Nabu kritisiert Standort für Begegnungsstätte

„Ein Affront gegen das Ehrenamt“

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Die Mitglieder der Nabu-Ortsgruppe Wildeshausen-Dötlingen wollen den Dorfgarten in seiner jetzigen Form erhalten. Der Bau der Begegnungsstätte würde den Charakter des Gebietes stark verändern.

Dötlingen - Von Phillip Petzold. Auf wenig Gegenliebe stößt der anvisierte Standort für das Haus der Begegnung beim Nabu Dötlingen-Wildeshausen. Das ursprünglich als Ausgleichsfläche angelegte Areal in der Mitte Dötlingens soll als „Kleinod“ sowie als Herberge für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen nicht beliebig umgestaltet werden.

Während einer Ortsbegehung am Dienstagabend kritisierten die Ehrenamtlichen zudem heftig, dass sie bei der Standortwahl nicht einbezogen wurden. Als „Affront gegen das Ehrenamt“ bezeichnete Marianne Steinkamp vom Nabu das Vorgehen der Gemeinde bei der Planung des Baus, der als Raum für vielfältige öffentliche Veranstaltungen genutzt werden soll. Schließlich kümmerten sich der Nabu und weitere Ehrenamtliche, unter anderem die AG Blühstreifen, um die Pflege des Dorfgartens. 

Unterstützung gab es auch aus dem Dorf: Bürger spendeten Mist, sorgten für die Bewässerung. So wurden neue Bäume und Sträucher gesetzt sowie alte Gehölze gepflegt. Erst kürzlich hat der Nabu Pfade durch die Wiese gemäht, auf denen Besucher spazieren können. „Der Nabu hat die ideelle Partnerschaft für die Obstbaumwiese übernommen“, so Steinkamp. Aber nun fühlen sich die Naturschützer ausgeschlossen: „Es ist eine Geringschätzung unserer Arbeit.“

Dorfgarten geht teilweise verloren

Doch bei der Planung nicht berücksichtigt worden zu sein, ist nicht der einzige Kritikpunkt des Nabu an dem Projekt, das Detlef Knechtel durch eine Spende in Höhe von 1,5 Millionen Euro angestoßen hatte.

Geht es nach dem derzeitigen Plan, würde rund ein Viertel der Fläche verloren gehen, heißt es bei den Naturschützern. Dabei handelt es sich um den Teil des Dorfgartens, der vom Parkplatz Zur Loh kommend linker Hand, oberhalb der Sandkuhle, liegt. Die müsste laut Nabu außerdem zugeschüttet werden. 

Denn mit dem Bau des Gebäudes selbst sei es nicht getan. Hinzu kämen Zuwegungen vom Parkplatz, Pflasterungen und Lichtinstallationen. Darunter würde der Charakter des Dorfgartens, in dem rund 40 verschiedene Pflanzenarten wachsen, leiden: „Die Weite, Stille und Ruhe würde kaputtgemacht“, so Steinkamp. Stattdessen gebe es Verkehr, Licht und Lärm.

Das Landschaftsschutzgebiet im Dorfkern präge Dötlingen entscheidend. Die geplante Umgestaltung sei eine „Katastrophe“, so die Umweltschützer. Ursprünglich wurde das Areal als Kompensationsfläche für den Erdgas-Untergrundspeicher angelegt. „Die Ausgleichsfläche muss Bestand haben“, fand Nabu-Mitglied Willi Zerhusen. „Das darf nicht beliebig werden.“

Gut entwickeltes Schutzgebiet bewahren

Mitstreiter Folkhard Steenken erinnert sich, dass die Fläche früher ein Spargelfeld war. „Daher der karge und sandige Boden“, erläuterte er. Mittlerweile sei es ein „gut entwickeltes Landschaftsschutzgebiet“. Und das müsse bei Bebauung doppelt ausgeglichen werden. Für die Nabu-Mitglieder sei es schwer vorstellbar, wie der Eingriff in den Dorfgarten ausgeglichen werden könnte. 

„Eine Waldumwandlung bringt keine neuen Flächen“, so Steinkamp. „Menschen und Insekten haben nichts davon.“ Einen eigenen Vorschlag für einen aus ihrer Sicht geeigneteren Standort möchten die Naturschützer nicht machen, einer Diskussion darüber würden sie sich aber keinesfalls verschließen. Schließlich wolle man mit der Gemeinde zusammenarbeiten: „Eine aktive Bürgerbeteiligung ist notwendig“, meinte Steinkamp.

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