Harvester fährt zu weit ins Naturschutzgebiet Poggenpohlsmoor: Nabu ist entsetzt

„Die Natur wird vergewaltigt“

„Das ist eine Katastrophe“, betont Nabu-Sprecherin Marianne Bernhard-Beeskow (l). Sabine und Willy Zerhusen (r.) sowie Michael Toutziaridou sind ebenfalls fassungslos.
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„Das ist eine Katastrophe“, betont Nabu-Sprecherin Marianne Bernhard-Beeskow (l). Sabine und Willy Zerhusen (r.) sowie Michael Toutziaridou sind ebenfalls fassungslos.

Dötlingen – Als Michael Toutziaridou im Dötlinger Naturschutzgebiet Poggenpohlsmoor spazieren war, konnte er seinen Augen nicht trauen: Dort, wo vorher mächtige Bäume standen, sind nun mehrere Baumstümpfe, abgeknickte Äste und tiefe Spuren eines Harvesters im Boden des Waldes zu sehen. Die Sprecherin der Nabu (Naturschutzbund-)Ortsgruppe Dötlingen-Wildeshausen, Marianne Bernhard-Beeskow, beschreibt das Bild, das sie dort sieht, mit den Worten „brachiale Zerstörung“.

„Es haben hier Forstarbeiten stattgefunden“, schildert sie. „Mit schwerem Gerät, wofür man vorher eine Genehmigung gebraucht hätte“, fügt sie hinzu. Als Verursacher vermuten die Naturfreunde den Eigentümer des Waldstückes. Dieser hätte laut Nabu erst einmal einen Antrag bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Oldenburg stellen müssen. Aber: Für solche Arbeiten hätte er gar nicht erst eine Genehmigung erhalten, da es sich um ein FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet) handelt, vermutet Willy Zerhusen vom Nabu. Der Waldarbeiter, der den Auftrag ausgeführt hat, hätte das wissen müssen, betont er: „Der wusste das ganz klar.“ In dem Zuge verweist Bernhard-Beeskow auf die Verordung des Naturschutzgebiets Poggenpohlsmoor: „Eigentlich müsste eine ,ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung‘, die sich an die Auflagen hält, die dieses Gebiet vorgibt, durchgeführt werden.“

Ein Harvester hat hier seine Spuren im Boden hinterlassen.

Annika Mutke, Leiterin des Amts für Naturschutz und Landschaftpflege des Landkreises Oldenburg, berichtet auf Nachfrage, dass für die Arbeiten keine Genehmigung vorlag, allerdings sei es im Einzelfall auch ohne möglich, einen Harvester zu nutzen. Das hinge von der Schutzgebietsverordnung ab. Es müsse aber naturschonend gearbeitet werden. Ein Ordnungswidrigkeitenverfahren liege noch nicht vor. „Da wird noch geprüft, ob man es einleiten kann.“ Bevor ein belastender Bescheid rausgeht, erfolge eine Anhörung der betroffenen Person, so Mutke. „Wir sind für entsprechende Hinweise immer dankbar und gehen den auch nach“, betont sie.

Bei dem Vorfall handelt es sich um ein Versehen

Der zuständige Bezirksförster, Hubert Brüning, kann Aufklärung in die Sache bringen. Er erklärt auf Nachfrage, dass es sich bei dem Vorfall um ein Versehen handelte: Der Waldbesitzer kenne sich noch nicht mit den Grenzen in dem Areal aus. Durch die Trockenheit hätten die Birken einige Schäden erlitten, daher wollte der Eigentümer die Bäume herausziehen. Dabei sei der Harvester zu weit ins Naturschutzgebiet gefahren. Da er dies nicht beabsichtigte, hatte er sich zuvor auch keine Genehmigung geholt.

Die Hintergründe waren der Nabu-Ortsgruppe zum Zeitpunkt des Pressetermins offenbar noch nicht bekannt. Bernhard-Beeskow schaut sich am Ort des Geschehens die Verwüstung an und sagt: „Das ist eine Katastrophe.“ Weiter sagt sie: „Die Natur wird vergewaltigt. Das Poggenpohlsmoor hat schon Probleme genug, da braucht es das nicht auch noch.“

Harvester verdichtet laut Nabu den Waldboten

Durch die Arbeiten des Harvesters sei der Waldboden so verdichtet worden, dass das Wasser mehr richtig durchfließen könne. Michael Toutziaridou ist als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) tätig. In den vergangenen Jahren konnten im Poggenpohlsmoor auf Exkursionen bedeutsame pilzkundliche Funde gemacht werden.

Die Naturfreunde sind fassungslos. „Das sind vielleicht 500 oder 600 Euro, die hier für Kaminholz erwirtschaftet wurden“, vermutet Zerhusen. Er schätzt, dass etwa 3 500 Quadratmeter Wald gerodet wurden. Toutziaridou sagt dazu: „Mein wesentliches Anliegen ist es, dass es in Zukunft nicht wieder passiert.“ Wie sehe der Wald in Zukunft aus, wenn jeder Eigentümer so handeln würde, fragt Toutziaridou. „Das muss gestoppt werden“, betont er. „Es ärgert mich. Wir haben hier Wirtschaftswälder ohne Ende.“

Immer wieder bekäme der Nabu mit, dass sich Menschen nicht so verhalten, wie sie es in einem Naturschutzgebiet tun sollten. „Enduro-Maschinen und Quads sind auch ein Problem, die befahren damit die kleinen Wege“, berichtet Zerhusen. Die Fahrer wüssten genau, dass sie es nicht dürfen, und würden vorher ihre Nummernschilder abbauen. Das ist aber noch nicht alles: Im nordwestlichen Gemeindegebiet an einem Teich wurde ein Biberdamm zerstört. „Das ganze Material ist abgerissen und in den Bach geworfen worden“, schildert Zerhusen. Zudem wurde die Staumauer hochgezogen. Noch hielten die Reste des Biberdamms stand, aber wenn der Schlamm durch die Brücke fließt, lege dieser sich auf die Eier der Lachse und Forellen – die sich in den Laichbetten befinden – und würde sie ersticken. „Nur, weil der Biber es so stabil gebaut hat, hält der Teich überhaupt noch Wasser.“ Hinzu komme, dass der Biber höchsten Schutzstatus hat.

Zerstört worden: ein Biberdamm im nordwestlichen Gemeindegebiet.

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