Dötlingen - De Marne

Erinnerungen an eine Partnerschaft

Die ewigen Majestäten: John Nijholt und Elke Lorenz wurden 2018 gekrönt.
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Die ewigen Majestäten: John Nijholt und Elke Lorenz wurden 2018 gekrönt.

2018 wurde das letzte gemeinsame Kohlkönigspaar der Partnergemeinden Dötlingen und De Marne gekrönt. Knapp zwei Jahre liegt das Ende der Kooperation zurück. Eine Gebietsfusion im Nachbarland war Auslöser dafür. Was ist von dem Austausch zwischen den beiden Kommunen geblieben?

  • Mehr als 30 Jahre lang, bis Ende 2018, waren Dötlingen und De Marne verpartnert.
  • Eine gemeinsame Kohlfahrt bildete regelmäßig den Höhepunkt des Austauschs.
  • Auch Kooperationen von Kunstschaffenden entstanden.

Dötlingen – Offiziell ist es seit gut zwei Jahren aus zwischen den Gemeinden Dötlingen und De Marne. Doch privat bestehen noch einige Kontakte und Freundschaften. Was ist geblieben vom Austausch der Kommunen, woran erinnern sich die Beteiligten?

Von 1985 bis Ende 2018 waren Dötlingen und De Marne in den Niederlanden verpartnert. Die bereits 1979 vom Dötlinger Ratsherr Helmut Behrens beantragte Kooperation wurde zunächst mit dem kleinen Ulrum geschlossen, 1990 wurde es in einer Gebietsreform Teil der Kommune De Marne. Seit 2019 gehört der Ort mit rund 10.000 Einwohnern zur Großgemeinde „Het Hogeland“, die eine Weiterführung der Partnerschaft ablehnte.

Ein zentrales Element der gut 30-jährigen Verbindung war eine Kohlfahrt, die die Dötlinger alle zwei Jahre organisierten. „Das war wirklich immer eine tolle Sache“, erinnert sich Elke Lorenz, die letzte Kohlkönigin des Austauschs. 2018 hatte sie gemeinsam mit einem Freund, dem Niederländer John Nijholt, den Thron bestiegen. Kein Zufall, vermutet die Brettorferin. „Vielleicht hat sich jemand gedacht: Wäre schön, wenn unser letztes Kohlkönigspaar sich auch privat kennt, damit die Kontakte nicht abreißen.“

Willem Bos und Margrit Mutke bildeten das 2014er-Kohlkönigspaar.

Auch Margrit Mutke, die mit der AG Neerstedter Vereine seit 2000 an der Organisation der Veranstaltung beteiligt war, erinnert sich an schöne Feiern: „Für die Leute von hier und für die Niederländer war das ein Event des Jahres.“ Das Interesse sei groß gewesen. Mitunter seien zwei Busse aus De Marne mit gut 100 Leuten angereist. „Das waren schon verrückte Zeiten“, sagt Mutke.

Sowohl sie als auch Lorenz pflegen weiterhin ihre Kontakte ins knapp 200 Kilometer entfernte De Marne. Eigentlich sei ein Treffen zur Feuerwehrfete in Neerstedt im September geplant gewesen, erzählen sie. Doch das sei wegen der Pandemie ausgefallen. „Wir haben das alle im Hinterkopf und freuen uns auf den Tag, an dem wir uns wiedersehen dürfen“, erklärt Mutke. Sie habe immerhin eine tägliche Erinnerung an die Kooperation: An ihrer Gartenhütte hänge das alte Partnergemeindeschild.

Große Teile der Austauschorganisation oblagen der Kommune. Thea Freiberg, inzwischen Vorsitzende der Dötlingen Stiftung, war vom offiziellen Anfang im Jahr 1985 an dafür zuständig, Ina Schäfer übernahm anschließend diese Aufgabe und war auch beim letzten offiziellen Treffen Ende 2018 dabei.

Die offizielle Verbindung der beiden Gemeinden wurde urkundlich 1985/86 geschlossen.

„Mir ist das total ans Herz gewachsen“, erzählt Schäfer. „Ich habe deswegen auch angefangen, Niederländisch zu lernen.“ Die gemeinsame Sprache habe engere Bindungen entstehen lassen. Zu ihrem Kollegen aus der Partnergemeinde, mit dem sie damals regelmäßig am Telefon ihre Kenntnisse übte, habe sie bis heute guten Kontakt. Die meisten anderen verließen sich damals darauf, dass die Gäste aus De Marne Deutsch sprachen, oder verständigten sich auf Platt.

Dass es die offizielle Verbindung nicht mehr gebe, bedauere sie sehr, sagt Schäfer. Vor allem Anfang der Nullerjahre, als es auch einen Jugendaustausch und ein Treffen der Gemeinderäte gegeben habe, sei die Verbindung intensiv gewesen. Sie selbst habe die niederländische Gemeinde rund 15-mal dienstlich besucht, dazu seien private Fahrten, zum Beispiel zum Karneval in Kloosterburen, gekommen.

Doch trotz aller schönen Erinnerungen: Das Ende der Kooperation sei nicht ganz überraschend gekommen, sagt Bürgermeister Ralf Spille. „Es hat sich vielleicht auch ein bisschen totgelaufen. Das Interesse seitens der Bevölkerung war nicht so groß.“ Es sei schwierig, eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten, wenn die Initiative mehr aus dem Rathaus als von der Bevölkerung komme, findet Spille. Es habe zum Beispiel kaum Verbindungen zwischen Vereinen gegeben – etwas, das solche Partnerschaften häufig stärkt. So sei etwa der in Dötlingen beliebte Handballsport bei den Nachbarn kaum verbreitet.

Kunst brachte De Marne und Dötlingen zueinander

Allerdings hatte es seit 1986 einen langjährigen Austausch der Tennisvereine der beiden Kommunen gegeben. Doch das Interesse daran sei mit der Zeit immer weniger geworden, musste der erste Vorsitzende des damaligen TV Neerstedt, Jürgen Brüderle, bei der 25-Jahr-Feier der Partnerschaft zugeben. Die Kontakte sollten fortan nur noch im Privaten fortgesetzt werden.

Dafür gab es zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen auf künstlerischer Ebene, berichtet Freiberg von der Dötlingen Stiftung. 2010 waren sieben Kunstschaffende aus De Marne für einen knapp einmonatigen Arbeitsaufenthalt zu Gast, 15 hiesige schlossen sich dem Projekt an. Es war aus einer Ausstellung im Jahr zuvor entstanden, bei der die Niederländer ihre Werke unter dem Titel „verbonden zijn... verbunden sein“ in der Galerie im Heuerhaus präsentiert hatten. „Die Künstler waren immer sehr entgegenkommend und waren sehr gerne in Dötlingen. Es waren interessante Leute“, erinnert sich Freiberg. Seit dem Ende der Partnerschaft habe allerdings nur noch der Kontakt zu Theo Leijdekkers und seiner Frau Swanny Beukema Bestand.

Das niederländische Künstlerpaar Theo Leijdekkers (2.v.r.) und Swanny Beukema (Mitte) besuchte Wiekers Hof 2013 gemeinsam mit den Kunstschaffenden Robert van Westendorp, Margriet Barends und Harm van der Meulen (v.l.).

Dieser berichtet, 2013 habe Freiberg ihnen das Ehepaar Erika-Janna und Heinz Wieker vorgestellt. „Sie luden uns ein, drei Monate lang mit noch drei Kollegen auf ihrem Anwesen in Hockensberg zu leben und zu arbeiten. Wir hatten dort eine tolle Zeit.“ Auch 2014 seien er und seine Frau zwei Monate lang dort gewesen. „Es war fantastisch“, erinnert sich der Niederländer. „Jetzt, Jahre später, haben wir immer noch viel Kontakt. Natürlich mit der Stiftung, aber auch mit Freunden.“

Ausstellungen der beiden in der Gemeinde, in Wardenburg und Oldenburg sowie Kurse, die Leijdekkers in der Müller-vom-Siel Kate gibt, gehören weiterhin dazu. Auch im Sommer 2021, kündigt der Künstler an, will er in Dötlingen unterrichten. „Es hat uns viel gebracht, nicht nur Freundschaft, sondern auch das Wissen über ein anderes Land, die Kultur und natürlich die Sprache“, zieht er ein Fazit. Auch Freiberg spricht von einer Bereicherung der Kunstszene.

Der Austausch mit De Marne hatte einige Höhepunkte, und auch nach seinem Ende sind einige Freundschaften und Kontakte geblieben – bei denen, die aktiv dabei waren. „Und wenn es nur 40 Leute sind, dann ist es für diese 40 Leute schade“, sagt Mutke.

Eine neue Partnerschaft mit einer anderen Gemeinde stehe derzeit nicht in Aussicht, erklärt Spille auf Nachfrage. So eine Initiative müsse eben aus der Bevölkerung, nicht aus dem Rathaus kommen, findet er.

Im Mai 2017 reiste eine Gruppe aus Dötlingen nach De Marne.

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