Campingplatz Aschenbeck wirbt um Camper / 60 bis 70 Prozent Verlust wegen Corona

Die Schranke hebt sich wieder

Ankommender Niedersachse: Klaus Maruschke aus Delmenhorst ist am Mittwoch mit seinem 34 Jahre alten Oldtimer, einem Mitsubishi L-300, zum ersten Mal auf dem Platz in Dötlingen.  
Foto: HÜHNE
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Ankommender Niedersachse: Klaus Maruschke aus Delmenhorst ist am Mittwoch mit seinem 34 Jahre alten Oldtimer, einem Mitsubishi L-300, zum ersten Mal auf dem Platz in Dötlingen. Foto: HÜHNE

Dötlingen – Die Krise im Rücken, die Zukunft vor Augen. So geht es Gerd Aschenbeck, Inhaber des gleichnamigen Campingplatzes in Dötlingen. Coronabedingt musste auch er seinen Platz schließen. „Mai und Ostern gingen uns verloren“, sagt der Betreiber: „Das ist weg.“ Dennoch blickt er positiv in die Zukunft und gibt sich optimistisch: „Wir haben jetzt wieder viele Anmeldungen“.

Die weggebrochenen Einnahmen liegen bisher bei rund 60 bis 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, berichtet Frauke Reuter, Buchhalterin des Campingplatzes und zugleich Schwester des Inhabers. Die Jugendgruppen vom Reitverein „Schimmelhof“ in Bremen mit mehr als 100 Teilnehmern für zehn Tage werden nicht so wie in den vergangenen Jahren kommen. „Aufholen können wir die Verluste nicht. Da müssen wir jetzt so irgendwie durch“, entgegnet sie. Durch den Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland fühlen sich die Betreiber zumindest gut über die geltenden Regeln informiert. Per E-Mail erhalten sie alle relevanten rechtlichen Anordnungen für ihr Gewerbe.

So auch, dass sie seit dem 18. Mai wieder anreisen durften: Tagesgäste und Dauercamper. Zunächst erlaubte der Gesetzgeber in Niedersachsen nach der Schließung wieder eine Auslastung bis zu 60 Prozent. Seit Montag dürfen es bis zu 80 Prozent sein. Das freut auch „Paula“. Die zwölfjährige Hündin von Albert Meiners begrüßt jeden Besucher, der sich der Runde um ihr Herrchen nähert. Meiners kommt seit acht Jahren zum Campingplatz nach Dötlingen. Dort hat er Freunde und eine Unterkunft im Grünen. Eigentlich wohnt er in der Nähe, aber auf dem Platz findet er es schöner. „Als das mit Corona losging, kam die Polizei“, erinnert er sich. „Wir hatten zwei Tage, alles zu räumen. Dann durften wir mal tagsüber vorbeikommen zum Rasenmähen. Abends mussten wir aber wieder gehen“, berichtet der Dauercamper.

Doch obwohl die Gäste gingen, blieben die Kosten. Viele Arbeiten mussten weiter verrichtet werden oder wurden vorgezogen. Die Instandhaltung der 16 Hektar großen Anlage sei aufwendig, so Aschenbeck. Vier Mitarbeiter beschäftigt er insgesamt. Niemand sei gekündigt worden oder befände sich in Kurzarbeit. „Die Hygienearbeiten fallen auch an, unabhängig wie viele oder wenige Gäste auf dem Platz sind“, bekundet Reuter. Zu den Personalkosten kommen zusätzliche Aufwendungen für Desinfektionsmittel. So bezahlen die Betreiber rund 50 bis 60 Euro für einen fünf Literkanister. Die Grünanlagen zählten ebenso zu den Dauerarbeiten – auch während der Schließung.

Um die amtlichen Hygieneanordnungen umzusetzen, wurden außerdem auf dem Gelände die Sanitärräume angepasst, erzählt Reuter. So gibt es im Hauptgebäude nur Einzelduschen, auf die Einhaltung der Maskenpflicht wird geachtet und lange „Waschtischstraßen“ gibt es nicht mehr. Jeden zweiten Tisch haben sie mit Folie und Klebebändern gesperrt. Mindestens dreimal am Tag werde dort alles desinfiziert, so Reuter. „Die Camper halten sich an die Regeln“, sagt sie. „Die haben nämlich auch Angst vor einer zweiten Welle“, und dass sie dann wieder ihre Behausungen auf dem Gelände verlassen müssten. Dem stimmt eine Dauercamperin zu, die sie dort alle nur „Jacky“ nennen: „Die Leute halten sich an die Regeln“.

Momentan liegt der ansonsten viel ausmachende Durchgangsverkehr aus Skandinavien und den Niederlanden brach, schildert Reuter. Die Tagesgäste aus den Nachbarländern bleiben sonst auf ihren Reisen durch Europa ein bis zwei Nächte auf dem hiesigen Platz. Ein Flaggenmast verdeutlicht die Wertschätzung den europäischen Gästen gegenüber. Nun hoffen die Betreiber auf die heimische Kundschaft. „In NRW sind die Campingplätze alle voll“, sagt die Buchhalterin. Daher haben sie dort Werbung geschaltet, um den etwas versteckten Geheimtipp im Dötlinger Grün bekannter zu machen. „Verkehrstechnisch sind wir ja hervorragend angebunden. Die A 1 ist direkt nebenan, und die A 29 ist auch nicht fern“, findet der Inhaber.

Die großen Abstände auf dem Areal seien zudem ideal, um sich im pittoresken Dötlingen inmitten der Natur vor Corona zu schützen, wirbt Aschenbeck mit Blick auf die Kontaktbeschränkung. Erwolle dieses Jahr keinen Urlaub machen. Anders sieht es bei vielen aus, die in diesem Jahr – statt im Ausland – lieber in der Heimat ihren Urlaub verbringen wollen.

Von Gregor Hühne

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