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Die Beute: 4.000 Mark und Schinken

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Liegt fast 103 Jahre zurück: In der Nacht auf den 10. April 1919 waren vier Täter in das „Rote Haus“ in Hockensberg eingedrungen und bedrohten die Familie mit Schusswaffen.
Liegt fast 103 Jahre zurück: In der Nacht auf den 10. April 1919 waren vier Täter in das „Rote Haus“ in Hockensberg eingedrungen und bedrohten die Familie mit Schusswaffen. © Fass

Hockensberg – Verbrechen passieren immer wieder – und eben nicht nur „woanders“, sondern manchmal direkt vor der eigenen Haustür oder in der Nachbarschaft. Doch selbst Straftaten, die einst für Aufregung gesorgt haben, geraten irgendwann ins Vergessen. Lokalhistoriker Dirk Faß aus Sage-Haast macht sich für unsere Zeitung in der Serie „Aktenzeichen Wildeshauser Geest“ daran, einige dieser Fälle zusammenzutragen, nachzuzeichnen und wieder in Erinnerung zu rufen.

In der heutigen Folge geht es um einen Fall, der mehr als 100 Jahre zurückliegt und sich in Hockensberg ereignet hat – um genau zu sein im „Rotenhause“, das jetzige „Rote Haus“, das sich an der Bundesstraße 213 in Hockensberg befindet. Früher war es ein Gastronomiebetrieb, heute leben dort Niedriglohnarbeiter.

Die Wildeshauser Zeitung schrieb am 10. April 1919 Folgendes: „Ein frecher, räuberischer Überfall wurde in letzter Nacht bei dem Gastwirt Bultmeyer im Rotenhause verübt. Gegen Mitternacht wurde die Familie Bultmeyer aus dem Schlaf geweckt und mehrere Fremde verlangten Einlass um, wie sie vorgaben, einen Schaden an ihrem Automobil reparieren zu können. Herr B. war wenig geneigt, diesem Ansinnen zu entsprechen, aber die Fremden baten so dringend, sie nicht auf der Straße sitzen zu lassen.“

Einbrecher bedrohen Familie mit Schusswaffen

Laut dem Bericht zeigte Bultmeyer Verständnis und öffnete die Haustür. Daraufhin drangen vier Fremde hastig in das Haus und erklärtem unter vorgehaltenen Revolvern dem Wirt, er müsse ihnen alles an Bargeld sowie sämtliche Lebensmittel ausliefern, andernfalls würde man ihn erschießen. Der Wirt habe sich zunächst gesträubt, „aber die Räuber drohten nicht mehr lange zu fackeln, sonst wäre er tot“.

„Außer einer größeren Summe Geld fielen den Räubern Speck, Schinken, Eier und eine größere Anzahl frischgebackener Brote in die Hände. Während des Plünderns wurden die Bewohner mit vorgehaltenen Schusswaffen in Schach gehalten, sodass sie nichts gegen die Bande ausrichten konnten. Als man in allen Räumen nichts Verwertbares mehr vorfand, wurden die Bewohner aufgefordert, sich nicht zu entfernen, denn es sei eine Waffe auf das Haus gerichtet. Nun hatten es die Räuber eilig, mit ihren zwei Fahrzeugen davonzukommen. Der Wirt, der ihnen hinterher sah, erkannte, dass die Fahrtrichtung auf Delmenhorst zuging. Noch in derselben Nacht machte der Überfallene Anzeige bei der Gendarmerie in Wildeshausen. Der vorliegende Fall zeigt wieder recht deutlich, wie notwendig es ist, dass gegen solche frechen Übergriffe energisch Front gemacht wird. Jedenfalls ist den Bewohnern isoliert stehender Häuser dringend zu raten, unbekannten Personen auf keinem Fall Eintritt in ihre Wohnungen zu gestatten“, heißt es weiter.

Räuber in Hamburg festgenommen

Und was ist mit den Räubern passiert? Am 17. Juni 1919 schrieb die Wildeshauser Zeitung, dass die drei Täter, die in der Nacht vom 9. auf den 10. April bei dem Wirt Johann Bultmeyer „durch Drohung“ 4 000 Mark erpresst haben, in Hamburg verhaftet worden sind.

„Es sind vier Männer daran beteiligt gewesen, wovon einer noch flüchtig ist. Einer dieser Verbrecher war in Simmerhausen bediensteter Knecht gewesen und hatte dort auch einen Diebstahl verübt, wofür er eine längere Gefängnisstrafe verbüßte. Das hier in der Umgegend verbreitete Gerücht, dass die Einbrecher sich bei Bultmeyer für seine hohen Lebensmittelpreise haben rächen wollen, ist ein Gerücht. Schließlich haben die hier infrage kommenden Räuber nie eine Hamstertour in der Wildeshauser Gegend unternommen“, heißt es in dem Bericht.  

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