Im Hofladen von Elke Krebs ist zu allen Tageszeiten Betrieb

Dötlinger „Komfortzone“

Julia Gröhlinghorst ist eine von neun Mitarbeitern. Sie mag den engen Kontakt zu den Kunden. - Fotos: Buschmann

Dötlingen - Von Ulf Buschmann. „Moin!“ Kaum ist der eine Kunde raus, kommt der nächste rein. Eine Dame kauft noch schnell ein bisschen Auflage, ein Herr gönnt sich ein belegtes Brötchen mit Salami.

Und dann sind da noch die Menschen, die ihrem Glück beim Lotto auf die Sprünge helfen möchten oder einen Brief aufgeben müssen. Im Hofladen von Elke Krebs in Dötlingen ist immer etwas los. Und das seit 18 Jahren.

Die Atmosphäre hat ein bisschen was von einem guten alten Tante Emma-Laden: Hinten in der Ecke stehen die gekühlten Sachen, links und rechts Konserven und Gläser mit Gemüse, Marmelade und Honig. Das Brot gibt’s frisch geschnitten. Gleich vorne am Eingang sind Obst und Gemüse der Saison sowie Eier einladend drapiert.

Getränke und Drogerieartikel sind im hinteren Bereich zu haben. Vor allem bei Waschmittel, Zahncreme und Co. ist jeder verfügbare Zentimeter ausgenutzt. Die Postagentur mit Schreibwaren und Bastelartikeln im Übergangsbereich wirkt wie ein Kaufmannsladen für Kinder. Überhaupt: Wer noch einen der kleinen Tante Emma-Läden erlebt hat, fühlt sich in seine Kindheit zurückversetzt.

Solche nostalgischen Gefühle machen sich bei Menschen breit, die das erste Mal in den Dötlinger Hofladen von Elke Krebs an der Straße Am Steinberg kommen. Seit dem Jahr 1999 betreibt die gelernte Pharmazeutisch-Technische Angestellte ihr Geschäft, von dem ein zweites in Neerstedt existiert. „Ich wollte selbstständig sein“, nennt sie einen ihrer Beweggründe dafür, sich von der Welt der Medikamente ab- und dem Einzelhandel zuzuwenden. Doch nur verkaufen ist nicht Elke Krebs’ Ding. Einen Treffpunkt mit Kommunikationsmöglichkeiten zu schaffen sei von Anfang an ihr Ziel gewesen, meint sie.

Im Dötlinger Hofladen ist fast alles zu haben.

Dass das Konzept aufgeht, bestätigen die Kunden an diesem Montagvormittag. „Hier geht es familiär zu“, sagt der Kunde, der gerade seine Getränke bezahlt hat, „sowas hat uns hier gefehlt.“ Wer einkaufen wolle, müsse sonst längere Wege zu den Verbrauchermärkten nach Neerstedt oder gar nach Wildeshausen in Kauf nehmen. Er kaufe zwar in der Regel Kleinigkeiten, aber genau dafür sei der Hoflagen geeignet.

Dass er ein wenig versteckt zwischen hohen Bäumen und Feldern auf der einen Seite sowie Wohnbebauung auf der anderen Seiten liegt, tut der Beliebtheit keinen Abbruch. Barbara Anthonsen deckt sich gerade mit frischer Auflage und anderen Dingen des täglichen Bedarfs ein. „Wir haben hier eine absolute Komfortzone“, sagte sie. Doch komplett ohne Discounter gehe es nicht, meint Anthonsen.

Den Großen Konkurrenz zu machen, ist auch nicht das Vorhaben von Elke Krebs. Sie schließt vielmehr die Nischen, die weder Aldi noch Lidl noch Rewe noch Edeka bedienen können. Einen Hofladen funktioniere nur mit einem Gesamtkonzept, wie sie ihn betreibe, weiß die Unternehmerin. Dazu gehören neben dem klassischen Einzelhandel auch eine Lotto-Annahmestelle, eine Agentur der Deutschen Post AG und die Annahmestelle für eine Heißmangel. Kurz: Mehrere kundennahe Dienstleistungen aus einer Hand. „Was die Menschen eben so täglich brauchen“, sagt Krebs.

Barbara Anthonsen.

Während ihre Kollegin mit dem Getränkelieferanten die Liste durchgeht, kümmert sich Julia Gröhlinghorst um eine Kundin, die etwas Brot benötigt. Es kommt wie fast alle frischen Produkte aus der Region – in diesem Fall aus Wildeshausen. Gröhlighorst ist eine von insgesamt neun Mitarbeitern, die in Dötlingen und Neerstedt beschäftigt sind. Sie habe nach langer Arbeitslosigkeit im Hofladen eine neue berufliche Perspektive gefunden. „Der Kontakt zu den Kunden hier gefällt mir“, sagt sie.

Da geht es Gröhlinghorst wie ihren Kolleginnen. Die meisten seien Stammkunden, berichten sie, während schon wieder der nächste mit seinem Wunsch vor dem Tresen steht. Aber auch Urlauber kämen immer wieder ins Geschäft, um einzukaufen oder um sich nach Freizeitmöglichkeiten und Veranstaltungen im Ort zu erkundigen.

Wer so nah dran an den Menschen sei, bekomme einiges mit. Eines Tages stünden die Kinder der ersten Zeit mit ihrem eigenen Nachwuchs in der Tür.

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