Wie das Ehrenamt bereichert

Alexandra Heinze (auf dem Pferd) engagiert sich seit April ehrenamtlich auf dem Braaklander Hof von Silke Diers. Den Kontakt vermittelt hat die Freiwilligenagentur „mischMIT!“, deren Leiter Thorben Kienert. Foto: Schneider

Etwa 15 Millionen Menschen sind in Deutschland ehrenamtlich aktiv. Seit April gehört auch Alexandra Heinze dazu. Über die Freiwilligenagentur „mischMIT!“ hat sie eine Aufgabe gefunden, die sie erfüllt – in der Ponyschule des Braaklander Reitclubs in Neerstedt.

VON TANJA SCHNEIDER

Neerstedt – Es sei schon ein Glücksgefühl, das sich in ihr ausbreitet, wenn die Kinder sie vom Pferderücken aus strahlend anschauen. Dann wisse Alexandra Heinze, warum sie sich ehrenamtlich engagiert. Seit April ist sie in der Ponyschule des Braaklander Reitclubs aktiv und unterstützt Silke Diers dabei, dem Nachwuchs den Umgang mit den Vierbeinern zu vermitteln. „Es ist anspruchsvoll, aber macht richtig viel Spaß“, sagt sie. Die Wildeshauserin ist gelernte Krankenschwester, kann ihren Beruf aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. „Nach langer Krankheit wollte ich wieder zurück in die Gesellschaft“, erinnert sich die 47-Jährige. Zufällig fiel ihr ein Prospekt der Wildeshauser Freiwilligenagentur „mischMIT!“ in die Hände. Heinze überlegte nicht lange, sondern steuerte spontan die Geschäftsstelle am Mühlendamm an. Während eines Gespräches erfuhr sie einiges über die Agentur, die 2012 an den Start ging und seit dem Sommer 2018 auch mit der Gemeinde Dötlingen kooperiert, sowie über die Angebote für Ehrenamtliche. Abgestimmt auf ihre Angaben und Interessen, erhielt sie schließlich Vorschläge. „Ich habe mich dann für Neerstedt entschieden und es nie betreut“, erzählt Heinze.

Der Braaklander Reitclub gehört zu den vielen Vereinen und Institutionen in der Kommune, die die Freiwilligenagentur nach Abschluss der Kooperationsvereinbarung kontaktierte. „Wir haben abgefragt, ob und in welchen Bereichen Interesse für ehrenamtliches Engagement besteht“, berichtet Agenturleiter Thorben Kienert. Bis alle Rückmeldungen eingegangen waren und „mischMIT!“ eine gewisse Angebotsstruktur aufbauen konnte, dauerte es etwa ein halbes Jahr. „Man braucht Geduld und sollte die Vereine nicht bedrängen“, weiß Kienert. Schließlich sollten Ehrenamtliche gerne aufgenommen werden und sich willkommen fühlen.

Bei Heinze ist dies der Fall. „Sie hat sich unglaublich gut eingearbeitet und ist eine große Hilfe“, sagt Diers. Auf dem Hof gibt es mittlerweile vier Ponyschul-Gruppen für jeweils maximal acht Kinder. Die jüngsten sind vier, die ältesten zwölf Jahre alt. Heinze kam anfangs einmal die Woche, dann zweimal – aufgrund einer Umschulung ist sie derzeit nur mittwochs dabei. „Ich gehe nun in Richtung Augenoptikerin“, erzählt die 47-Jährige. Auch wenn sie irgendwann wieder berufstätig ist, möchte sie ihr Engagement in Neerstedt fortsetzen. „Es ist mein Hobby“, sagt sie. Es sei zwar anspruchsvoll und auch mal anstrengend, „aber ich bin ausgeglichen und tiefenentspannt, wenn ich nach Hause gehe“. Auf dem Braaklander Hof fühle sie sich aufgrund der familiären Atmosphäre sehr wohl. „Ich nehme nun sogar selbst Reitunterricht“, berichtet die Wildeshauserin, die vor etwa 20 Jahren mal ein eigenes Pferd hatte und wieder auf den Geschmack gekommen ist. Durch die Ponyschule habe sie eine Menge rund ums Pferd dazu gelernt.

Heinze hilft den Kindern bei den Vorbereitungen sowie der Pflege – striegeln, Hufe auskratzen, Trense anlegen. Zudem stehen kleine Theorieeinheiten, Spiele zur Förderung motorischer Fähigkeiten und natürlich Übungen auf dem Pferderücken auf dem Programm. „In der Regel besprechen wir vorher das jeweilige Thema“, erzählt Diers, die dankbar für die Unterstützung ist. Und Heinze hilft gerne: „Es ist eine Bereicherung.“

Dieses Feedback erhält Kienert häufiger. „Die meisten Ehrenamtlichen sind tätig, weil es ihnen Spaß macht“, sagt er. Etwa 40 Prozent der Freiwilligen seien ab Mitte 50 und hätten nun zeitliche Ressourcen, um sich zu engagieren. „Sie möchten noch etwa Sinnstiftendes machen“, weiß er. Unter den übrigen Ehrenamtlichen bilden die unter 30-Jährigen eine größere Gruppe. „Sie stecken in der Berufsfindung, wollen Neues entdecken, sich qualifizieren und ihren Lebenslauf aufbessern“, so Kienert. Mit der Entwicklung der Wildeshauser Freiwilligenagentur zeigt er sich zufrieden. Schließlich ist „mischMIT!“ mittlerweile in mehreren Nachbargemeinden aktiv – neben Dötlingen auch in Hatten, Harpstedt und Großenkneten. Die Expansion ist unter anderem auf die Herkunft der Ehrenamtlichen zurückzuführen. Etwa zwei Drittel sind nach Angaben von Kienert keine Wildeshauser. Und einige Freiwillige wollen möglichst im nahen Umfeld tätig sein. Andere wiederum suchten sich extra Angebote außerhalb ihres Wohnortes.

„In der Gemeinde Dötlingen gibt seit Kooperationsbeginn gut 30 Angebote, darunter Exoten wie Hallensprecher oder Kunstliebhaber“, teilt Kienert mit. Knapp ein Dutzend Ehrenamtliche sei in der Kommune aktiv.

Selbst mitmischen

Wer sich engagieren möchte oder Ehrenamtliche sucht, kann sich bei der Freiwilligenagentur unter Telefon 04431/7483475 oder per E-Mail an info@mischmit.org melden. Informationen gibt es zudem auf der Homepage www.mischmit.org.

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