen, hat sich die Künstlerin ein straffes Programm auferlegt. „Ich stehe jeden Tag gegen 6 Uhr auf und bin ab 7 Uhr im Atelier“, berichtet sie. Etwa vier Stunden arbeite sie an Bildern und Plastiken, dann gönne sie sich eine Pause. Am Nachmittag gehe es weiter. „Ich möchte jetzt die Zeit nutzen und diszipliniert vorankommen – auch wenn ich noch nicht weiß, wo ich die ganzen Werke dann zeigen werde.“

Zeit für die Familie bleibe aber ebenfalls. „Ich bin froh, dass alle hier und vor allem gesund sind“, freut sich Hollmann, dass aufgrund der geschlossenen Universitäten beide Töchter auf dem Hof in Ostrittrum sind.

Flexibel zeigen sich die Verantwortlichen bei der Dötlingen Stiftung. „Dazu ist man derzeit ja gezwungen“, meint Essing. Die nächste Veranstaltung im Rahmen des „KulturPur“-Programms, das Politkabarett am 24. April, ist bereits abgesagt. „Wir haben den Künstler Gerd Hoffmann angeschrieben“, erzählt Essing. „Er war sehr verständnisvoll und hatte es sich bereits gedacht.“ Getreu dem Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ solle ein neuer Termin gefunden werden.

Vorzeitig beendet hat die Stiftung die Ausstellung mit Holzarbeiten von Adolf Bruns in der Dötlinger Müller-vom-Siel-Kate. „Sie ist bereits abgebaut“, so Essing. Die für April geplante Schau ist gecancelt. Hoffnung hat das Vorstandsmitglied noch für die Ausstellung anlässlich des fünfjährigen Bestehens der Müller-vom-Siel-Kate, die ab dem 25. April geplant ist. Dann sollen nach Möglichkeit Werke von Georg Bernhard Müller vom Siel (1865-1939), der am Rittrumer Kirchweg zu Künstlerkoloniezeiten eine Malschule betrieb, gezeigt werden. „Wir hätten tatsächlich auch Zugang zu Bildern, die noch nie in Dötlingen zu sehen waren“, berichtet Essing. Dennoch: Einzuladen traut sich die Stiftung angesichts der Situation noch nicht. „Wir hoffen allerdings, dass die mittlerweile verhängten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus schnell greifen“, sagt sie.

Dem schließt sich Galeristin Wendeln an. Wegen der Coronakrise hat sie die Ausstellung „Akkumulation II“ mit den Künstlern Multimoni und Jens Heller um einen Monat verschoben. Die Vernissage ist nun für den 17. Mai geplant. „Obwohl, richtig planen kann man momentan ja nicht“, ergänzt Wendeln. An den Wänden der geschlossenen Galerie hängen derzeit und bis zum 5. April noch die Bilder von Sebastian Osterhaus. Auf Instagram gewährt Wendeln Einblicke und berichtet von der Möglichkeit, bei Interesse per E-Mail einen Besichtigungstermin abzumachen. So könnten wenigstens Einzelpersonen die Ausstellung sehen.

Die neue Veranstaltungsreihe „Painting & Wine“ in der Galerie startet coronabedingt später. Der für diesen Mittwoch vorgesehene Auftakt ist natürlich gestrichen. „Ich hoffe, dass wir am 14. Mai beginnen können“, sagt Wendeln. Anmeldungen seien bereits eingegangen. Weitere Infos unter www.galerie-im-heuerhaus-de.

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