Ein Jahr ohne Auftritte

Darsteller und Regisseurin der Speelkoppel Dötlingen erzählen, was ihnen am meisten fehlt

Jürgen Ströde (links) hat das Stück „Twee sünd een to veel“ der Speelkoppel Dötlingen nicht nur geschrieben, sondern steht auch als Karsten Petersen auf der Bühne. Zudem spielen Imke Schulte-Brod, Edith Bruns, Susanne Schüler, Ingo Melle, Ingrid Blohm, Erika Schulte und Helmut Petermann (von links) mit. archivoto: schneider
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Jürgen Ströde (links) hat das Stück „Twee sünd een to veel“ der Speelkoppel Dötlingen nicht nur geschrieben, sondern steht auch als Karsten Petersen auf der Bühne. Zudem spielen Imke Schulte-Brod, Edith Bruns, Susanne Schüler, Ingo Melle, Ingrid Blohm, Erika Schulte und Helmut Petermann (von links) mit. archivoto: schneider

Dötlingen – Seinen vorerst letzten Auftritt mit der Speelkoppel Dötlingen hatte Ingo Melle vergangenes Jahr im Februar. Seit 2015 ist er Mitglied der Gruppe des Bürger- und Heimatvereins. „Wir haben gerade die Saison zu Ende bekommen, als es im März mit Corona losging“, berichtet der Brettorfer. Zur bislang letzten Probe für ein neues Stück traf sich die Gruppe im Sommer – bis die Verschärfungen kamen.

Wie geht es den Darstellern in dieser Situation? Melle vermisst am meisten seine Darsteller-Kollegen, aber auch „das unbeschwerte Üben, das ist immer ein Highlight, das normale Theaterleben, das Spielen und Proben“, listet er auf.

Wenn kein Corona wäre, hätte die Saison 2020/2021 am ersten Novemberwochenende eingeläutet werden sollen. „Wir machen jedes Jahr ein neues Stück“, sagt Melle, der 2019 und 2020 zusammen mit der Speelkoppel Dötlingen mit dem Stück „Twee sünd een to veel“ insgesamt elf Auftritte hatte – den letzten davon am 16. Februar im Dingsteder Krug. „Das Schönste ist, wenn man am Schluss den Applaus bekommt“, sagt der Brettorfer. Er erzählt, dass die Gruppe mittlerweile weiß, zu welchem Darsteller welche Rolle passen könnte: „Jeder verkörpert eine Rolle anders.“

Darsteller vermissen den persönlichen Kontakt

Seit knapp fünf Jahren gehört Jürgen Ströde der Speelkoppel Dötlingen an. Aber nicht nur als Darsteller, sondern auch als Autor. „Er schreibt den Schauspielern die Rolle auf den Leib“, findet Melle. Und was macht ihm selbst am meisten Spaß? „Eigentlich alles. Von der ersten Minute an, das Stück zu lesen und wie man in seine Rolle reinkommt. Wir sind eine tolle Truppe, es macht total Spaß mit den Leuten“, sagt der Brettorfer, der auf einem Bauernhof aufgewachsen ist und als Kind Plattdeutsch gelernt hat. „Wir fiebern alle entgegen, dass wir uns bald wieder treffen und üben dürfen“, so Melle.

Edith Bruns, Erika Schulte, Helmut Petermann, Ingrid Blohm, Susanne Schüler, Jürgen Ströde und Imke Schulte-Brod spielten ebenfalls in dem Stück „Twee sünd een to veel“ mit. Regisseurin Gunda Evers, Souffleuse Jutta Rüdebusch, Imke Evers (Maske und Bühnenbild) und Marius Schulte (Beleuchtung) durften ebenso nicht fehlen.

Edith Bruns ist seit 2006 Darstellerin in der Speelkoppel. „Wir haben jedes Jahr ohne Unterbrechung gespielt, das wäre mein 15. Stück gewesen“, erzählt sie. „Die Saison konnten wir Gott sei Dank noch zu Ende bringen.“ Sie vermisse, genau wie Melle, den persönlichen Kontakt zu den anderen Schauspielern, aber auch die Auftritte. „Die sind eigentlich immer das Schönste“, findet sie. Sie mag Rollen, in der sie eine ganz andere Person spielt, als die, die sie in der Realität ist. Die Proben und Auftritte machten ihr immer wieder Spaß. „Wenn man dann dreimal die Woche geprobt hat, hat man fast schon die Nase voll und umso mehr freut man sich, wenn es losgeht“, sagt Bruns.

Gunda Evers ist seit etwa 26 die Regisseurin

Seit rund 26 Jahren ist Gunda Evers die Regisseurin der Gruppe. „Das ist unbefriedigend, aber es ist ja nicht zu ändern“, sagt die Dötlingern auf die Frage, wie es ist, so lange keine Proben und Auftritte zu haben. Sie spricht Plattdeutsch, ist mit der Sprache aber nicht aufgewachsen. „Ich bin mit Hochdeutsch groß geworden.“ Im Alter von etwa zehn Jahren habe Evers die plattdeutsche Sprache von ihrer Nachbarin gelernt, erinnert sie sich.

Sie findet es toll, dass sich jeder aus der Gruppe bei den Proben mit einbringe. „Jeder darf seine Idee äußern.“ 35 Proben bräuchte die Gruppe vor dem ersten Auftritt. „Das ist das Mindeste. Erst proben wir zweimal die Woche, dann dreimal die Woche“, sagt Evers. „Das macht immer Spaß.“ Sie hofft, dass sie im Spätsommer wieder mit den Proben loslegen können.

„Ich hatte immer ausfüllende Rollen“

Seit wann gibt es die Speelkoppel Dötlingen eigentlich schon? „Seit 1977 gibt es die.“ Kurt Kläner hatte zu der Zeit den Heimatverein geleitet und die Gruppe ins Leben gerufen, berichtet Evers. Zu Anfang habe das Ensemble nur einen Einakter geprobt. „Dann irgendwann, als die Neerstedter Bühne eröffnet wurde, haben sie einen Dreiakter geprobt“, erinnert sich die Regisseurin.

Helmut Petermann hat nach mehr als 20 Jahren den Entschluss gefasst, aufzuhören, berichtet der 84-Jährige. Im letzten Stück hat er noch mitgespielt, bei den Proben im Sommer sei er nicht mehr dabei gewesen. 1999 habe er bei der Speelkoppel Dötlingen angefangen. In der ersten Saison hatte er nur eine kleine Rolle gespielt. „Sie mussten ja auch gucken, ob ich das kann und im zweiten Jahr hatte man mir sofort die Hauptrolle gegeben“, erzählt der 84-Jährige und lacht. „Es hat immer Spaß gemacht“, sagt er. Es habe – wie überall – Höhen und Tiefen gegeben, erzählt Petermann. „Wir haben aber Glück gehabt, dass Gunda Evers immer passende Rollen vergeben hat. Es kann nicht jeder jede Rolle spielen.“ Weiter sagt er: „Ich hatte immer gute Rollen, ausfüllende Rollen.“

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