Flüchtlinge helfen als Saisonkräfte in Neerstedter Staudengärtnerei aus

Deutsche wollen nicht, Sudanesen freuen sich

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Seit rund einem Monat arbeiten fünf der asylsuchenden Sudanesen, die im Brettorfer Bahnhof wohnen, als Saisonkräfte in der Staudengärtnerei Schachtschneider in Neerstedt.

Neerstedt - Von Tanja Schneider. Saids Handgriffe wirken fast schon routiniert. Nach und nach steckt er Pflanzen in die Löcher, die zuvor die Topfmaschine in die Erde gebohrt hat. Die fertig gefüllten Gefäße stellt er beiseite. Seit rund einem Monat arbeitet der Sudanese gemeinsam mit vier weiteren Landsleuten, mit denen er in der Flüchtlingsunterkunft im Brettorfer Bahnhof wohnt, im Neerstedter Betrieb Stauden Schachtschneider. Firmenchef Jens Schachtschneider wollte ihnen eine Chance geben und hat es bislang nicht bereut.

Said arbeitet an der Topfmaschine. Er ist froh, eine Beschäftigung gefunden zu haben.

„Wir sind ganz zufrieden“, sagt er. Angestellt hat er die fünf Asylsuchenden, die schon länger in Deutschland leben, als befristete Saisonkräfte. Denn diese sind in der Branche schwer zu finden. Deutsche seien für den Job kaum zu gewinnen, weiß Schachtschneider. Die Agentur für Arbeit versuche regelmäßig zum Saisonstart, ihm entsprechende Kräfte zu vermitteln. Die meisten tauchten aber nicht einmal zum Vorstellungsgespräch auf. „Und da sie kein Interesse haben, darf ich auch Flüchtlinge einstellen“, berichtet er. Insgesamt zählt das Unternehmen 60 Mitarbeiter, davon rund 45 Festangestellte aus Deutschland. Die übrigen sind Saisonarbeitskräfte, die vornehmlich aus Osteuropa stammen.

Said ist froh, eine Beschäftigung gefunden zu haben. „Wer Geld verdienen möchte, muss arbeiten“, sagt der Sudanese, der inzwischen über passable Deutschkenntnisse verfügt. Dies gilt auch für Ehab, der in der Zweigstelle des Unternehmens in Uhlhorn tätig ist und sich ebenfalls schon um die gemeindeeigenen Beete beim Bahnhof gekümmert hat. Beiden macht die Arbeit Spaß, auch wenn sie ihnen aus dem Sudan keineswegs vertraut ist. „Sie sind aber recht pfiffig“, bestätigt Schachtschneider.

Gärtnermeisterin Silke Wilke bescheinigt den Sudanesen zudem Ehrgeiz. „Jeder von ihnen hat seine Stärken und Schwächen. Je nach Talent haben wir ihnen Aufgaben zugewiesen“, erzählt sie. Während Said und Ehab an der Topfmaschine stehen, füllt Abdelrahman Erde in Töpfe, Adam und Adil helfen bei der Aufbereitung der Ware, die an die Großkunden geht, und etikettieren sie. „Adil ist da schon fast so schnell wie ich“, lobt Schachtschneider.

Anfängliche Bedenken und Vorurteile, zum Beispiel hinsichtlich der Pünktlichkeit und Verlässlichkeit, hätten sich nicht bestätigt. „Und auch mit der Akzeptanz von Frauen als Führungskräfte haben sie keine Probleme“, freut sich der Neerstedter, der bereits Ende November erste Gespräche mit den Sudanesen und Vertretern der Gemeindeverwaltung geführt hat. „Damals waren sie schon heiß aufs Arbeiten und wollten am liebsten sofort anfangen.“

Innerhalb der festen Belegschaft sei die Akzeptanz mittlerweile gut. „Der eine oder andere war anfangs natürlich etwas skeptisch“, so Wilke. Das habe sich aber gelegt. Ausbaufähig seien bei einigen der neuen Saisonkräfte die Sprachkenntnisse. „Sie werden zwar besser, dennoch ist es mit der Kommunikation manchmal schwierig“, sagt sie. Oft helfe nur, Arbeitsschritte zu zeigen, statt zu erklären. Einige Tücken offenbarten sich zudem erst im Laufe der Wochen. „Wir haben uns anfangs zum Beispiel gewundert, warum die fünf beim An- und Abmelden im Betrieb immer so lange auf dem Touch-Screen nach ihren Namen gesucht haben. Bis uns einfiel, dass die arabische Schrift ja ganz anders aussieht.“

Umstellungen gab es im Betrieb wegen der Sudanesen nicht – bis auf eine Ausnahme. Da sie als Moslems kein Schweinefleisch essen, gibt es nun Schnitzelbrötchen mit Geflügel. „Und ich glaube, dass sich bei den belegten Brötchen der Käseanteil erhöht hat“, meint Schachtschneider mit einem Schmunzeln.

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