530 Pfähle sollen die Lämmer von Schäfer Koert Jan Nijboer schützen

Ein Wolfszaun für die Schafe

Hindernis gegen Wölfe: Die ehrenamtlichen Jaro Rüscher und Iris Rentzelmann-Rüscher (linkes Bild: l. u. r.) unterstützen Koert Jan Nijboer (Mitte) beim Zaunbau. Dabei kam auch ein Traktor mit einer Hubramme zum Einsatz.  
Fotos: HÜHNE
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Hindernis gegen Wölfe: Die ehrenamtlichen Jaro Rüscher und Iris Rentzelmann-Rüscher (linkes Bild: l. u. r.) unterstützen Koert Jan Nijboer (Mitte) beim Zaunbau. Dabei kam auch ein Traktor mit einer Hubramme zum Einsatz. Fotos: HÜHNE

Neerstedt – Frische Gräser, Wildblumen und die grüne Abgeschiedenheit. Das sind Zutaten, mit denen das Feld von Bio-Schäfer Koert Jan Nijboer für seine Schafe reichlich gedeckt ist. 138 Lämmer zählt der Wildehauser in diesem Jahr in seiner Herde, die hauptsächlich am Rande Neerstedts grast. Damit das auch so bleibt, haben er und fleißige Helfer das Feld mit einem Wolfszaun abgesichert..

530 Holzpfähle bilden dabei den Rahmen, der mit fünf Drahtseilen bespannt wird. Auf diese Weise werde sehr hohe Spannung mit niedrigem Strom gelegt, erklärt der ehemalige Physik-Student Jaro Rüscher, der ehrenamtlich mithilft die Wolfssperre zu errichten: „Das zwickt einmal kurz, falls man den Draht anfasst. Da passiert aber nichts – außer, dass einem ordentlich einer gewischt wird“, sagt Rüscher. Die Stromquelle für die Wehranlage des Bio-Schäfers soll übrigens aus einer Photovoltaik-Anlage kommen, die Auto-Batterien auflädt, die wiederum für die Spannung auf dem Zaun sorgen. Die Drähte hängen in 20, 40, 60, 80 und 120 Zentimetern Höhe, berichtet Iris Rentzelmann-Rüscher, die wie ihr Sohn freiwillig bei dem Projekt mit anpackt.

Zwei Vertreter vom Naturschutzbund (Nabu) aus Hannover helfen mit Rat und Tat, um den gesetzlich streng unter Schutz stehenden Wolf vom Reißen der Lämmer abzuhalten. „Die haben das schon mal gemacht und wissen wie es geht. Die sind routiniert“, lobt Nijboer die professionelle Unterstützung durch den Verein. Angesetzt gewesen waren zwei Tage Arbeit für acht Helfer, um die 2,8 Kilometer lange Absperrung aufzubauen. Zuvor war das Feld lediglich durch ein einfaches rötliches Netz gesichert gewesen.

Bisher gab es noch keinen Wolfsriss bei Nijboer. Der Schäfer ist sich aber sicher: „Der Wolf kommt. Das ist ganz klar.“ Er kenne zwei Kollegen aus Goldenstedt, wo es zwei Rudel geben soll, die laut Nijboer bei seinen Bekannten für „massive Probleme“ sorgten. „Der Wolf kann eine Strecke bis zu 60 Kilometer in der Nacht zurücklegen“, sagt er. Aus diesem Grund möchte er vorbereitet sein. Das Land Niedersachsen empfehle die Zäune sogar, betont Nijboer, und es gewähre zudem einen Zuschuss in Höhe von 60 Prozent der gesamten Kosten.

Neben Muskelkraft ist für den Aufbau auch schweres Gerät erforderlich. Während zwei Helfer mit einem Trecker und einer Hubramme einen Teil der 530 Zaunpfähle in den Erdboden treiben, laden Rüscher und seine Mutter weitere Pfähle auf die Ladefläche eines Transporters und sorgen so für den Nachschub an der Treckerfront.

Im Gegensatz zum Wolf bereitet dem Schäfer die Coronakrise weniger Sorgen. „Das hat keinen Einfluss auf mein Geschäft“, schildert Nijboer, der seit 1984 in Wildeshausen lebt und aus einer holländischen landwirtschaftlichen Familie stammt. Der Schwerpunkt seines Unternehmens sei das Oster- und Weihnachtsgeschäft. „Das ist im Frühjahr bereits gelaufen gewesen, bevor das mit Corona begann“, sagt er. So habe er einen Umsatzrückgang von lediglich unter zehn Prozent, was durchaus nicht unüblich sei. „Schafe bringen keinen großen Gewinn, sie sind ein Teil meiner Lebensart. Mein Hund und ich genießen die Ruhe und die Freiheit, die wir hier leben“, so Nijboer.

In die Zukunft schaut der Schäfer zuversichtlich: „Die Leute wollen Produkte aus der Region und Bio-Qualität.“ Damit besetze er eine Nische. Seine genügsamen Schafe der Rasse Goldfuchs helfen außerdem bei der Natur- und Landschaftspflege.

Laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) gab es bis 2008 maximal fünf Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere im Landkreis Oldenburg. Mittlerweile seien fast überall in Niedersachsen Vorfälle registriert, lediglich der Süden sei noch wenig betroffen. Rentzelmann-Rüscher und ihr Sohn weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Beweislast bei einem vermeintlichen Wolfsriss sehr schwierig sei. DNA-Tests müssten auf eigene Kosten gemacht werden, was in der Praxis „relativ schwierig“ sei, sagt sie. Es sei außerdem problematisch, Wolfs-DNA nach einem Regen nachzuweisen.

Vor einigen Jahren galt der Wolf hierzulande noch als ausgestorben. Laut einer Chronik des Nabu wurde 1904 der „letzte“ Wolf in der Oberlausitz erschossen. Der „Eiserne Vorhang“ habe für das Tier ein unüberwindbares Hindernis dargestellt, berichtet Marie Neuwald, Referentin beim Nabu für Wolfsschutz. Erst nach der Wiedervereinigung 1990 wurde er bundesweit unter Schutz gestellt. Anfang der 2000er-Jahre habe es erste Sichtungen in Sachsen gegeben. Die Tiere stammten aus Osteuropa und erweiterte seitdem stetig ihren Lebensraum nach Westen.

Von Gregor Hühne

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