Ab Montag dürfen mehr Kinder und sämtliche „Schulis“ in die Kitas kommen

Dötlingen erweitert Notbetreuung

Die „Dötlinger Strolche“ sind aufgrund der Coronakrise unvollständig: Wer nicht kommen darf, werde natürlich vermisst, sagt Kita-Leiterin Isabell Hannig-Meints. Fotos: Schneider

Dötlingen - Von Tanja Schneider. „Wir vermissen euch“ steht in bunten Buchstaben auf dem Schild, das zusammen mit farbenfrohen Bildern an einer Wäscheleine vor dem Kindergarten „Dötlinger Strolche“ an der Karkbäk hängt. „Damit grüßen wir alle Mädchen und Jungen, die derzeit nicht zu uns kommen dürfen“, berichtet Leiterin Isabell Hannig-Meints. Wie überall im Land gibt es auch in der Gemeinde Dötlingen aufgrund der Corona-Pandemie seit Wochen nur eine Notbetreuung in den Kitas – fünf Kinder pro Gruppe sind bis dato erlaubt, in der Krippe sind es drei. Doch das ändert sich ab Montag. Dann erweitert die Kommune nicht nur die Notbetreuung. „Auch die ,Schulis‘, also die künftigen Schulkinder, dürfen wieder die Kitas besuchen“, bestätigt Anke Wilkens von der Gemeindeverwaltung auf Nachfrage.

Laut der Sachgebietsleiterin wird bei der Notbetreuung die Gruppenstärke aufgestockt. Im Kindergartenbereich könnten künftig 13 Mädchen und Jungen zusammen betreut werden, in der Krippe seien es acht und im Hort zehn. Bislang lag der Fokus auf Kindern, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, sowie auf einigen Härtefällen. Besonders bei Letzteren soll es gemäß den Vorgaben der niedersächsischen Landesregierung Erweiterungen geben. Anhand einer Checkliste auf der Gemeindehomepage (www.doetlingen.de) können Eltern prüfen, ob ihr Nachwuchs für die Notbetreuung infrage kommt. „Die bisherige Liste wird derzeit überarbeitet, wird aber noch diese Woche online gehen“, so Wilkens.

Von diesen Einschränkungen ausgenommen sind die Kinder, die Ende August in die Schule kommen. Sie dürfen allesamt die Einrichtungen besuchen – vorausgesetzt, sie sind gesund. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagt Hannig-Meints. Die Leiterin der „Dötlinger Strolche“ weiß, dass viele der 19 „Schulis“ traurig sind, weil ihre Ausflüge und Besuche, unter anderem bei der Feuerwehr, ausgefallen sind. „Das ist für sie wirklich schlimm“, so Hannig-Meints. Die Erzieherinnen wollten nun versuchen, den Mädchen und Jungen zumindest noch ein paar interessante Wochen und einen schönen Abschied zu ermöglichen. „Wir sitzen gerade zusammen und überlegen, wie dies gelingen kann“, verrät sie.

Wie in Dötlingen haben auch die „Schulis“ in der Brettorfer Kita „Filibuster“ sowie die „Maxis“ in der Neerstedter Einrichtung „Unterm Regenbogen“ in den vergangenen Wochen Arbeitsblätter erhalten. „Unter anderem aus der Wortwerkstatt“, erzählt Hannig-Meints. Ab kommender Woche gehe es ins „Zahlenland“.

Sollten alle Eltern ihre „Schulis“ in die Kitas schicken, wären in den drei Einrichtungen insgesamt fünf Gruppen für sie erforderlich – jeweils zwei in Dötlingen und Neerstedt sowie eine in Brettorf. Über den genauen Betreuungsablauf sollen die Eltern nun kurzfristig informiert werden. Sowohl für die künftigen Schulkinder als auch für die Mädchen und Jungen in der Notbetreuung gilt: Jede Gruppe hat ihren festen Raum, und Besuche untereinander sind ebenso wenig gestattet wie Begegnungen auf dem Außengelände. Jeder Gruppe sind feste Erzieher zugeordnet.

„Wir Erwachsenen versuchen natürlich, zueinander und zu den Eltern Abstand zu halten“, versichert Neerstedts Kita-Leiterin Sandra Burmeister. Es sei aber utopisch zu glauben, dass dies auch mit kleinen Kinder funktioniere. „Einige brauchen halt mal Trost, andere müssen gewickelt werden“, berichtet Burmeister aus dem Alltag. Die älteren Kinder wirkten hingegen sensibilisierter. „Sie bekommen die Gespräche der Erwachsenen mit und horchen beim Wort ,Corona‘ schon auf“, hat Hannig-Meints beobachtet. Viele „Strolche“ würden inzwischen automatisch in die Armbeuge husten und benutzte Taschentücher direkt in den Müll werfen.

Kitas bleiben mit Kindern in Kontakt

Lob gibt es auch von Brettorfs Kita-Leiterin Gudrun Löhlein: „Es ist toll, wie gut sich die Kinder nun die Hände waschen können.“ Da zwischen den Gruppen keine Gegenstände ausgetauscht werden sollen, hätten sich die in der Notbetreuung befindlichen Mädchen und Jungen bereits Gedanken gemacht, welche Spielsachen sie für die am Montag startenden „Schulis“ abgeben möchten. „Das ist doch super“, kommentiert Löhlein.

Auch wenn nun wieder mehr Kinder kommen dürfen, denken die Einrichtungen weiterhin an jene, die zu Hause bleiben müssen. „Wir haben von Anfang an Kontakt gehabt und versuchen, diesen zu halten“, berichtet die Brettorfer Kita-Leiterin. Ob per Telefon, Mail oder via „Beschäftigungspäckchen“ – die Kindergärten bleiben am Ball. „Wir haben zum Beispiel für alle Osterkörbe gebastelt, Spielmaterialien vor die Tür gelegt, und winken natürlich immer zurück, wenn mal wieder ein Kind einen bemalten Stein vorm Eingang ablegt“, so Löhlein. Die Steinschlange ist im Laufe der Wochen ordentlich gewachsen.

Im Dötlinger Kindergarten sind vermehrt selbst gemalte Bilder eingegangen. „Die Hortkinder haben sich auch per Post gemeldet“, erzählt Hannig-Meints. Die Kita selbst hat Briefe geschrieben, Bastelideen, Liedtexte und Anleitungen für Fingerspiele verschickt. Ähnlich sieht es in Neerstedt aus. Passend zu Ostern und zum Frühling gab es kreative Päckchen. Für das nächste würden gerade Vorschläge gesammelt. „Einige Mädchen und Jungen haben auch zurückgeschrieben und erzählt, wie sehr sie den Kindergarten und die anderen Kinder vermissen“, weiß Erzieherin Jutta Leutloff-Jokiel. „Sie wünschen sich, dass es bald wieder richtig losgeht.“

Das hoffen auch die Einrichtungsleiterinnen und ihre Teams. Angesichts der bislang ausgelasteten Notbetreuung sind sie aber schon froh über die Ausweitung. „Diese muss nun erst einmal anlaufen“, meint Hannig-Meints – wohlwissend, dass einige Eltern durchatmen dürften.

Die Mütter und Väter in der Gemeinde hatten übrigens viele Fragen rund um die Notbetreuung. Das bestätigen sowohl Sachgebietsleiterin Wilkens als auch die Einrichtungen. Nicht alle Eltern hätten zufriedengestellt werden können. Dennoch seien die Gespräche im Großen und Ganzen moderat verlaufen. Unklar ist derzeit noch, in welchem Rahmen das neue Kindergartenjahr starten kann: Dürfen dann wieder alle Kinder kommen? Sind die normalen Gruppengrößen bald wieder möglich? Und können die „Dötlinger Strolche“ ihr offenes Konzept fortführen? Antworten gibt es momentan noch nicht.

Vorbereitungen für neuen Waldkiga

Voran geht es hingegen bei der Einrichtung des geplanten Waldkindergartens auf dem Gelände des Polizeisportvereines in Dötlingen sowie einer weiteren Gruppe in Brettorf. Letztere soll in einem Container untergebracht werden, für den die Ausschreibung gelaufen ist. Auch der genaue Standort steht nun fest. „Er wird beim Kindergarten an der Stirnseite des Parkplatzes stehen“, berichtet Bürgermeister Ralf Spille. Dafür müsse der kleine Wall weichen. Für alle neuen Gruppen sei übrigens schon Personal gefunden.

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