Dötlingen kann Flüchtlinge weiterhin dezentral unterbringen/Sechs Ehrenamtliche bieten ab November Sprachkurse

„Hoffe, das Engagement hält noch lange an“

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In der Gemeinde Dötlingen starten im November unterschiedliche Sprachkurse für Flüchtlinge. Sechs Einwohner haben sich gemeldet, die ehrenamtlich Deutschkenntnisse vermitteln möchten.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Während in manchen Kommunen angesichts der Flüchtlingskrise die Stimmung kippt und die anfängliche Welle der Solidarität sowie Hilfsgemeinschaft nachlässt, scheint das Engagement in der Gemeinde Dötlingen ungebrochen. Noch immer wird der Verwaltung privater Wohnraum für die dezentrale Unterbringung zur Verfügung gestellt, und nach wie vor gibt es Sachspenden. Nun haben sich sechs Einwohner gemeldet, die ab dem kommenden Monat ehrenamtlich Deutschkurse für die Asylbewerber anbieten werden.

Dötlingens Sozial- und Ordnungsamtsleiterin Elke Brunotte weiß die Unterstützung aus der Bevölkerung durchaus zu schätzen. „Ich hoffe, dass dieses Engagement noch lange anhält“, sagt sie. „Wir haben da eine ganz tolle Gruppe.“ Allerdings beobachte man auch im Rathaus sowie im Arbeitskreis „Integration“ mit Argwohn, was in anderen Städten und Gemeinden geschieht – gerade in denen, wo es aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen nicht mehr mit der dezentralen Unterbringung klappt und Massenunterkünfte eingerichtet werden müssen. „Ich bin deshalb froh, dass wir immer noch private Wohnungen und Häuser anmieten können. Derzeit führen wir wieder Gespräche“, informiert Brunotte. „So lange wir uns in diesem Rahmen bewegen, ist alles im grünen Bereich.“ Auch von Anfeindungen gegenüber den Asylbewerbern oder Ehrenamtlichen in der Gemeinde habe sie noch nichts gehört.

Am Dienstag gab es ein Treffen mit den sieben Einzelpersonen und Paaren, die Patenschaften für Flüchtlingsunterkünfte, von denen derzeit neun in der Kommune existieren, übernommen haben. „Dabei wurde deutlich, dass die Paten schon sehr gefordert sind“, berichtet Brunotte. Zu der Unterstützung bei Alltäglichem kämen akute Hilfen, zum Beispiel wenn sich ein Flüchtling verletzt und dringend zum Arzt muss. Die Paten müssten sich zudem auf wechselnde Gesichter einstellen. „Momentan ist es sehr beständig. Die Asylbewerber, die zur Osterzeit kamen, sind größtenteils noch da“, sagt die Sozialamtsleiterin. Das könne sich aber schnell ändern.

Momentan leben 64 Flüchtlinge in der Gemeinde. Gerade in der vergangenen Woche hat sie eine achtköpfige Gruppe aus Syrien aufgenommen, die in einer größeren Wohnung untergekommen ist. Diese konnte problemlos eingerichtet werden. Auch für weitere Unterkünfte sind schon Möbel in Sicht. „Wir erhalten aus einer Gaststätte Betten. Zudem gibt es Tische und Stühle, weil der Wirt sein Mobiliar erneuert“, freut sich Brunotte. Über die Paten gibt es Rückmeldungen, was in welchen Wohnungen noch benötigt wird. Darüber wird im Rathaus auch Liste geführt – ebenso wie über die Dinge, die Einwohner zur Verfügung stellen möchten. „Da wir kein großes Lager haben, versuchen wir stets, bei Bedarf zu handeln, erst dann die Spende abzuholen und direkt in die Unterkunft zu bringen“, erläutert Brunotte.

Um die Flüchtlinge zu integrieren, sind bereits einige Angebote angelaufen. Neben den beiden Begegnungstreffen gab es schon sportliche Kontakte sowie zwei Nähgruppen-Termine (wir berichteten). Daneben sollen die Asylbewerber möglichst schnell Sprachkenntnisse erlangen. „Die gerade angekommenen Syrer besuchen beispielsweise schon ab kommender Woche einen Deutschkursus“, so Brunotte. Außer den Lehrgängen von der Volkshochschule soll es ab November auch Kurse in der Gemeinde geben. „Bei uns im Rathaus haben sich sechs Ehrenamtliche gemeldet, die Deutschunterricht geben möchten“, erzählt Ina Schäfer, die dieses Angebot koordiniert. Fünf Kurse sind geplant, unter anderem in der Neerstedter Grundschule und im Haus der Vereine in Brettorf. Der erste startet am 4. November. Jeweils fünf bis zehn Flüchtlinge können teilnehmen. „Einer richtet sich beispielsweise an diejenigen, die bereits einen 100-Stunden-Kurses belegt haben, ein anderer an die Frauen, die noch keinen Lehrgang besuchen konnten, weil ihre Männer teilnahmen und sie in der der Zeit auf die Kinder aufgepasst haben“, berichtet Schäfer. Unter den Ehrenamtlichen sind ehemalige Lehrkräfte, aber auch eine Logopädin, die die Asylbewerber in ihrer Praxis schulen wird. „Die meisten wollen Deutschkenntnisse auf spielerische Weise vermitteln“, weiß Schäfer. So möchte die Familie Bötefür im Dötlinger Schützenhof zwei Familien im Rahmen eines Kochkurses die Sprache näher bringen. „Dieses Engagement ist wirklich lobenswert“, meint auch Schäfer.

Auf der Internetseite der Gemeinde finden Interessierte in der Rubrik „Familie und Soziales“ unter dem Begriff „Flüchtlingshilfe“ übrigens alle Ansprechpartner für die unterschiedlichen Bereiche – von ehrenamtlicher Mitarbeit über verschiedene Spendenmöglichkeiten bis hin zu Wohnungsangeboten.

www.doetlingen.de

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