Dötlinger sammelt Militärwaffen aus den Jahren 1871 bis 1945/Ausstellung beim Tag der offenen Tür des SV Altona

„Kulturgut erhalten und ergründen“

Der Dötlinger Herbert Aschenbeck (l.) und Dieter Ites, Vorsitzender der vdw-Regionalgruppe Bremen, schauen, welche historischen Waffen für die Ausstellung in Altona in Frage kommen.
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Der Dötlinger Herbert Aschenbeck (l.) und Dieter Ites, Vorsitzender der vdw-Regionalgruppe Bremen, schauen, welche historischen Waffen für die Ausstellung in Altona in Frage kommen.

Dötlingen - Von Tanja Schneider. Es ist schon ein ordentliches Pfund Geschichte, das dort gut gesichert bei Herbert Aschenbeck lagert. Rund 150 Militärgewehre und -pistolen aus den Jahren 1871 bis 1945 hat der Dötlinger in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen. Als Sammler interessiert er sich vor allem für den Hintergrund seiner Exponate. „Schließlich stammen sie aus einer kulturhistorisch bedeutsamen Zeit“, sagt er.

Gemeinsam mit weiteren Mitgliedern der Regionalgruppe Bremen im Verband für Waffentechnik und -geschichte (vdw) wird Aschenbeck am Sonntag, 7. September, beim Tag der offenen Tür des Schützenvereins Altona auch einige Exemplare ausstellen. Da sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges in diesem Sommer zum 100. Mal gejährt hat, zeigen die Sammler dann Waffen der hauptbeteiligten Staaten. Aschenbeck selbst konzentriert sich auf Ordonnanzwaffen aus Deutschland und England. Vom Gewehr 98 aus der Fabrik Mauser, mit dem die Infanterie des deutschen Heeres während des Ersten Weltkrieges ausgerüstet war, bis hin zur P14, die die Amerikaner für die Briten produziert haben, reicht seine Sammlung.

In Altona werden zudem französische Waffen wie das Lebel-Gewehr zu sehen sein. „Dies ist aus waffentechnischer Sicht sehr interessant, weil mit der 8-mm-Patrone erstmals Nitropulver verwendet wurde“, weiß Dieter Ites, der als Vorsitzender der Regionalgruppe ebenfalls bei der Ausstellung dabei ist. Ites sammelt historische Militärwaffen aus den südamerikanischen Ländern Chile, Peru, Argentinien und Brasilien. „Hinzu kommen die Iberische Halbinsel sowie die Schweiz und Schweden“, berichtet er.

Die jeweilige geografische Festlegung der Sammler hat seinen Grund. „Wir können nicht einfach alle möglichen alten Waffen zusammentragen“, erläutern er und Aschenbeck. „Es gibt da ganz genaue Vorgaben.“ Und dazu gehöre die Definition eines Sachgebietes samt zeitlicher und geografischer Begrenzung. Ohnehin sei das kostspielige Hobby der beiden an strengste Auflagen geknüpft, die nicht nur die sichere Verwahrung der Gewehre und Pistolen samt Zubehör betreffen. Wer eine Waffenbesitzkarte für Sammler erhalten möchte, muss eine vollkommen „weiße Weste“ haben, seine Sachkunde durch eine Prüfung nachweisen und über umfangreiche Fachliteratur verfügen. In der Sammlerkarte wird dann jede Waffe registriert.

Aschenbeck und Ites sehen ihre Exponate nicht vorrangig als Tötungswerkzeug, auch wenn sie dafür natürlich entwickelt wurden. „Als Mitglieder im Verband für Waffentechnik und -geschichte geht es uns darum, ein Kulturgut zu erhalten und zu ergründen“, berichten die Sammler, die zwischen der technischen Entwicklung von Waffen, der Kulturgeschichte sowie den zum jeweiligen Zeitpunkt gegebenen politischen Ereignissen eine Wechselwirkung sehen. So könne neue Technik politische Entscheidungen beeinflussen. Andererseits sorgten Konflikte und Kriege stets für eine Weiterentwicklung von Waffen, meint Ites, der durch seine Sammelleidenschaft auch automatisch viel über die jeweiligen Länder lernt, aus denen die Waffen stammen.

Ihr Wissen möchten die Mitglieder der Regionalgruppe der Öffentlichkeit näher bringen. Deshalb sind sie zum zweiten Mal beim Tag der offenen Tür des SV Altona vertreten. Neben Kurzwaffen in Schaukästen wollen sie einige Langwaffen zeigen. Die Sammler tauschen sich während ihrer Treffen auch regelmäßig untereinander aus. Zudem gibt es Vorträge, zum Beispiel zur „Entwicklung der Vorderlader“ oder den „Motorrädern der Wehrmacht“. Im September reisen die Mitglieder außerdem gemeinsam nach Verdun, wo 1916 eine der bedeutendsten Schlachten des Ersten Weltkrieges an der Westfront Hunderttausende Tote forderte. „Wir werden dort die Gedenkstätte besichtigen“, berichtet Aschenstedt, der neben Gewehren und Pistolen auch so manche Grabenkunst in seiner Sammlung hat. „Vor allem im Ersten Weltkrieg nutzten Soldaten die Wartezeiten in den Gräben, um aus Munitionsresten beispielsweise Armbänder oder Aschenbecher zu fertigen. So entstanden Andenken für Angehörige und auch nützliche Gegenstände“, erzählt er und holt einen aus einer Kartusche und Geschosshülsen gefertigten Aschenbecher hervor.

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