Wer war der dritte Soldat?

Dötlinger Heimatforscher Karsten Grashorn bittet um Informationen zur Kriegsgräberstätte

„Unbekannter Soldat“ steht auf dem Kreuz: Dötlingens Heimatforscher Karsten Grashorn hat herausgefunden, dass der Mann aus Wien kam. Dessen Angehörige leben in der Steiermark.
+
„Unbekannter Soldat“ steht auf dem Kreuz: Dötlingens Heimatforscher Karsten Grashorn hat herausgefunden, dass der Mann aus Wien kam. Dessen Angehörige leben in der Steiermark.

Dötlingen – Um Licht ins Dunkel zu bringen, bittet er um Mithilfe: Der Dötlinger Heimatforscher Karsten Grashorn möchte mehr über die Soldatengräber auf dem Friedhof herausfinden. „Ich habe Mitte der 1990er-Jahre angefangen, das Kriegsende 1945 in der Region aufzuarbeiten, und es sind sowohl etliche deutsche als auch alliierte Soldaten bei den Kämpfen gefallen.

Ich wollte mehr über die Deutschen wissen. Unter anderem darüber, wo sie herkamen. Ich musste dann feststellen, dass es kaum Unterlagen darüber gab“, berichtet Grashorn von seinen Anfängen.

Nun forscht er zu den Soldatengräbern. In Gedenken an deutsche Soldaten, die in der Gemeinde während des Zweiten Weltkrieges gefallen sind, sind 18 Kreuze auf dem Friedhof aufgestellt worden. Das Rätselhafte dabei: „Es sind laut Aufzeichnungen der Gemeinde Dötlingen 21 Soldaten gefallen, dort liegen aber nur 18 “, schildert Grashorn. Aus diesem Grund möchte er mehr über die Kriegsgräberstätte sowie über diese drei Männer herausfinden.

Buch des Großvaters hilft ihm weiter

„Von zweien habe ich schon herausbekommen, wohin sie umgebettet worden sind, in ihre Heimat – nach Herne und Varel“, berichtet der Heimatforscher. Wie er an diese Informationen kam? Sein Großvater sei nach Kriegsende von den Alliierten als Ortsvorsteher eingesetzt worden, „er war im Ort Dötlingen für die Umbettung zuständig“, so Grashorn.

„Nachdem mein Vater verstorben war, hat meine Mutter mich gebeten, den Schreibtisch meines Vaters aufzuräumen.“ Dabei fand er ein Büchlein seines Großvaters, in dem er auf diese Informationen stieß. Mithilfe dieses Buches habe er schließlich rausgefunden, dass die Soldaten zunächst notdürftig dort bestattet wurden, wo sie gefallen waren. Wurden sie laut Grashorn ab 1945 zunächst zwischen der Friedhofskapelle und der Straße „Zur Loh“ beerdigt, folgte später die Umbettung der Soldaten an den jetzigen Standort.

Wann die Umbettung vorgenommen wurde, weiß Grashorn allerdings nicht. Bei der Kirchengemeinde Dötlingen habe er sich erkundigt. „Da geht es schon los: Es gab vonseiten der Kirchengemeinde keine Unterlagen, wer wo wann beerdigt und umgebettet wurde.“

Grashorn fand mithilfe einer Anwohnerin aber heraus, dass der Soldat, der aus Herne kam, gerade einmal 17 Jahre alt war, als fiel – an der Brücke in Ostrittrum. „Die Deutschen haben diese Brücke ja gesprengt, und es war aber auch gleichzeitig Beschuss. Die einen sagen, er verstarb bei der Brückensprengung, die anderen sagen, beim Beschuss“, so Grashorn. Der Soldat, der aus Varel kam, sei älter gewesen. Seinen Namen weiß Grashorn sicher: „Dazu habe ich die Bestätigung der Kirchengemeinde aus Varel bekommen.“ Den Namen möchte er aber nicht nennen.

Zum dritten Soldaten habe er keinerlei Informationen. Das ist aber nicht das einzige Rätsel: „Auf den Gräbern befanden sich zu Anfang einfache Holzkreuze“, so Grashorn. Im Laufe der Zeit wurden sie durch Steinkreuze ersetzt. Darüber, wann die Umgestaltung der Anlage erfolgte, habe er keine Informationen, sagt der Heimatforscher.

Erst Holzkreuze, dann Steinkreuze

Zudem sei von einem der 18 Soldaten auf dem Friedhof ebenfalls nichts bekannt. Auf seinem Stein steht – wie bei drei weiteren – „unbekannt“. „Entweder es steht der Dienstgrad oder der Name drauf, bei vielen stehen das Geburtsdatum, das Todesdatum oder der Ort, wo sie gefallen sind. Und bei einem steht gar nichts.“ Grashorn kennt die Hintergründe: „Es handelt sich dabei um einen Soldaten, der sich nicht ergeben wollte. Er hatte sich in einer Scheune verschanzt und diese Scheune ist dann von den Schotten in Brand gesteckt worden. Und er ist bis zur Unkenntlichkeit dort verbrannt“, informiert der Heimatforscher, der dies mithilfe des Büchleins seines Opas herausgefunden hatte. Die Hütte habe sich an der Krim in Dötlingen befunden.

Bei einem „unbekannt“ hat Grashorn mittlerweile herausgefunden, um wen es sich handelte: Um einen Soldaten, der aus Wien kam. Er verstarb am 24. April 1945 im Alter von 36 Jahren in Nuttel. „Die Familie des Mannes aus Wien lebt in der Steiermark.“ Mit dessen Angehörigen sei er in Kontakt. Sie wünschen sich, dass das Kreuz mit seinem Namen versehen wird.  

Bei Spurensuche helfen

Wer Grashorn bei der Spurensuchen helfen möchte und Bilder oder Informationen zur Kriegsgräberstätte in Dötlingen hat, kann sich mit ihm per E-Mail an karstengrashorn@t-online.de oder unter Telefon 04433/336 in Verbindung setzen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten

Noch darf jeder Kunde den Laden betreten
Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker

Deutlicher Protest gegen Querdenker
Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten

Wildeshauser spendet Stammzellen an Blutkrebs-Patienten
Tierschutzhof hofft auf Spenden

Tierschutzhof hofft auf Spenden

Tierschutzhof hofft auf Spenden

Kommentare