Der fliegende Rehkitzretter

Hegering Dötlingen schafft Drohne an, um Tiere vor dem Mähtod zu retten

Mit ruhiger Hand und Präzision steuert Stefan Kunst die Drohne des Hegerings.
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Mit ruhiger Hand und Präzision steuert Stefan Kunst die Drohne des Hegerings.

Dötlingen – Mit moderner Technik kann nun der Hegering Dötlingen aus der Luft nach jungen Rehkitzen Ausschau halten, um sie vor den sicheren Mähtod zu retten. Möglich wird dies durch eine 3 600 Euro teure Drohne mit Wärmebildkamera.

„60 Prozent haben wir aus einer Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erhalten“, so der 33-jährige Landwirt Stefan Kunst, der die Drohne zusammen mit einem weiteren Hegeringskollegen zusammen fliegt. Der Antrag laufe über die Kreisjägerschaft, „da dies ein eingetragener Verein ist und nur deshalb ein Antrag zustande kommen kann“. Pro Verein werde dann Geld für zwei Drohnen bereitgestellt, die andere habe der Hegering Holdorf erhalten, erzählt Kunst. „Die restlichen 40 Prozent hat der Hegering zusammen mit Spenden, größtenteils von Betreibern von Biogasanlagen, finanziert.“

Gefunden und gerettet: ein kleines Rehkitz.

Und die Anschaffung hat sich jetzt schon gelohnt: „Seit Mitte Mai haben wir gut 150 Hektar überflogen und so schon 28 Rehkitze retten können“, zieht Kunst Bilanz. Ab und an finde sich auch mal ein Fasanengelege, der Schwerpunkt liege jedoch bei den Rehen. Denn droht dem jungen Wild Gefahr, drückt es sich flach auf den Boden des Feldes. Da sie dort leicht übersehen werden, werden sie oft von Mähwerken erfasst und getötet.

Das Fliegen braucht Übung

Und wie funktioniert eine Rettung aus der Luft? „Normalerweise fliegt einer und achtet auf die Drohne, während ein anderer auf den Bildschirm guckt und nach Wärmesignaturen schaut“, erklärt Kunst. Dies sei aufgrund des schnellen Anlaufs des Projektes nicht immer möglich gewesen, soll aber in Zukunft so laufen. Weitere zwei bis drei Personen sind weiterhin am Boden mit Wäschekörben und Funkgeräten ausgestattet. „Wird ein Rehkitz entdeckt, stülpt einer seinen Wäschekorb über das Tier, und die anderen beiden tragen es dann vom Feld in Sicherheit.“ In einem Durchgang könne er so innerhalb weniger Stunden etwa 35 Hektar überfliegen. „Mit Hunden bräuchte man dafür sehr viel länger und man bräuchte auch sehr viel mehr Leute.“

Dank Wärmesicht erkennbar: ein Fasanengelege.

„Momentan gibt es im Hegering mit mir nur eine weitere Person, die die Drohne fliegt“, so Kunst. Bis zum Sommer seien aber noch bis zu sieben weitere Leute aus den Jägerschaften daran interessiert, mit der Drohne das Fliegen zu üben. Den Jüngeren falle es dabei sicherlich leichter, meint Kunst. „Jeder, der schon einmal eine Playstation in der Hand hatte, kann theoretisch die Drohne fliegen.“ Es werden lediglich zwei Joysticks zum Manövrieren gebraucht. Die eigentliche Schwierigkeit sei das Erkennen der Tiere auf dem Wärmebild, da das Fluggerät die Felder auf einer Höhe von bis zu 60 Metern überfliegt.

Um in dieser Höhe trotzdem den Überblick behalten zu können, verfügt das Gerät über eine Kombinationskamera. Damit könne zwischen Wärmebild und normaler Kamerafunktion hin- und hergeschaltet werden und auch das Heranzoomen sei kein Problem. Sogar verschiedene Farbspektren ließen sich einstellen. „In den vergangenen drei Jahren hat sich viel in der Wärmebildtechnik getan. Die Technologien werden immer leistungsfähiger und günstiger“, sagt der 33-Jährige.

Die Aktion laufe so gut, dass schon Pläne über eine weitere Drohne entstanden seien. Jedoch ohne die finanzielle Unterstützung des Bundes. „Da wir über diese Förderung ohnehin nicht noch einmal Geld beantragen können, haben wir uns überlegt vielleicht Gelder von der Niedersächsischen Bingo-Stiftung zu beantragen“, so Kunst. Das Interesse des Hegerings und der Landwirte sei jedenfalls geweckt.

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